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Formel 1 Reglement 2015

Pro und Contra der F1-Regel-Änderungen

Safety Car  - Formel 1 - GP Monaco - 25. Mai 2014 Foto: xpb 8 Bilder

Der FIA-Weltrat hat die Änderungen am Formel 1-Reglement abgesegnet, die von der F1-Kommission eine Woche zuvor vorgeschlagen wurden. Wir sagen Ihnen, welche der neuen Regeln für 2015 sinnvoll sind und welche nicht.

27.06.2014 Michael Schmidt

Der FIA-Weltrat tagte diesmal in München. Er segnete die Vorschläge ab, die von der Formel 1-Kommission eingereicht worden waren. Überraschungen blieben aus. Dezidierte Maßnahmen zur Kostenreduzierung auch. Die meisten Änderungen sind eher kosmetischer Natur. Einige sind sinnvoll, andere nicht. Wir nehmen uns die einzelnen Punkte im Detail vor.

Neue Formel 1-Regeln für 2015

§ Das letzte Datum, an dem die Regeln ohne einstimmiges Votum für das kommende Jahr geändert werden können, wird ab 2015 vom 30. Juni auf den 1. März vorverlegt.

SCHLECHT Einstimmigkeit lähmt den Sport. Weil am Ende gar keine Entscheidung getroffen wird. Die Teams haben ohnehin zu viel Mitspracherecht. Man sieht an der jüngsten Kostendiskussion, dass am Ende gar nichts dabei rauskommt. Noch nicht einmal bei Mehrheitsbeschlüssen.

§ Die Zahl der Motoren pro Fahrer und Saison wird von fünf auf vier reduziert. Nur wenn die Zahl der Rennen auf über 20 steigt, bleibt es bei fünf Motoren pro Fahrer.

GUT Die Maßnahme reduziert die Kosten. Hoffentlich geben die Motorenhersteller das auch an ihre Kunden weiter. Wenn heute ein Paket von 10 Motoren für zwei Autos 20 Millionen Euro kostet, müssten es im nächsten Jahr folgerichtig nur noch 16 Millionen sein.

§ Die Strafe für den Tausch einer kompletten Antriebseinheit ist ein Start vom Ende des Feldes statt aus der Boxengasse.

SCHLECHT Das wird die reichen Teams dazu animieren, bei Überschreitung der Maximalzahl der sechs zum Antriebsstrang zählenden Komponenten nicht die betreffende Komponente zu tauschen und zehn Startplätze Strafversetzung in Kauf zu nehmen, sondern gleich die ganze Antriebseinheit. Das Resultat ist fast das gleiche. Die ärmeren Teams können es sich vermutlich nicht leisten, freiwillig den ganzen Antriebsstrang zu tauschen. Sie laufen dann mehrmals in Gefahr, strafversetzt zu werden. Bei jeder weiteren Komponente um fünf Startplätze. Das ganze Strafsystem für Überschreitung der Maximalzahl ist viel zu kompliziert. Die FIA hätte da besser nach einer verständlichen Lösung gesucht.

§ Die Zahl der Windkanalstunden wird von 80 auf 65 Stunden reduziert, die bei voll eingeschalteter Turbine von 30 auf 25 Stunden. Jedes Team muss einen Windkanal nominieren. Die Benutzung eines zweiten ist untersagt. Die CFD-Kapazitäten sinken von 30 auf 25 Teraflops.

GUT Es spart Kosten. Wenn es überprüft werden kann.

§ Es gibt drei Testtermine à vier Tage vor der Saison. Sie müssen in Europa stattfinden. 2016 wird die Zahl der Wintertesttage auf acht reduziert. Testfahrten unter der Saison werden von vier mal zwei Tage auf zwei mal zwei Tage heruntergefahren. Zwei Tage müssen für junge Fahrer reserviert werden.

GUT/SCHLECHT Es wäre besser gewesen, die Simulator-Stunden zu reduzieren. Rennautos gehören auf die Rennstrecke. Richtig ist, nur noch in Europa zu testen. Die Bahrain-Nummer hat die Teams eine halbe Million Euro extra gekostet.

§ Der Parc Fermé beginnt bereits mit dem dritten freien Training und nicht erst mit der Qualifikation.

GUT Die Teams müssen sich früher auf die Abstimmung für das Rennen festlegen. Eine mögliche Fehlerquelle, die für zusätzliche Spannung sorgt.

§ Auch 2015 dürfen Reifenheizdecken verwendet werden. Das Thema kommt neu auf den Tisch, wenn über breitere Reifen für die Zukunft abgestimmt wird.

SCHLECHT Was ist so schwer daran, einen Reifen zu bauen, der ohne Heizdecken innerhalb von drei Runden auf Temperatur kommt? Früher ging es ja auch. Und wenn in den ersten drei Runden wenig Grip vorhanden ist, umso besser. Müssen die Fahrer eben wieder am Lenkrad zaubern.

§ Die Sperrstunde am Freitag wird von sechs auf sieben und in 2016 auf acht Stunden verlängert.

GUT Es entlastet die Mechaniker. Und zwingt die Teams, weniger komplizierte Autos zu bauen.

§ Nach einer Safety-Car-Phase wird künftig stehend gestartet, außer in den letzten fünf Runden oder, wenn ein Safety-Car innerhalb von zwei Runden nach dem Start oder dem letzten Re-Start eingesetzt wird.

SCHLECHT Eine dieser unsinnigen Regeln wie doppelte Punkte oder das Strafpunkte-System. Wieder so ein künstlicher Spannungsmacher, den der Sport nicht braucht und der die Fans vertreibt. Das ist Klamauk. Nur um die TV-Anstalten zufrieden zu stellen. Die würden besser daran tun, den Sport, so wie er ist, gut zu verkaufen. Was war schlecht an einem fliegenden Re-Start? Auch da gab es regelmäßig Positionsverschiebungen. Ein stehender Start birgt zu viele Risiken. Ein Crash. Kupplungsdefekte. Ein Fahrer kann viele Positionen verlieren, wenn er schlecht wegkommt. Chaos, wenn die Fahrer ihre Startplätze nicht finden. Zeitverlust, der vom richtigen Rennen abgeht. Und es ist alles schon wieder viel zu kompliziert, weil es tausend Ausnahmeregeln gibt.

§ Neue Regeln für die Nasen, um die hässlichen Auswüchse zu verhindern.

GUT Die Autos sehen dann nicht mehr so aus wie Pinocchio.

§ Titanplatten als Unterbodenschutz.

GUT Dann ziehen die Autos wieder Funken hinter sich her. Die Kritik daran ist unsachlich. Das ist kein künstliches Element, weil es den Wettbewerb weder beeinflusst, noch verzerrt. Und wir hatten das schon einmal in der 80er Jahren. Es kam nur aus der Mode, als die Regel eingeführt wurde, dass sich die Bodenplatte unter dem Auto nur um ein bestimmtes Maß abhobeln darf. Da ist Stahl sicherer als Titan. Es nutzt sich weniger stark ab.

§ Die Bremsscheiben müssen mit der gleichen Geschwindigkeit rotieren wie die Räder.

GUT Eine Übersetzung zwischen Bremsscheibe und Rad einzubauen wäre teuer geworden – für einen begrenzten aerodynamischen Vorteil. Am Schluss hätte es jeder gemacht. Und es wäre wieder eine Technologie gewesen, die kein Mensch sieht. Wie das Schnellschaltgetriebe.

§ Zwei-Stufen-Radsicherungen sind Vorschrift.

GUT Das verringert die Chance, dass nach einem Boxenstopp Räder verloren gehen. Man sollte allerdings überlegen, ob die Strafe für ein verlorenes Rad gerechtfertigt ist. Stop-and-Go ist hart genug. Da ist das Rennen für den betroffenen Fahrer gelaufen. Aber muss er dann gleich auch noch beim nächsten Rennen zehn Startplätze zurück? Der Fahrer kann in der Regel nichts dafür, wenn ein Rad schlampig befestigt wird. Die zweite Strafe sollte dann besser das Team treffen.

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