Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1-Reisetagebuch 2010

Großes Formel 1-Finale in Abu Dhabi

GP Abu Dhabi 2010 - Impressionen Foto: Grüner 20 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Vom großen Finale und dem plötzlichen Regenschauer in der Wüste von Abu Dhabi berichtet Tobias Grüner.

19.12.2010 Tobias Grüner

Acht Monate nach dem Saisonauftakt hat der Wahnsinn in Abu Dhabi endlich ein Ende. Durch die spannende WM-Konstellation reisen alle mit großen Erwartungen in den Wüstenstaat. Und sie sollten nicht enttäuscht werden.

Suite mit Wohnzimmer für Michael Schmidt

Ich habe mich mit Kollege Michael Schmidt am Flughafen in Dubai verabredet. Mein Flieger landet zwei Stunden früher. Während ich warte, nutze ich die Zeit zum Arbeiten. Nach dem Reisemarathon von Sao Paulo in die Wüste ist einiges liegen geblieben. Mit dem Taxi geht es dann durch die beeindruckenden Häuserschluchten des Wüsten-Disneylands rüber ins andere Emirat Abu Dhabi.

An der Rezeption wartet eine freudige Überraschung. Leider sind die Journalisten-Discount-Zimmer schon belegt, weshalb wir mit einem Upgrade leben müssen. Während sich mein Zimmer einfach nur durch die leicht verbesserte Aussicht vom Standard-Programm unterscheidet, zieht Schmidt in eine Suite der Luxusklasse mit getrennten Wohn- und Schlafzimmern sowie einem riesigen Bad.

Abu Dhabi zählt zu den Highlights

Abu Dhabi ist nach nur zwei Jahren einer meiner Lieblings-Grand Prix. Wegen der nach hinten verschobenen Startzeiten und dem kurzen zehnminütigen Fußmarsch reicht es hier locker aus, um 10 Uhr aufzustehen. Das kommt einem Langschläfer wie mir sehr entgegen. Bei anderen Rennen teile ich mir normalerweise einen Mietwagen oder ein Taxi mit Kollege Schmidt, der gar nicht früh genug an der Strecke sein kann und am liebsten im Pressesaal übernachten würde.

Mein erster Weg am Donnerstag führt mich allerdings nicht direkt ins Fahrerlager. Weil ich in Sao Paulo meine Akkreditierung zerstört hatte, muss ich mir einen neuen FIA-Pass im Akkreditierungscenter besorgen. Bei gefühlten 40°C geht es einmal um die halbe Strecke. Als ich um 11.30 Uhr durchgeschwitzt endlich im Pressezentrum ankomme, trifft mich auch noch der Zorn von Kollege Michael Schmidt. Der Technikverweigerer hat bereits zwei dringende Geschichten geschrieben, die er aber ohne meine Hilfe nicht ins Internet bekommt. Auch meine Argumente, dass es in Deutschland erst 8:30 Uhr ist und die Leute jetzt erst langsam den Computer anschalten, lässt er nicht gelten.

Pressekonferenz mit Titelanwärtern

Der Donnerstag läuft verhältnismäßig ruhig ab. Die vier Titelkandidaten sitzen gemeinsam in der offiziellen FIA-Pressekonferenz. Die Rennerei von Team zu Team ist deshalb nicht ganz so groß. Neben den großen Vier sitzt auch noch Nico Hülkenberg in der Runde, der noch einmal von seiner Pole Position in Sao Paulo erzählen darf. Großartig zu Wort kommt der Williams-Pilot allerdings nicht. "Ich habe mich zurückgelehnt und mir das gemütlich angehört", erzählt er später ganz entspannt.

Regen in der Wüste

Als ich mich am Freitag gerade auf die Trainingssitzungen vorbereite, zeigt ein Kollege plötzlich auf die große Leinwand im Pressesaal. Irgendwelche Porsche Cup-Renner fahren da im Regen um die Wette. "Welches Rennen war das denn", frage ich etwas überrascht. Worauf er antwortet: "Das ist live." Ich schaue aus dem Fenster und traue meinen Augen kaum: Draußen schüttet es. Mitten in der Wüste. Ein Blick auf die durchschnittlichen Jahresniederschläge auf Wikipedia bestätigt, dass eigentlich gar nicht sein kann, was gerade passiert. Da die Strecke bis zum Training nicht komplett abtrocknet, müssen alle Piloten zumindest kurz die Regengummis aufziehen.

Bei der Recherche nach dem zweiten Training bemerke ich, wie plötzlich lauter Teamchefs und Piloten in Richtung Yachthafen eilen. Dort haben sich bereits zahlreiche Fotografen in Stellung gebracht, um ein großes Gruppenfoto zu schießen. Am Ende fehlen allerdings drei Personen. Bruno Senna wird wegen eines Trainings-Vergehens noch von den Stewards befragt. Timo Glock wurde von seinem Team ans falsche Ende der Boxengasse geschickt. Nur Michael Schumacher hat keine Ausrede für das Fernbleiben. Verzweifelt versucht Ross Brawn, seinen Schützling telefonisch zu erreichen. Doch der hat scheinbar etwas Besseres zu tun.

Zimmer über der Disco

Wieder zurück am Hotel müssen wir uns erst einmal den Schlüssel für ein neues Zimmer abholen. Das Upgrade vom Einchecken galt leider nur für zwei Tage. In meiner neuen Behausung trifft mich fast der Schlag. Im zweiten Stock residiere ich nun direkt über dem Music-Club im Erdgeschoss, der bis weit in die Nacht lautes Techno-Gewummer spielt. An Schlaf ist vor drei Uhr nicht zu denken.

Das Qualifying am Samstag bringt bereits eine Vorentscheidung im WM-Kampf. Mark Webber verabschiedet sich auf Rang fünf aus dem Titelrennen und ist bei der Fragestunde am Abend entsprechend gut gelaunt. Sebastian Vettel hält sich mit der Pole Position alle Chancen offen. Klarer Favorit bleibt für uns alle aber Fernando Alonso. "Der fährt das Rennen mit einer Hand nach Hause", ist sich Kollege Michael Schmidt sicher.

Alle setzen auf Alonso

Auch ich schließe mich der Meinung an und bereite schon einmal alles für den dritten Titel des Spaniers vor. Ein kurzer Lebenslauf, die schönsten Bilder seiner Karriere, alle Rennen seiner Saison - alles ist für die Alonso-Feier parat als die Lichter der Startampel ausgehen. Doch dann kommt Sebastian Vettel und ein Strategie-Fehler der Italiener dazwischen. Schon nach 20 Runden wird klar, dass ich die Alonso-Geschichten für den Papierkorb vorbereitet habe. Jetzt heißt es, schnell alles auf Vettel umschwenken. Vom Rennen bekomme ich leider nur die Hälfte mit.

Nach dem Rennen ist Party-Stimmung im Fahrerlager. Red Bull feiert in der Garage, aber auch die anderen Teams scheinen nicht unglücklich zu sein, dass die Saison nun endlich vorbei ist. Leider lässt sich Vitaly Petrov noch eine Stunde mit seinem technischen Briefing Zeit, weshalb die Arbeit mal wieder erst spät in der Nacht beendet ist. Da der Rückflug erst um zwei Uhr in der Nacht auf Dienstag geht, verbringe ich den ganzen Montag in meinem Zimmer mit Schreiben. Dabei hätte ich die letzten Sonnenstunden des Jahres gerne am Hotel-Pool verbracht. In 130 Tagen ist der Winterschlaf allerdings schon wieder vorbei. Nicht weit von Abu Dhabi geht der Wahnsinn in Bahrain in eine neue Runde.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden