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Formel 1-Reisetagebuch 2010

Wie aus einem Döner Katzenfutter wurde

GP Türkei 2010 - Impressionen Foto: Leppert 25 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. In der Türkei erlebte Bianca Leppert einen Stierkampf, einen ungewollten Fernsehauftritt und wie aus Döner Katzenfutter werden kann.

07.12.2010 Bianca Leppert

Mein zweites Formel 1-Abenteuer führte mich in die Türkei. Und wieder erntete ich mitleidige Blicke, wenn ich mit breitem Grinsen erzählte, dass ich mich auf diesen Grand Prix freue. "Warte mal ab, der Verkehr ist die Hölle. Ihr werdet ständig im Stau stehen und das Fahrerlager ist auch öde", lautete die einhellige Meinung. Ich konnte diesen Pessimismus zunächst gar nicht teilen.

Türkischer Tee als Betthupferl

Bis auf den Verkehr. Aber nicht nur wegen der vielen Staus, sondern vor allem aufgrund der, sagen wir mal, offensiven Fahrweise des Kollegen Schmidt. Sobald wir einem Auto näherkamen, trat ich automatisch mit dem rechten Fuß auf das imaginäre Bremspedal der Beifahrerseite. Doch der Schutzpatron der Beifahrer meinte es an diesem Tag wohl gut mit mir. Wohl behütet erreichten wir unser Hotel am bekannten Taksim-Platz.

Diese Lage kam mir als kleiner Shopaholic natürlich entgegen. Sofort stürzte ich mich in die Einkaufsstraße und erkundete die Markthallen und ihre riesigen Gewürzberge. Den Abend des Anreisetags ließ unsere kleine Reisegruppe bestehend aus mir und den Kollegen Schmidt und Benoit bei einem türkischen Tee ausklingen. Der sollte auch an den verbleibenden Tagen zum traditionellen Betthupferl werden.

Öde Stimmung im Fahrerlager

Am Donnerstag kam ich schließlich dahinter, was es mit der Abneigung gegen das weitläufige Fahrerlager auf sich hatte. Ähnlich wie beim GP China kam ich mir hier eher vor wie bei einem Markenpokalrennen, bei dem die Trucks einen Wachstumstrunk bekommen hatten, als in der glamourösen Formel 1-Welt. Von Fans war am Donnerstag noch keine Spur und das sollte im Großen und Ganzen auch so bleiben. Die gesamte Bevölkerung tummelte sich vielmehr auf ausgerechnet der Autobahn, die uns am Abend von der asiatischen Seite wieder ins rund 45 Kilometer entfernte Stadtzentrum von Istanbul auf den europäischen Kontinent führen sollte.

Trotz des allabendlichen Staus war ich aber froh, nicht wie die Teams in der Pampa nahe der Strecke, sondern mitten in Istanbul zu wohnen. Erstens wurde ich so jeden Morgen und Abend von Chauffeur Schmidt über den Bosporus mit toller Aussicht gefahren. Zweitens kosteten wir am Abend die Kochkünste der umliegenden Restaurants aus. Das waren aber keinesfalls türkische Spezialitäten-Restaurants. Vielmehr bevorzugten die Herren Schmidt und Benoit den Chinesen um die Ecke. Warum auch in der Türkei türkisch essen gehen, wenn man doch lecker chinesisch speisen kann. Eigentlich nur logisch, wenn man wie zuvor in China auch nur auf deutsches Essen vertraute. Die Dumplings waren jedenfalls himmlisch.

Ungewollter Fernsehauftritt bei RTL

Ein weiteres kulturelles Highlight erwartete uns am Samstagabend. Gemeinsam mit den Kollegen der Bild-Zeitung schauten wir auf der Hotelterrasse den eigentlichen Grand Prix - den Grand Prix d' Eurovision. Da uns die Gesangskunst der Teilnehmer aber nicht gerade vom Hocker haute und wir auch keinen Patriotismus für Deutschland entwickeln konnten, wetteten wir auf den Grand Prix-Sieger. Am Ende gingen aber alle leer aus. Mit Lena hatte nun wirklich keiner gerechnet.

Mit Roger Benoit und mir im Fernsehbild von RTL hatte allerdings auch niemand gerechnet. Als wir vor dem Rennen noch eine Runde durchs Fahrerlager drehten, wollte mein Schweizer Kollege mir unbedingt noch Sebastian Vettel vorstellen. Schließlich hatte meine Empörung darüber, dass ich den Deutschen auch bei meinem zweiten Formel 1-Rennen noch nicht richtig kennenlernte, schon den Spitznamen Motzi eingebracht. Doch die blitzschnelle Kontaktaufnahme ging in die Hose. Im Eifer des Gefechts quatschte Benoit den jungen Deutschen von der Seite an und rief mich zugleich mit dem Beinamen Motzi zu sich. Allerdings schien uns beiden dabei entgangen zu sein, dass Herr Vettel auf dem Weg zu den Boxen gerade mitten in einem Live-Interview mit RTL war. Eine Entschuldigung bei den RTL-Kollegen rettete uns zumindest teilweise aus der peinlichen Situation.

Vettel vs. Webber

Nach dem Rennen war Vettel aber noch viel gefragter als davor. Denn es kam zum großen Red Bull-Eklat. Ständig wurde spekuliert, bei welcher Fahrerpaarung es wohl als erstes krachen würde. Massa vs. Alonso, Schumi vs. Rosberg, Button vs. Hamilton? Die Red Bull-Jungs hatte bis dato keiner auf dem Schirm. Umso größer war die Aufregung nach dem Rennen. Von nun an herrschte Eiszeit zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel, daran konnte auch das gestellte Friedensfoto von Red Bull nach dem Grand Prix nichts mehr ändern.
 
Bis spät in die Nacht weilten wir aufgrund des "Stierkampfs" im Pressezentrum. Umso glücklicher waren wir, bei der Rückkehr nach Istanbul noch etwas Essbares in die Finger zu bekommen. Nach meinem Drängen in Istanbul müsse man doch mal einen Döner gegessen haben, landeten wir beim türkischen Imbiss. Ich lechzte geradezu nach dem saftigem Fleisch mit guter Soße in der Teigrolle. Was ich serviert bekam, entsprach aber lange nicht dem europäischen Standard. Soße? Fehlanzeige. Lediglich seltsam schmeckendes Fleisch und ein paar Tomatenstücke zierten die vermeintliche Delikatesse.

Der Döner wird zum Katzenfutter

So landete ein Großteil davon auch im Magen einer ausgehungerten Straßenkatze, die wir liebevoll Brendon tauften, weil sie uns irgendwie an Red Bull-Testfahrer Brendon Hartley erinnerte. Ob sie dieses Fest für Katzen überlebte, ist leider nicht überliefert. Kollege Schmidts wie auch mein Magen rebellierten am nächsten Tag jedenfalls heftig. Die Info von einem Bekannten, dass es sich bei dem Döner möglicherweise um eine Spezialität mit Schafsdarm handelte, schürt heute noch meinen Ekel beim Anblick von Döner.

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