Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1-Reisetagebuch 2010

Zwei alte Gourmets bei McDonalds

GP Monaco - Tagebuch Foto: Grüner 20 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Tobias Grüner berichtet in der Monaco-Ausgabe von der Aufregung um Schumi und einem unvergesslichen Besuch im Fast-Food-Tempel.

06.12.2010 Tobias Grüner

Das anstrengende Barcelona-Wochenende liegt hinter uns. Die lange Autofahrt mit kurzem Abstecher in Andorra ebenfalls. Vor der Hektik von Monaco liegt nun noch ein freier Tag, den wir in unserem Hotel im französischen Mittelmeer-Örtchen Menton genießen wollen. Doch leider lässt uns das Wetter an der Côte d'Azurim Stich. An Sonnenbaden ist nicht zu denken. An Meer-Baden erst recht nicht.

Am Mittwoch statten wir dem Fürstentum endlich den ersten Besuch ab. Es ist immer wieder aufregend, über die Berge in den Kleinstaat am Mittelmeer einzufallen. Dicke Autos, enge Straßen, alte Häuser, viele Absperrungen, schlecht ausgeschilderte Umleitungen, wild gestikulierende Polizisten, wild diskutierende Einheimische und irgendwo mittendrin versuchen emsige Helferlein ein Fahrerlager aufzubauen.

Ecclestone versperrt Mercedes die Sicht

Drei Tage nach dem Abbau in Spanien nimmt das Formel 1-Dorf knapp 700 Kilometer entfernt nun langsam wieder Gestalt an. Im Gegensatz zu den meisten anderen Teamtempeln ist das Mercedes-Motorhome schon komplett fertig. Kein Wunder: Die Silberpfeile verzichteten auf den Aufbau in Barcelona und waren direkt nach Monte Carlo gefahren. Der freie Blick auf den silbernen Glaskubus wird allerdings ausgerechnet von Bernie Ecclestones Wohncontainer verstellt.

Im Mittelpunkt des Medieninteresses steht wieder einmal Michael Schumacher. Die Rascasse-Affäre von 2004 lässt den englischen Kollegen immer noch keine Ruhe. Im neuen Motorhome muss Schumi eine Frage nach der anderen zu den Vorfällen vor sechs Jahren beantworten. Damals hatte er seinen Ferrari im Qualifying so geschickt auf der Ideallinie geparkt, dass die Konkurrenz keine Chancen mehr hatte, die Rundenzeit zu verbessern. Das Entscheidende Wörtchen "sorry" will aber sehr zum Ärger der Fleet-Street-Presse einfach nicht fallen.

Leimer im Eimer

Da das Training in Monaco traditionell schon am Donnerstag stattfindet, haben die Formel 1-Piloten am Freitag frei. Kollege Roger Benoit vom Schweizer Blick ist aber trotzdem schon ungewöhnlich früh an der Strecke. Das GP2-Rennen mit Landsmann Fabio Leimer will er sich nicht entgehen lassen. Der Youngster hatte in Barcelona überraschend ganz oben auf dem Treppchen gestanden. Wächst da vielleicht der nächste Clay Regazzoni heran? Nach einem heftigen Startcrash scheint die Frage eindeutig beantwortet zu sein. Mir rutscht der Kommentar "Leimer im Eimer" über die Lippen, den der Boulevard-Kollege gleich als Überschrift für seinen GP2-Bericht klaut.

Da es aus deutscher Sicht nicht viel zu berichten gibt, nutze ich den Nachmittag für einen ausgedehnten Hafenspaziergang. "Fotografier mal ein paar teure Autos, Yachten oder Promis", lautete die Ansage aus der Redaktion. Mit meiner kleinen Digicam mache ich mich auf Fotosafari durch das Glamour-Paradies. Allerdings ist es nicht schwer, in Monaco teure Dinge vor die Linse zu bekommen. Direkt am ersten Steg funkeln schon Rolls Royce, Maybach und Luxusyachten um die Wette.

Mit der Generation 50-plus bei McDonalds

Für den Abend haben wir etwas ganz besonderes geplant. Anstatt wie üblich französische Haute Cuisine im Hotel zu genießen, konnte ich die Kollegen Benoit und Schmidt überreden, mich zu McDonalds zu begleiten. Ich oute mich hiermit öffentlich als Fast Food Fan, der einem guten Cheeseburger ebenso viel abgewinnen kann, wie einem 40 Euro teuren Rinderfilet. Meine verwöhnten Kollegen rümpfen allerdings gerne abfällig die Nase, wenn ich lieber dem goldenen "M" folge, als in den Etepetete-Fresstempel mit Spitzendeckchen einzukehren.

Doch an diesem Abend wollen sie sich tatsächlich "opfern". Um es vorweg zu nehmen: Es war keine gute Idee. Wie zwei Außerirdische tritt die Generation 50-plus an den Bestell-Tresen und versucht dem ahnungslosen McDonalds-Mitarbeiter zu erklären, was er denn bitte auf das Tablett zu legen hat. Schon in Deutschland wäre die Nummer zum Scheitern verurteilt, auf Französisch ist es nur noch Slapstick.

Als mein Essen fast schon kalt ist, kommen auch endlich die stolzen Ritter mit etwas Essbaren an den Tisch. "Gar nicht so günstig wie ich dachte", blickt Schmidt ungläubig auf seinen Kassenzettel. "Wenn man auch Pommes, Burger und Getränk einzeln und nicht als Menü bestellt, dann ist das kein Wunder", versuche ich zu erklären. Kollege Benoit hat sich für Chicken Nuggets entschieden, findet allerdings, dass die irgendwie nach "Tod" schmecken. Mich beschleicht das Gefühl, dass mich die beiden zum letzten Mal in einen Burger-Laden begleitet haben.

Alonso im Mittelpunkt des Geschehens

Am Samstag steht wieder der Sport im Mittelpunkt. Fernando Alonso bohrt seinen Ferrari schon im Freien Training so nachhaltig in die Leitplanke, dass er das Qualifying vor dem Fernseher verbringen muss. Im Rennen kann der Spanier aber dank Glück und guter Strategie noch auf Rang sechs nach vorne fahren.

Eine wichtige Rolle spielt Alonso auch in der hektischen Schlussphase. Michael Schumacher zwängt sich in der letzten Kurve innen am Spanier vorbei, obwohl das Safety-Car erst wenige Meter zuvor in die Box abgebogen ist. War das Rennen nun freigegeben? Durfte Schumi hier überholen? Der Pilot selbst ist schon auf dem Heimweg. Im Journalistencamp versucht man verzweifelt die richtigen Paragraphen im Regelbuch zu finden. Die Situation ist nicht eindeutig. Trotzdem wird Schumacher am Ende bestraft und aus den Punkten geworfen.

Mitternachtsimbiss in Monte Carlo

Es ist ein Uhr nachts, als wir endlich die Strecke verlassen. Da es um diese Zeit im Hotel nichts mehr zu essen gibt, irren wir verzweifelt durch das Fürstentum. Doch Monaco ist Sonntagnacht nicht gerade eine Partyhochburg. Wir haben eigentlich schon aufgegeben, da findet sich doch noch ein kleiner Imbiss. Es gibt Burger für mich und Steaks für die ältere Generation. Und da der Besitzer, ein schwedischer Einwanderer, sogar englisch spricht, haben auch die Kollegen Schmidt und Benoit ihre Bestellung schnell aufgegeben. Im nächsten Jahr kommen wir sicher wieder.

Am nächsten Tag geht es wieder nach Hause. Wie bei der Hinfahrt natürlich mit dem Auto. Um 18 Uhr sind wir endlich wieder im heimischen Stuttgart. Am Ende der langen Reise zeigt der Tacho eine gesamte Wegstrecke von 3.187 Kilometern in zwei Wochen an. Durchschnittstempo 89 km/h. Verbrauch 8,6 Liter pro 100 Kilometer. Ich habe erst einmal genug von Reisen und Formel 1. Beim nächsten Rennen in der Türkei ist zum Glück wieder die Kollegin Bianca Leppert vor Ort.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden