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Formel 1-Reifenreform

Ferrari und Force India als Verlierer

Pirelli-Reifen - Young Driver Test - Silverstone - 17. Juli 2013 Foto: xpb 28 Bilder

Das erste Rennen mit den neuen alten Reifen ist gefahren. Wer sind die Profiteure, wer die Opfer? Für Ferrari, Force India und ToroRosso scheint der Fall klar. Die drei Teams sehen sich als Opfer von Pirellis Kehrtwende. Mercedes, McLaren, Sauber und Williams haben dagegen von der Rückkehr zu den 2012er Reifenkonstruktionen profitiert.

15.08.2013 Michael Schmidt

Die Formel 1 hat wieder die Reifen, die Red Bull und Mercedes seit Saisonbeginn gefordert haben. Pirelli sah sich nach den Reifenplatzern von Silverstone dazu gezwungen, zu den alten Konstruktionen von 2012 zurückzukehren. Dabei besteht der Gürtel nicht aus Stahl sondern Kevlar. Das senkt die Laufflächentemperaturen um zehn Grad. Die Reifenschulter ist runder, das Walkverhalten geringer. Die Reifen heizen sich langsamer auf, fallen dafür aber nicht so schnell aus dem kritischen Temperaturfenster. Geblieben sind die Mischungen von 2013. Sie sind alle eine Stufe weicher als im letzten Jahr. Red Bull-Designer Adrian Newey hält diesen Mix für Unsinn: "Das könnte im Verlauf der Saison neue Probleme heraufbeschwören. Warum nimmt Pirelli nicht gleich die 2012er Reifen?"

Force India fühlt sich bestraft

Bei Force India hat man für solche Wünsche wenig Verständnis. "Jetzt haben die Topteams die Reifen bekommen, die sie wollten", ärgerte sich Adrian Sutil. Force India zählt neben Ferrari, ToroRosso und Marussia zu den Verlierern von Pirellis Rückkehr zu den alten Reifenkonstruktionen. "Wir haben unser Auto für die 2013er Reifen konstruiert. Deshalb konnten wir vom Fahrwerk und den Reifendrücken her auch mit extremen Einstellungen fahren, ohne dass die Reifen Schaden genommen haben. Wenn die anderen das nicht konnten, haben sie einfach schlechte Arbeit geleistet", blickt Technikchef Andy Green zurück. Wie man heute weiß, konnte sich Force India niedrigere Reifendrücke und mehr Radsturz leisten als die Konkurrenz. Trotzdem bauten die Reifen weniger stark ab als bei den Gegnern. Und Force India hat das Reifentauschen erfunden. "Wir haben schon bei den Wintertests die Reifen von einer Seite auf die andere getauscht. Es hat uns gewundert, wie lange die anderen Teams gebraucht haben, bis sie uns auf die Schliche gekommen sind", erzählt Sportdirektor Otmar Szafnauer. Force India sieht sich jetzt als Opfer: "Wir müssen dafür büßen, dass die anderen die Reifen nicht kapiert haben." Auch Marussia leidet. Für ein kleines Team ist jede neue technische Konstellation ein Problem. Weil weniger Leute über Lösungen nachdenken können.

Dickes Ende für Ferrari könnte noch kommen

Auch Ferrari nahm nach dem enttäuschenden Rennen in Ungarn die Reifen in die Kritik, musste aber zurückrudern, weil sich Pirelli nicht schon wieder den schwarzen Peter zuspielen lassen wollte. Die Roten zählten zu den Teams, die bei den Fahrwerkseinstellungen flexibler waren als die Konkurrenz. Und die wie Force India auf ein bisschen Rollsteifigkeit der Reifenabnutzung zuliebe verzichten konnten. Beide Autos fahren mit relativ wenig Anstellung und sind nicht so stark davon abhängig, dass der Auspuffstrahl den Diffusor versiegelt. Das Auto kann in den Kurven deshalb ruhig etwas mehr über die Längsachse rollen als ein Red Bull oder Mercedes. Ferrari kam in Budapest vermutlich noch mit einem blauen Auge davon. Asphalttemperaturen von über 50 Grad halfen beim Aufwärmen der Reifen. Deshalb verloren Fernando Alonso und Felipe Massa im Training weniger Zeit als üblich. Bei Force India dagegen blieben die Reifentemperaturen trotz der Hitze im Keller. Was zeigt, wie extrem dieses Auto ist. "Wir werden bei der Aufhängungsgeometrie nachbessern müssen", kündigte Andy Green an. ToroRosso machte eher den aerodynamischen Einfluss der neuen Reifen für seine schwache Form in Ungarn verantwortlich. "Wir haben mit den Fahrwerkseinstellungen keine Probleme. Aber irgendwie haben wir Abtrieb verloren", rätselte Technikchef James Key.

Mercedes profitiert vom Kevlar-Gürtel

Red Bull und Lotus scheinen von der Änderung der Reifenspezifikationen nicht betroffen zu sein. Da gilt die Regel: Gute Rennautos sind auf allen Reifen schnell. "Dadurch dass die Reifen weniger walken, kann an der Vorderachse tiefer gefahren werden. Das hilft denen, die wie wir das Auto stark anstellen", erklärt Newey. Mercedes hat von Pirellis Umkehrschwung sicher profitiert. Man steigt jetzt schon einmal zehn Grad niedriger in den Zyklus ein. Teamchef Ross Brawn warnt aber: "Wir wollen trotzdem so nah wie möglich an den kritischen 160 Grad Laufflächentemperatur dran sein. Wer zu weit drunter liegt, verliert Grip. Also reagieren wir mit der Abstimmung. Für uns ergibt sich deshalb auch jetzt noch das Problem, dass wir nicht über die 160 Grad-Grenze hinausschießen."

Bessere Aerodynamik für McLaren, Sauber und Williams

McLaren, Sauber und Williams haben hauptsächlich aerodynamisch profitiert. Ihre neuen Konzepte vertrugen sich nicht mit den starken Verformungen der Reifen, speziell hinten. Die Bewegungen der Seitenwände haben turbulente Luft in den Diffusor geschaufelt. Das Auspuffkonzept von McLaren, dem Sauber und Williams zunächst gefolgt waren, bläst aber nicht so wirksam auf die Diffusorspalte wie das von Red Bull oder Lotus. Die steiferen Seitenwände der 2012er Reifengeneration reduzieren die Probleme. Gleichzeitig haben alle drei Teams ihr aerodynamisches Konzept dem der Vorjahresautos wieder angenähert. Sauber beispielsweise kehrte zu dem Auspuff zurück, bei dem die Endrohre auf eine Rampe im Seitenkasten zielen. Nico Hülkenberg stellte fest: "Die neuen Reifen sind für uns ein Vorteil. Für Williams aber leider auch. Wir beide sind jetzt aber auch deutlich näher an Force India und ToroRosso dran als zuvor."

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