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Formel 1-Reisetagebuch 2010

Mehrere Träume gehen in Erfüllung

GP Kanada 2010 - Impressionen Foto: Grüner 20 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Beim GP Kanada erfüllten sich für Tobias Grüner gleich mehrere Träume. Unter anderem traf er sein Kindheitsidol.

08.12.2010 Tobias Grüner

Die Vorfreude auf den Grand Prix von Kanada ist in diesem Jahr besonders groß. Endlich kann ich einmal eines der Privilegien für Formel 1-Journalisten ausnutzen: Statt wie üblich am Mittwoch anzureisen, habe ich mir schon für den Sonntag ein Flugticket ausstellen lassen. Im Jahr zuvor war Montreal zu meinem Entsetzen kurzfristig aus dem Kalender geflogen. Da ich schon immer nach Kanada wollte, musste ich diese Chance einfach nutzen.

Sightseeing in Montreal

Um es kurz zu machen: Montreal ist eine absolute Traumstadt. Ein modernes Geschäftsviertel trifft auf eine charmante Altstadt. Zwischen den vielen historischen Bauten laden große Parkanlagen zum Verweilen ein. Auch für Hardcore-Shopper ist Montreal eine Reise wert. Bei einem gemütlichen Spaziergang an der Uferpromenade joggt mir Timo Glock mit seinem Fitness-Trainer entgegen, der mich spontan einlädt, eine Runde mitzulaufen. "Ich habe Urlaub. Rennen kann ich auch zuhause", lehne ich sein Angebot dankend ab.
 
Für anstrengende Fitness-Übungen bleibt auch gar keine Zeit. Am Nachmittag habe ich mir einen Platz in einem Jetboot reserviert. Mit 1.500 PS durch die Stromschnellen des Sankt-Lorenz-Stroms zu pflügen - die Gelegenheit darf man sich nicht entgehen lassen. Das Gefühl in der wankenden Badewanne ähnelt einem bockenden Rodeo-Pferd. Allerdings ist das Abenteuer deutlich feuchter. Trotz mehrlagiger Wasserschutzkleidung bin ich vom Zeh bis zur Haarspitze klitschnass, als das Boot wieder im Hafen anlegt.

Bestechung mit Schokolade erfolglos

Nach zwei Tagen Hardcore-Touristen-Programm ist es am Mittwoch Zeit, wieder an Formel 1 zu denken. Ich fahre zusammen mit Roger Benoit vom Schweizer Blick und Mathias Brunner von der Speedweek an die Strecke. Allerdings ist noch nicht viel los. Roger, der sehr gerne schon Mittwochs die besten Plätze im Pressesaal reserviert, beißt bei den netten Damen am Empfang trotz der üblichen Bestechung mit Schweizer Lindt-Schokolade auf Granit.

Bei einem Spaziergang durch die Boxengasse fällt auf, dass die Ferrari-Schilder nicht über den Garagen von Alonso und Massa hängen. Auf Nachfrage teilt mir einer der Mechaniker mit, dass die abgebildeten Autos falsche Sponsorenaufkleber haben. Die Kanadier hatten offenbar nicht mitbekommen, dass die Scuderia seit einigen Rennen freiwillig auf den Marlboro-Barcode verzichteten, um nicht wegen unerlaubter Zigarettenwerbung verknackt zu werden. Am Donnerstag hängen die Schilder dann doch an ihrem Platz.

Formel 1 im Fußballfieber

Viel interessanter ist allerdings die Presserunde mit Sebastian Vettel. Der junge Heppenheimer war beim Rennen zuvor in das Auto seines Teamkollegen Mark Webber gekracht und muss nun die bohrenden Fragen der Journalisten beantworten. Wie so oft zeigen die englischen Kollegen kein Erbarmen und fordern ein Schuldeingeständnis. Doch Vettel macht sich geradezu einen Spaß daraus, die entscheidenden Worte zu vermeiden.

Neben Formel 1 gibt es an diesem Wochenende noch zwei wichtige Großereignisse. In Le Mans zeigt Peugeot, wie man einen sicher geglaubten Sieg trotz schnellerem Auto doch noch vergeigt und in Südafrika kämpfen ein paar Fußballer um einen nicht ganz unwichtigen Pokal.

Am Samstag ist das ganze Fahrerlager im Fußball-Fieber. Pünktlich nach dem Qualifying tritt England gegen die USA an. Da die meisten Formel 1-Rennställe auf der Insel beheimatet sind, fällt das technische Briefing diesmal etwas kürzer aus. Überall im Fahrerlager hängen Menschentrauben vor den TV-Geräten, was das Recherchieren nicht gerade erleichtert. Da mir überall Engländer im Weg rumstehen kann ich mir eine leichte Freude beim Ausgleich der Amis nicht verkneifen.

Keiner will über die Formel 1 reden

Am Sonntag wird es allerdings noch schlimmer: Kaum ist Lewis Hamilton als Erster über die Ziellinie gefahren, pfeift der Schiedsrichter auch schon in Durban die Partie der deutschen Elf gegen Australien an. Ich stehe gerade im Virgin-Pavillon und versuche Timo Glock zu seinem Rennen zu befragen, als der Löw-Elf das erste Turniertor gelingt. Glock streckt seinem Teamkollegen Di Grassi, der neben uns sitzt, die Faust entgegen und schreit "Podolski". Muss ich erwähnen, dass er zum Rennen nicht mehr viel zu sagen hatte?

Im Pressesaal hat die FIA freundlicherweise jeden vierten Bildschirm auf Fußball umschalten lassen. Die Tore in der zweiten Halbzeit bekomme ich allerdings nur mit, da einige Kollegen jubelnd aufschreien. Mein persönlicher Höhepunkt des Wochenendes hatte aber weder etwas mit Formel 1 noch mit Fußball zu tun. Am Vormittag kam der finnische Eishockeystar Teemu Selanne zu Besuch ins Fahrerlager. Seit meiner Kindheit bin ich großer Fan des Puck-Sports und ein Poster des NHL-Veterans, der immer noch den Rekord für die meisten Tore in einer Rookie-Saison hält, hing schon früh in meinem Kinderzimmer.

Grüner trifft sein Kindheitsidol

Wie es der Zufall so will ist Selanne ein guter Bekannter unseres finnischen Journalistenkollegen Heikki Kulta, der mich netterweise auch gleich bei ihm vorstellte. Es war ein absoluter Genuss mit dem immer noch aktiven und mittlerweile 40-jährigen Flügelstürmer der Anaheim Ducks zu quatschen. Zum Abschied gab es sogar noch ein Autogramm mit Widmung, so dass ich die Reise nach Montreal von vorne bis hinten als Erfolg verbuchen konnte.

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