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Formel 1-Übernahmepläne: Mercedes will 75 Prozent von Brawn GP

Brawn-Mercedes

Mercedes will innerhalb der nächsten drei Jahre seine Formel 1-Jetons neu platzieren. Bis zum Auslaufen des Exklusivvertrages mit McLaren sollen schrittweise bei Brawn GP Anteile erworben werden. Der neue Deal bringt Mercedes die Aktienmehrheit, und er ist erheblich billiger.

Wie auto motor und sport exklusiv in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, bahnt sich in der Formel 1 eine Sensation an. Mercedes plant einen Einstieg bei Brawn GP. In einem Zeitraum von drei Jahren sollen 75 Prozent an dem Rennstall aus Brackley erworben werden. Das Denkmodell steht kurz davor, in fixe Verträgen gefasst zu werden.

Brawn-Übernahme durch die Hintertür

Einziges Hindernis ist der noch laufende Exklusivvertrag mit McLaren. Der wurde vergangenen Winter bis Ende 2011 verlängert. Da sich die McLaren-Bosse Ron Dennis und Martin Whitmarsh gegen einen sofortigen Wechsel sperren, soll der Deal durch die Hintertür eingefädelt werden. Seit geraumer Zeit sind 15 Prozent der Mercedes-Aktien in Besitz der AABAR Investment aus Abu Dhabi und der Kuwait Investment Authority. Der Aktionär aus Abu Dhabi, der 9,1 Prozent des Aktienpakets hält, ist offenbar auch an der Formel 1 interessiert. Er könnte solange die Anteile bei Brawn übernehmen, bis Mercedes aus seinen Vertragsverpflichtungen frei kommt.

Der Plan ist, dass in Schritten insgesamt 75 Prozent der Teamanteile von Brawn GP bis 2012 an Mercedes übergehen. Einzelheiten sollen bei einem Treffen am Nürburgring zwischen den Mercedes-Verantwortlichen und den Partnern aus dem Mittleren Osten besprochen worden sein. Angeblich sollen die Autos von Brawn GP aber schon in der nächsten Saison in Silber fahren und den Stern auf der Motorabdeckung tragen. Das Team selbst hat sich finanziell für die nächsten drei Jahre abgesichert. Die Identität der Sponsoren soll erst bei der Präsentation des neuen Autos im Januar 2010 gelüftet werden. Gerüchten zufolge kommt der neue Hauptsponsor aus Deutschland. Teamchef Ross Brawn sagt nur: "Wir haben ein gutes Paket geschnürt."

Brawn für Mercedes günstiger als McLaren

Was wäre für Mercedes der Vorteil eines solchen Frontenwechsels? Bei Brawn GP gäbe es 75 statt 40 Prozent. Die Beteiligung käme Mercedes deutlich kostengünstiger, als das bei McLaren im Augenblick der Fall ist, wo der schwäbische Autokonzern neben Gratismotoren auch einen Entwicklungszuschuss und eine Beteiligung an den Fahrergagen beisteuert. Mercedes-Chef Dieter Zetsche hatte in einem Interview mit auto motor und sport angedeutet: "Wir sprechen über grundlegend andere, günstigere Dimensionen des finanziellen Engagements."

Dazu zählt auch die Strategie, über Kundenmotoren Geld einzuspielen. Im Augenblick hat Brawn GP noch einen Kundenstatus und bezahlt acht Millionen Euro für insgesamt 16 Motoren. Ross Brawn ist schlau genug, seinen Partner in spe in alle strategischen Fragen mit einzubeziehen. Ganz besonders in die Fahrerwahl. Deshalb ist für Nico Rosberg nicht McLaren sondern Brawn GP die erste Adresse. Der Deutsche soll dort mit Jenson Button eine schlagkräftige Einheit bilden und das Durchschnittsalter deutlich verringern. Größtes Problem: Oldie Rubens Barrichello fährt die Saison seines Lebens. Wie setzt man einen Fahrer vor die Tür, der in dieser Saison Weltmeister werden könnte?

McLaren will Mercedes halten

McLaren wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die neue Entwicklung. Die Angst davor, dass Mercedes mittelfristig zu Brawn GP abwandern könnte, erklärt, warum McLaren den schlecht in die Saison gestarteten MP4-24 weiterentwickelt als ginge es für Lewis Hamilton noch um den WM-Titel. Man will Mercedes beweisen, dass man der richtige Partner ist. Das Team aus Woking will zeigen, dass man jederzeit den Weg aus einer Krise findet.

Die Fortsetzung des Sportwagen-Projekts von McLaren trägt nicht zur Entspannung der Lage bei. Trotz Absage von Mercedes präsentierte Ron Dennis diese Woche ungerührt den neuen McLaren MP4-12C. Er ist mit einem V8-Turbo ausgerüstet, den der deutsche Kolbenhersteller Mahle in England baut.

Es gibt auch in der Formel 1 bereits erste Anzeichen, dass die Mercedes-Pläne bei McLaren auf Widerstand stoßen. Der Wunsch von Red Bull, ab 2010 von Renault- auf Mercedes-Motoren umzusatteln, scheitert derzeit noch am Veto von McLaren.

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Michael Schmidt

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