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Formel 1-Reisetagebuch 2010

Wetterkapriolen in den Ardennen

GP Belgien 2010 - Impressionen Foto: Grüner 19 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Der GP Belgien erwartete Tobias Grüner mit unberechenbaren Wetterumschwüngen.

13.12.2010 Tobias Grüner

Mit dem Grand Prix von Belgien wartete Ende August eines der Höhepunkte im Kalender auf uns. Einer der großen Vorteile des Spa-Wochenendes liegt in der Anreise. Man fährt die 400 Kilometer gemütlich mit dem eigenen Auto und muss sich nicht vor Ort um Taxis oder Mietwagen kümmern.

Familienhotel in den Wäldern

Da Kollege Michael Schmidt schon seit Jahren dasselbe Familienhotel am Grand Prix-Wochenende ansteuert, werden wir dort bereits freudig erwartet. Leider ist mein französisch nicht gut genug, um die Herzlichkeit entsprechend zu erwidern. Neben den netten Gastgebern muss ich die Gelegenheit hier nutzen, den Küchenchef zu loben. Was dort für die wenigen Gäste jeden Abend an Vier-Gänge-Menüs aufgefahren wird, ist wirklich unglaublich. Wie schon im Vorjahr sind die Muscheln mit Pommes (typisch belgisch) mein absoluter Favorit.

Der einzige Nachteil unserer gemütlichen Herberge ist die Lage. Ein Blick aus dem Zimmerfenster verrät: Hier sagen sich Fuchs und Hase wirklich gute Nacht. Wiesen, Felder, Wälder … außer ein paar Schafen hält sich die Action in engen Grenzen. Um zu dem dreistöckigen Gasthaus zu gelangen, muss man von der Dorfstraße noch fünf Minuten über kleine Feldwege ins Nirgendwo. Wer sich hier auf Navigationsgeräte verlässt, der ist verlassen.

Korea wird zur Witzfigur

An der Strecke ist zunächst auch nicht mehr los. Unser Schweizer Blick-Kollege Roger Benoit hat uns wie immer schon die besten Plätze im Pressesaal reserviert. Und trotz der finanziellen Probleme von Spa ist das Internet für Journalisten kostenlos. Während ich mich noch einrichte, kommt Kollege Schmidt mit Bildern von einer anderen Rennstrecke. Es sind Fotos aus Korea, die er mir vorlegt und auf denen außer einer großen Baustelle noch nicht viel nach Rennstrecke aussieht.

"Da sind ja noch nicht einmal Bauarbeiter", juxt auch BBC-Experte Eddie Jordan. Und was viel wichtiger ist. Noch kein einziger Meter Asphalt ist verlegt. Nach der Veröffentlichung gibt es zum ersten Mal Zweifel, ob das Rennen stattfinden kann. Heute wissen wir, dass die Strecke dank eines großen Schlussspurts gerade noch fertig wurde. Im August musste man daran noch erhebliche Zweifel haben.

Regen bringt Spannung

Die Randgeschichten aus Korea hätte es an diesem Wochenende aber gar nicht gebraucht. Von Anfang an war klar, dass uns in Spa ein spannendes Rennwochenende ins Haus steht. Der Grund dafür ist wieder einmal der Regen, der an allen Renntagen vorhergesagt ist. Schon das Qualifying zeigt, dass die Sache interessant wird. Sebastian Vettel fährt mit Rang vier seinen bis dahin schlechtesten Startplatz ein. Und ausgerechnet Mark Webber schnappt sich die Pole Position.

Bei Mercedes läuft es ebenfalls nicht gut. Michael Schumacher und Nico Rosberg verpassen beide den Einzug in die letzte Quali-Runde. In der Pressekonferenz frage ich Schumi nach Problemen mit den F-Schacht- und Diffusor-Updates. Doch der fragt nur entgeistert zurück, wie ich darauf komme, dass es irgendwelche Schwierigkeiten geben könnte. Der Rekordchampion hatte offenbar nicht gewusst, dass sowohl Rosberg als auch Teamchef Ross Brawn schon vorher offen über die Probleme geredet hatten. Erst nach der Saison gab Schumi zu, dass er das Team damit in Schutz nehmen wollte. Vielleicht sollte Mercedes für 2011 an der Kommunikation arbeiten - intern wie extern.

Crash-Festival in Spa

Am Sonntag steht aber wieder der WM-Kampf im Vordergrund. Der Wetterbericht sagt feuchte Bedingungen voraus. Doch als ich mich mit Kapuzenjacke und Regenschirm bewaffnet in die Startaufstellung begebe, knallt plötzlich die Sonne vom Himmel. Auf den Radar-Schirmen an den Kommandoständen kann man den drohenden Niederschlag allerdings schon erkennen.

Nur wenige Runden nach dem Start ist es auch schon soweit. Erst kracht Barrichello in Alonso. Später kracht Vettel in Button. In einem turbulenten Rennen bleibt kaum ein Pilot ohne Fehler. Als es kurz vor Schluss noch einmal zu nieseln beginnt, rödelt auch Hamilton durchs Kiesbett. Geradeso kann er einen Einschlag verhindern und sich den Sieg sichern. Mit Alonso, Vettel und Button bleiben gleich drei WM-Kandidaten ohne Punkte.

Per Boot nach Hause

Es gibt nach dem Rennen viel Klärungsbedarf im Fahrerlager und so brechen wir erst mitten in der Nacht zum Heimweg auf. Es sollte nicht ganz so gemütlich wie auf dem Hinweg werden. Auf den gesamten 400 Kilometern regnet es durch. Teilweise gießt es dermaßen in Strömen, dass wir nur noch im Schritttempo über die Autobahn schleichen können. "Schade, dass es so einen Wolkenbruch nicht im Rennen gegeben hat", grinst Kollege Schmidt. Zum Glück hält er das Boot bis Stuttgart auf Kurs.

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