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Formel 1: Nick Heidfeld im Exklusivinterview

"Ich vermisse das Rennfahren sehr"

Nick Heifeld Foto: Wolfgang Wilhelm 54 Bilder

Mercedes GP Test- und Ersatzfahrer Nick Heidfeld spricht im Exklusivinterview mit auto-motor-und-sport.de über seine Rolle als dritter Mann bei Mercedes GP, das Kräfteverhältnis und seine Rolle als Fahrersprecher.

16.04.2010 Bianca Leppert

Wie haben Sie sich in Ihre Rolle als dritter Mann bei Mercedes GP eingefunden?
Heidfeld: Ich habe mich gut eingelebt, auch wenn es nach wie vor nicht einfach ist, sich damit abzufinden. Das vordergründige Ziel bleibt natürlich wieder einen Rennsitz zu bekommen. Eingefunden habe ich mich ins Team aber gut, obwohl ich spät dazu gestoßen bin. Ich war bei einigen Tests und den Rennen dabei und kenne die Abläufe für den Fall, dass ich einspringen muss. In manchen Dingen kann ich auch mein Wissen einbringen.

Gibt es aus dieser Saison ein konkretes Beispiel, bei dem Sie helfen konnten?
Heidfeld: Oft schreibe ich mir Dinge auf und lasse es die relevanten Leute wissen. Egal, ob das nun das Set-up betrifft oder Problemlösungen, die ich schon einmal gesehen habe.
 
Wie sehr fehlen Ihnen die Rennen?
Heidfeld: Sehr. Das hat sich während der ersten drei Rennen nicht geändert und das wird sich auch nicht ändern. Aber es ist auch nicht schlecht, dass es sich nicht ändert. Es ist ein guter Job. Es ist dass, was ich am Ende - aus dem was noch übrig war - wollte. Aber es ist nicht mein ultimatives Ziel. Momentan ist es nun mal so. Aber man findet sich damit nicht ab und sagt sich 'Ist ja egal'. Es ist eben nicht egal. Das ist nach wie vor ein wichtiger Teil in meinem Leben.
 
Gibt es denn auch einen positiven Effekt? Zum Beispiel mehr Ruhe?
Heidfeld: Ich habe mehr Ruhe, aber das empfinde ich nicht als positiv. Wir haben als Fahrer ohnehin deutlich mehr Zeit als früher, weil es keine Tests mehr gibt. Der Zeitaufwand ist dem im letzten Jahr ähnlich. Ich bin bei jedem Rennen dabei. Zwischendurch gibt es zwar keine Tests, aber ich habe auch PR-Termine. Ich reise etwas später an und gewinne dadurch vielleicht zwei oder drei Tage. Lieber wäre mir aber, wenn ich fahren würde. In Vorteil ist hingegen ein neues Team kennenzulernen. Es ist das erste Mal, das ich mit Ross Brawn und Michael (Schumacher, Anm. d. Red.), die beide mehrmals Weltmeister waren, zusammenarbeite. Es ist interessant, das zu beobachten.
 
Sie haben trotzdem noch viele Termine wie Sie sagen. Unter anderem sind Sie in der GPDA engagiert. Warum?
Heidfeld: Die GPDA hat in Sachen Sicherheit in der Formel 1 in den letzten Jahren sehr viel erreicht. Die Sicherheit bei den Testfahrten war früher im Vergleich zum Standard bei den Rennen verhältnismäßig schlecht. Mithilfe der Teams haben wir es geschafft, den Standard auf ein Niveau mit den Rennen zu bringen. Das ist extrem wichtig. Nur weil hier mehr Zuschauer dabei sind, heißt das nicht, dass hier mehr Unfälle passieren. Ganz im Gegenteil. Bei den Tests werden neue Komponenten getestet und da sind die Chancen größer, dass etwas passiert. Mittlerweile sind fast alle Fahrer Adrian Sutil Mitglied. Von den neuen Fahrern sind momentan noch welche dabei zu unterschreiben. Da ich gerade am Rennwochenende ein bisschen mehr Zeit habe und auch zuhause ein bisschen mehr Kapazitäten habe, nehme ich die Rolle vor Ort wahr. Es ist zeitaufwändig, aber es ist eine Sache, die Sinn macht. Da stelle ich mich gerne zur Verfügung. In den letzten Jahren hat es Pedro de la Rosa gemacht. Bei ihm hat sich gezeigt, dass es nicht schlecht ist, wenn ein erfahrener Mann dabei ist, der etwas mehr Zeit hat.
 
Wie schätzen Sie das Kräfteverhältnis nach drei Rennen ein?
Heidfeld: Red Bull hat das schnellste Auto - offensichtlich mit ein paar technischen Problemen. Sonst könnte Sebastian (Vettel, Anm. d. Red.) schon einen großen Vorsprung in der WM haben. Er hätte drei Rennen gewinnen können. Dahinter sehe ich Ferrari. Das spiegelt das Bild bei den Testfahrten wieder. Sie sind bei allen Bedingungen gut. Ihnen fehlt vielleicht hinsichtlich des Speeds noch der letzte Pfiff zum Red Bull, das Auto ist dafür aber standfester. Danach kommt mit etwas Abstand McLaren und dicht dahinter sind wir.
 
Gibt es jemanden, der Sie im negativen oder positiven Sinne überrascht hat?
Heidfeld: Im positiven Sinn hat mich HRT überrascht. Dass sie es überhaupt geschafft haben, obwohl man gehört hat, dass in den letzten ein oder zwei Wochen vor der Saison noch gar nichts da war. Das fand ich super. Nach außen hin mag es nicht toll aussehen,. hinten rumzufahren. Aber für die Formel 1 ist es gut, dass neue Teams dabei sind. Auch wenn sie am Anfang noch nicht konkurrenzfähig sind.
 
Momentan hat man das Gefühl, die Technik ist etwas unzuverlässig. Bei Ferrari gehen die Motoren kaputt, Michael Schumacher und Sebastian Vettel verlieren jeweils eine Radmutter, Zündkerzen gehen kaputt. Haben Sie das Gefühl, dass sich ein Trend abzeichnet und zu sehr am Limit gebaut wurde?
 
Heidfeld: Ganz im Gegenteil. Ich denke die Standfestigkeit ist im Vergleich zum Stand vor 15 Jahren enorm hoch. Es fallen kaum noch Autos aus. Die Zündkerze ist ein sehr ungewöhnlicher Defekt - ohne das im Detail zu kennen. Das ist kein Teil, das am Limit entwickelt wurde. Was die Radmuttern angeht, verwundert mich das ein bisschen. Bei uns gab es offensichtlich ein Problem in der Startaufstellung. Die Radmutter war nicht fest genug angezogen. Das hätte auch in der Vergangenheit passieren können. Ansonsten sind die technischen Defekte sehr gering. Auch im Motorenbereich, da die Motorenentwicklung ja eingefroren wurde. Ich finde wir sehen nach wie vor sehr wenig Ausfälle.
 
Ihr Tipp für das Rennen am Sonntag?
Heidfeld: Ich tippe Sebastian Vettel auf Platz eins. Er hat hier letztes Jahr im Regen gewonnen. Es hat hier schon dreimal geregnet. Bei diesen Bedingungen ist er besonders gut. Das Auto ist das Schnellste, wenn es hält. Er sollte auch Webber im Griff haben. Alonso tippe ich auf zwei und Webber auf drei.

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