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Formel 1-Pläne in der Kritik

60 Kilogramm leichter, aber wie?

Formel 1 - Concept - Williams - Andries van Overbeeke - 2015 Foto: Andries van Overbeeke 30 Bilder

Die Formel 1-Drahtzieher haben auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, dass die Autos ab 2017 5 bis 6 Sekunden schneller und 50 bis 60 Kilogramm leichter werden sollen. Das eine ist kein Problem. Das andere schon.

01.06.2015 Michael Schmidt

Es sind große Worte: 2017 sollen die Formel 1-Autos 5 bis 6 Sekunden schneller werden. Und 50 bis 60 Kilogramm leichter. Wir nehmen mal an, dass sich die Rundenzeit auf eine Rennstrecke wie Malaysia bezieht. Für Monte Carlo wäre es etwas viel verlangt. In Sepang würden die Autos dann 1.34 statt 1.39 Minuten fahren. Das entspräche ungefähr den Werten von 2004. Damals stand Michael Schumacher mit 1.33,865 Minuten auf der Pole Position.

Für Williams-Technikchef Pat Symonds ist dieses Ziel kein Problem. Auch nicht mit den aktuellen Motoren. "Wir müssen einfach nur die Aerodynamik-Restriktionen zurücknehmen, die man uns aufs Auge gedrückt hat. Dazu kämen noch mehr Grip von breiteren Reifen und weniger Gewicht. Es ist kein Hexenwerk, die Autos wieder so schnell zu machen wie in der V10-Ära."

Aerodynamik immer weiter eingeschränkt

Ein Blick auf die Aerodynamik-Statuten zeigt, was uns die Regelhüter seit 2004 alles eingebrockt haben. Die ursprünglich 140 Zentimeter breiten Frontflügel wuchsen zunächst um 40 Zentimeter an, wurden dann aber wieder auf 165 Zentimeter gekappt.

Der Heckflügel schrumpfte in der Breite von 100 auf 75 Zentimeter, und er hat nur noch zwei statt drei Elemente. Der Diffusor darf steiler ansteigen, doch der Punkt des Anstiegs wurde im Vergleich zu damals um 35 Zentimeter nach hinten gelegt.

Sämtliche Flügel, Finnen oder Kamine auf der Verkleidung sind durch die 75 Millimeter-Radius-Regel verboten. Leitbleche dürfen nur noch in einem begrenzten Bereich vor den Seitenkästen angebracht werden.

Alle Tricks, die zwischendrin die Autos schneller gemacht haben, wurden wieder verboten. Also Doppeldiffusor, F-Schacht oder das Anblasen des Diffusors mit Auspuffgasen. Die Höhe der Nasen wurde auf 18,5 Zentimeter reduziert, was den Luftdurchfluss zum Unterboden einschränkt.

Mit Ausnahme des angeblasenen Diffusors könnten viele dieser Einschränkungen zurückgenommen werden. Oder man gibt den Ingenieuren mehr Freiheit. Symonds hätte nichts dagegen, wenn die Außenhaut des Autos innerhalb einer Box frei gestaltet werden dürfte. "Wir müssen dann nur schauen, dass die Kosten nicht explodieren. Aber mit unseren Windkanalbeschränkungen ist dem schon ein ganz guter Riegel vorgeschoben."

Verzicht auf Holzplatte würde 10 Kilos bringen

Wesentlich schwieriger ist es, das aktuelle Mindestgewicht von 701 Kilogramm inklusive Fahrer um 50 bis 60 Kilogramm zu unterbieten. "Wie soll das gehen? Wenn es möglich wäre, würde es jeder machen und die Differenz mit Ballast auffüllen. Die Top-Teams hätten das Geld, so leicht wie möglich zu bauen", meint Symonds. Heute sind schon 10 Kilogramm Untergewicht Luxus.

Die Autos sind nicht nur wegen der Hybridtechnologie immer schwerer geworden. Es wurde auch aus Sicherheitsgründen mehr Gewicht drauf gepackt. Inzwischen muss die komplette Fahrgastzelle mit Zylon ummantelt sein. Eine Konsequenz nach Kimi Räikkönens Unfall letztes Jahr in Silverstone. Beim Aufprall in die Leitplanken war das Chassis des Ferrari hinter der Vorderachse gebrochen.

Materialien wie faserverstärkte Metalle (MMC) sind mittlerweile verboten. Die Teams haben sie gerne für die Radträger verwendet. Pirellis neue Reifenkonstruktion legte an Gewicht zu. Die Getriebe haben 8 statt 7 Gänge. Aus aerodynamischen Gründen wurden die Autos immer länger. Ein längeres Chassis bedeutet mehr Karbonmasse.

Symonds sieht wenige Möglichkeiten, Gewicht aus den Autos herauszuholen. "Wir könnten die Planke unter dem Auto dünner machen, oder ganz auf sie verzichten. Das würde vielleicht 10 Kilogramm bringen, aber keine 60." Auch eine Reduktion der Gänge von 8 auf 6 würde Gewicht sparen. Doch man kann es drehen und wenden, wie man will: Mit dem V6-Turbo, zwei Elektromaschinen und 25 Kilogramm schweren Batterien ist ein Mindestgewicht von 640 Kilogramm nicht darstellbar.

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