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Formel 1-Reisetagebuch 2010

Im Zigarrenclub von Andorra

GP Spanien 2010 - Tagebuch Foto: Grüner 16 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Tobias Grüner berichtet in der GP Spanien-Ausgabe von den neuen Motorhomes und dem kurzen Abstecher nach Andorra.

05.12.2010 Tobias Grüner

Mit dem Grand Prix von Spanien zieht es die Formel 1 endlich Richtung Europa. Nach den Flugproblemen der Kollegin Leppert, die mich zuvor in China vertreten hatte, bin ich ganz froh, dass wir die 1.250 Kilometer nach Barcelona mit dem Auto zurücklegen. Der unaussprechliche Island-Vulkan hatte allerdings keinen Einfluss auf die Entscheidung. Da Barcelona und Monaco innerhalb von sieben Tagen stattfinden, ist es einfach praktischer mit dem Auto zu reisen, als ständig mit dem Flieger hin und her zu pendeln.

Kollege Schmidt auf dem Leidensweg

Nach drei Stunden in einem Auto mit dem Kollegen Schmidt fange ich aber langsam an, die Entscheidung zu bereuen. Jeder Kilometer am Steuer ist für den weltweit anerkannten F1-Experten ein Leidensweg. Wer es nicht einmal miterlebt hat, wird es nicht glauben: Radarfallen, Tempolimits, Staus und natürlich andere Autofahrer betrachtet der ungeduldige Niederbayer als natürliche Feinde, die sich nur auf der Straße herumtreiben, um ihn einzubremsen.

Ich versuche Schmidt mit seiner Lieblingsmusik von Deep Purple, Pink Floyd und Ten Years After zu beruhigen, die ich extra noch auf meinen iPod geladen hatte. Aber erst als der Verkehr in der Camargue etwas abnimmt, wird auch Kollege Schmidt etwas entspannter. Als wir die spanische Grenze überqueren beginnt es schon langsam zu dämmern. Zum Glück pflegt der Spanier abends gerne etwas später zu speisen, so dass wir nach der nötigen Dusche noch ein ausgedehntes Mahl genießen können, auf das wir uns schon die ganze Fahrt über gefreut haben.

Mercedes nur mit Bildern des neuen Motorhomes

Am nächsten Morgen geht es auch schon direkt ins Fahrerlager. Zum ersten Mal in diesem Jahr werden die Motorhomes ausgepackt. Gibt es etwas Neues? Auf den ersten Metern wartet schon eine Enttäuschung. Mercedes ist mit einem provisorischen Pavillon aus der DTM angereist. Norbert Haug versucht die anwesenden Journalisten mit Bildern des neuen Silberpfeil-Tempels zu beruhigen, der allerdings erst eine Woche später in Monaco Premiere feiern soll.

Auch Red Bull ist wegen des engen Zeitplans nicht mit der ganz großen Energy-Station angereist. Force India residiert ebenfalls nicht im gewohnte Prachtbau. Der indische Tempel wird gerade renoviert wird. Erst am Ende des Fahrerlagers bei den kleineren Teams wird es wieder interessant. Renault bewohnt nun ein größeres Motorhome als in der Vorsaison, das sich bei genauerem Betrachten aber als der alte Toyota-Container herausstellt. Das alte Zuhause von Renault wurde von Neuling HRT recycelt.

Schumi und Webber gewinnen Teamduelle

Auch sportlich hatte Barcelona einiges zu bieten. Bei Michael Schumacher ist erstmals in dieser Saison ein Aufwärtstrend zu erkennen. Nico Rosberg hat im Qualifying keine Chance gegen den Altmeister. Auch bei Red Bull ist die Hackordnung auf den Kopf gestellt. Mark Webber schnappt sich die Pole Position und später auch den Sieg. Sebastian Vettel hat dagegen schon wieder Pech am Hacken und schleppt seinen RB6 mit gebrochener Bremsscheibe gerade noch auf Rang drei ins Ziel.

Kurz nach dem Rennen freue ich mich aber bereits auf den Montag. Wir haben uns entschieden nicht direkt nach Monaco zu düsen, sondern noch einen Schlenker Richtung Andorra zu unternehmen. Kollege Roger Benoit vom Schweizer Blick, der die lateinamerikanische Zigarrenindustrie ganz alleine am Leben hält, will hier dank günstiger Steuern seinen Vorrat an Rauchwaren aufstocken. Eingeladen hat uns Karl-Heinz Zimmermann, der VIP-Gastwirt von Bernie Ecclestone, der ebenfalls gerne mal zur Cohiba greift.

Luxus-Zwischenstopp in Andorra

Im größten Tabakladen des Steuerparadieses werden wir mit Champagner empfangen. Zimmermann hat in dem begehbaren Humidor ein eigenes Schließfach, in dem ganz besondere Tabak-Schätze lagern. In bequemen Ledersofas lässt entspannt die Clubatmosphäre genießen. Nach einem Mittagessen in einem Restaurant, das dem Zigarren-Laden in puncto Exklusivität in nichts nachsteht, machen wir uns wieder auf dem Weg zum Auto. Der Platz in Andorra ist begrenzt und die Ausfahrt aus dem Parkhaus entwickelt sich zum Abenteuer. Wie die Einheimischen die gleichsam steile wie enge Rampe herunterkommen, ist mir bis heute ein Rätsel.

Die Weiterfahrt nach Monaco ist dagegen weit weniger spektakulär. Die Autobahn ist fern und so quälen wir uns ewig über Landstraßen. Mich wundert, dass Kollege Schmidt die Reise ohne größere Wutausbrüche übersteht. Als wir in Monaco ankommen ist es bereits dunkel. Zum Glück können wir am Dienstag ausschlafen. Vor dem verrücktesten Grand Prix-Wochenende der Saison kann man jede Verschnaufpause gebrauchen.

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