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Formel 1-Reisetagebuch 2010

Ein Fest für die Geschmacksnerven

GP Italien 2010 - Impressionen Foto: Grüner 23 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Beim GP Italien lernet Tobias Grüner vor allem die Kochkünste der Italiener kennen und schätzen.

14.12.2010 Tobias Grüner

Wie der GP Belgien zwei Wochen können wir die Anreise nach Monza mit dem eigenen Auto antreten. Der Trip über die Alpen ist jedes Mal ein Höhepunkt. Kollege Michael Schmidt, der sämtliche Alpenpässe mit verbundenen Augen fahren kann, zieht auch in diesem Jahr die Fahrt über den Splügen-Pass dem direkten Weg durch den Tunnel vor.

Kühe stellen sich in die Quere

Außerdem soll der Beifahrer am besten zwischendurch noch ein paar schöne Fotos des Autos vor dem malerischen Bergpanorama schießen. Unser Mercedes C-Klasse Kombi stammt aus dem auto motor und sport Dauertest-Fuhrpark und soll für den Abschlussbericht entsprechend in Szene gesetzt werden. Der Leser soll schließlich auch sehen, dass das Auto nicht nur in der Garage stand.

Doch leider spielt das Wetter nicht ganz mit. Auf der Serpentinenstraße zum Pass hinauf springe ich bei schüttendem Regen aus dem Auto und versuche mit meiner Digitalknipse  irgendwie scharfe Bilder hinzubekommen. Da sonst niemand auf dieser gottverlassenen Piste unterwegs ist, habe ich genug Zeit für die Fotosession in freier Natur. Als wir den Pass auf der anderen Seite hinabfahren, ist die Straße plötzlich nicht mehr ganz so frei. Eine Herde Kühe kreuzt den Weg und stellt sich unserem Stern in die Quere. Bei  nachlassendem Regen nutze ich die Gelegenheit für ein paar außergewöhnliche Bilder.

Ferrari ist zuversichtlich

Am nächsten Tag hat sich der Himmel geöffnet. Bei Sonnenschein geht es durch den Königlichen Park zu Monza in Richtung Strecke. Heerscharen von Formel 1-Fans laufen schon am Donnerstag auf den Pfaden zum Fahrerlagereingang. Im Mittelpunkt des Interesses steht Fernando Alonso. Seit seinem Unfall von Spa scheint der WM-Zug für den Ferrari-Piloten abgefahren. In der offiziellen FIA-Pressekonferenz gibt sich der Spanier dennoch zuversichtlich.

Sechs Podiumsplätze sollten zum Titel reichen, rechnet der zweifache Champion vor. Die versammelte Journalie grinst sich ins Fäustchen. In den 13 Rennen zuvor war Alonso nur fünf Mal auf das Treppchen gefahren. Und jetzt sechs Mal in Folge? Sehr witzig. Beim Finale in Abu Dhabi lachte dann aber niemand mehr. Alonso machte sein Versprechen fast war. Doch ausgerechnet im letzten Rennen riss die Serie, mit der er tatsächlich wie angekündigt zur Meisterschaft gefahren wäre.

Obstkuchen ist das Highlight

Obwohl es an der Strecke tagsüber jede Menge spannender Geschichten zu recherchieren gibt, freut man sich in Monza immer schon auf das Abendprogramm mit seinen außergewöhnlichen kulinarischen Genüssen. Vor allem der Nachtisch wird in unserem kleinen Hotel zelebriert wie in einem Fünfsterne-Haus. Der Kellner kommt dann immer mit einem Essenswagen, der auf zwei Etagen eine süße Sünde nach der anderen bereithält. Highlight ist jedes Mal der Obstkuchen. Wenn man zu spät von der Strecke zurückkommt, ist der leider meist schon weg. Ich habe mir fest vorgenommen, den Chefbäcker im kommenden Jahr nach dem Rezept zu fragen. Würde das Hotel den Kuchen per Versand anbieten, könnte man sicher Millionen verdienen.

Mit dem Essen in unserem Hotel kann auch der Empfang bei Bridgestone nicht mithalten. In einer kleinen Feier verabschiedet sich der japanische Reifenhersteller beim letzten Europa-Rennen von den Teams. Im vornehmen Paddock Club kommen viele große Namen des Sports, darunter auch zahlreiche Fahrer und Teamchefs. Da ich leider noch viel Arbeit vor mir habe und der Kuchen am Abend wie gesagt nicht ewig wartet, bleibt leider keine Zeit, das Spektakel bis zum Ende anzuschauen.

Ferrari-Sieg in der Heimat

Auch sportlich hat das Wochenende einiges zu bieten - vor allem für Italiener. Fernando Alonso schnappt sich nach der Pole Position auch den Rennsieg und lässt ganz Monza jubeln. Sebastian Vettel erlebt ebenfalls ein aufregendes Rennen. Von Platz sechs gestartet wird er in der ersten Rennhälfte plötzlich langsam und muss Mark Webber vorbeilassen. War das etwa Teamorder? Oder ein Motorschaden? Erst weit nach der Zieldurchfahrt präsentiert das Team die Auflösung. Die Bremsbacken hatten sich nicht gelöst und sorgten für eingeschränkten Vorwärtsdrang auf der Geraden.

Vettel kann den Techniklapsus aber dennoch verkraften. Mit einer riskanten Taktik fährt er am Ende noch bis auf Rang vier nach vorne. Vettel kommt dabei erst in der allerletzten Runde an die Box zum obligatorischen Reifenwechsel. Auch Nico Hülkenberg schreibt Schlagzeilen, indem er Mark Webber lange Zeit in Schach halten kann. Mit den beiden Mercedes kommen sogar noch zwei weitere deutsche Piloten in die Punkte.

Heidfeld soll de la Rosa ersetzen

Nach dem Rennen erzählt uns Kollege Roger Benoit vom Schweizer Blick plötzlich, dass Nick Heidfeld schon ab dem kommenden Rennen in Singapur den glücklosen Pedro de la Rosa ersetzen soll. Leider sind bei Sauber schon alle Verantwortlichen auf dem Heimweg und telefonisch nicht zu erreichen.

Wir haben uns gerade dazu entschlossen, die Geschichte am Montag gleichzeitig mit dem Erscheinen des Blicks zu veröffentlichen. Doch dann kursieren im Internet plötzlich die ersten Gerüchte. Wir müssen die Geschichte gleich ins Internet stellen. An der Zuverlässigkeit der Information gibt es keinen Zweifel: Schon in Silverstone hatte es intern Überlegungen gegeben, Heidfeld zu engagieren. Am Ende ist es fast 23 Uhr, als wir das Fahrerlager von Monza endlich verlassen und uns von der Europasaison verabschieden können.

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