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Formel 1-Reisetagebuch 2010

Bahrain im Schumacher-Fieber

GP Bahrain - Impressionen Foto: Grüner 30 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Erste Station der 19-Städte-Tournee war Bahrain. Die hohen Erwartungen konnte das Rennen aber nicht erfüllen, erinnert sich Tobias Grüner.

01.12.2010 Tobias Grüner

Am neunten März ist der Formel 1-Winterschlag beendet. Nachdem mich der Lufthansa-Jumbo nach sechs Stunden Flug mitten in der Nacht auf dem Flughafen von Dubai ausgespuckt hat, warte ich in irgend einem externen Terminal-Gebäude auf meine Emirates-Maschine nach Bahrain. Der hohen Dichte an Kuttenträgern und des orientalischen Geruchs in der stickigen Luft zu urteilen, gehen von diesem abgelegenen Teil des Flughafens nur Kurzstreckenflüge in die arabischen Nachbarländer raus.

Voller Flieger nach Bahrain

Zu meiner Überraschung ist der Nacht-Flieger bis auf den letzten Platz ausgebucht. Beim Boarding wird schnell klar, dass der Araber gerne mit riesigen Plastiksäcken voller Kleidung und Essen im Handgepäck reist. Und so sind die Stauräume in der Kabine schnell hoffnungslos überfüllt. Für mein Dienst-Köfferchen ist längst kein Platz mehr, als ich die Maschine betrete.

Dass sich einer der Scheichs auch noch auf meinen Fensterplatz gesetzt hat, ist mir nur eine kurze Diskussion wert. Mit einer kurzen Handbewegung schicke ich die Stewardess wieder weg, die mir gerade im Kampf gegen den wild gestikulierenden aber nur wenig englisch verstehenden Bartträger zu Hilfe eilen wollte.

Bahrain macht Formel 1-Stimmung

Endlich in Bahrain angekommen wartet auch schon Kollege Michael Schmidt auf mich. Die deutsche Formel 1-Instanz in Diensten von auto motor und sport geht bereits seit 1977 auf Grand Prix-Rennen und scheint auch in puncto Reisebüros den besseren Riecher zu haben. Jedenfalls sah er nach seinem Flug deutlich weniger zerknittert aus als der Autor dieser Zeilen.

Während Kollege Schmidt noch den Mietwagen klarmacht, kommt bei mir erstmals wieder Formel 1-Fieber auf. Wie in jedem Jahr hatten die Araber ihr kleines Insel-Königreich zum Grand Prix üppig mit Plakaten und schwarz-weiß-karierten Flaggen geschmückt. "Race Number One", steht in großen Lettern über der Ankunftshalle. Jetzt wird mir auch endgültig bewusst: Der Wahnsinn hat wieder begonnen.

Endlich ein roter Pass

Nach einer erholsamen Nacht kann es am Mittwochvormittag endlich losgehen. Erste Amtshandlung: Akkreditierungen abholen. Nachdem ich in meiner Premieren-Formel 1-Saison 2009 noch für jedes der 17 Rennen einen neuen Pass besorgen musste, gibt es zur Belohnung im zweiten Jahr endlich einen der begehrten roten permanenten Pässe, der für jedes Rennen gilt.

Mit der neuen Karte geht es direkt raus an die Strecke. Der Kurs wurde im Vergleich zum Vorjahr um 900 Meter verlängert, was natürlich einer genauen Inspektion durch die auto motor und sport-Reporter bedarf. Bei 33°C Grad Außentemperatur wird das Vorhaben, eine ganze Runde zu gehen, aber schnell wieder abgebrochen. Da sich auch das fahrende Formel 1-Personal an diesem Tag partout noch nicht blicken lassen will, wird der Feierabend an diesem Tag etwas früher eingeläutet.

Schumi-Frühstück im Mercedes-Autohaus

Der Donnerstag beginnt schon um halb zehn in einem Mercedes-Autohaus irgendwo in Bahrain. Die Kollegen von der Bild-Zeitung, die zu diesem Zeitpunkt der Saison kein wichtigeres Thema als Michael Schumacher kennen, chauffieren mich netterweise zur Vorstellung des Rekordchampions. Kollege Schmidt verzichtet dagegen auf den Pflichttermin für deutsche Journalisten. Später stellt sich heraus, dass es wohl die bessere Idee war, an die Strecke zu fahren um mit Sebastian Vettel zu sprechen.

Eigentlich soll die Mercedes-Veranstaltung um 9.30 Uhr beginnen. Als die Silberpfeil-Stars endlich das Podium betreten, weist der kleine Zeiger auf der Uhr aber bereits direkt auf die elf. Nach einer 30 minütigen Fragerunde - in der Rosberg gefühlt gar nicht zu Wort kommt - ist das Schauspiel auch schon wieder vorbei.

Vettel nicht zur Pressekonferenz geladen

Endlich zurück an der Strecke haben die ersten Presserunden schon längst begonnen. Am Nachmittag folgt dann Teil zwei der Schumacher-Show. Die FIA hat den Rekordchampion, der ungewöhnlicherweise zur Fragestunde im Rennoverall erscheint, zusammen mit Hamilton, Button, Alonso und Massa eingeladen. Der spätere Weltmeister ist übrigens nicht anwesend.

Trotz Schumi folgt mein großes Highlight des Wochenendes allerdings erst am Sonntag. Mit dem roten Pass um den Hals kann mich im Gegensatz zur Vorsaison nun niemand mehr auf dem Weg in die Startaufstellung aufhalten. Die Hektik, die Promis, die Hitze der Motoren, der Überflug des Gulf Air-Jets und natürlich die Grid Girls - das Erlebnis ist einfach nur überwältigend. Wie ein japanischer Tourist im Schloss Neuschwanstein, fotografiere ich alles, was mir vor die Linse kommt.

Langeweile zum Saisonauftakt

Sportlich kann der heiß erwartete Saisonauftakt leider gar nichts halten. Sebastian Vettel sichert sich die Pole Position, muss am Ende aber mit Rang vier Vorlieb nehmen, nachdem sich eine Zündkerze verabschiedet. Am Ende gewinnt Fernando Alonso das ansonsten ereignislose Rennen. Auf Bahrain folgen viele Diskussionen über die mangelnde Action in der Formel 1. Damals weiß noch niemand, dass uns die beste Saison aller Zeiten bevorstehen sollte.

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