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Formel 1 Reisetagebuch - GP Abu Dhabi

Teil 18: Sag still und leise Servus

Tobis Formel 1 Tagebuch Foto: Tobias Grüner 25 Bilder

auto motor und sport-Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahrerlagern dieser Welt - dieses Mal aus Abu Dhabi.

10.12.2009 Tobias Grüner

Abu Dhabi hieß das letzte Ziel meiner 17-teiligen Weltreise. Es sollte ein unvergessliches Erlebnis werden. Schon bei der Ankunft am Flughafen war ich begeistert. Das Hotel hatte extra eine Limousine für mich geschickt. Zum ersten Mal in meinem Leben wartete am Ausgang jemand mit einem Schild mit meinem Namen drauf. Das wollte ich schon immer mal erleben.

Als erster im neuen Hotelbett geschlafen

Schon auf der Fahrt Richtung Hotel konnte man Teile der Strecke und das prächtige Yas-Hotel erkennen. Es war überwältigend. Auch unsere Herberge war vom Feinsten. Direkt neben dem neuen Kurs hatten die Scheichs in bester Monopoly-Manier einfach sechs Hotels nebeneinander gepflanzt, die erst wenige Tage zuvor Eröffnung gefeiert hatten. Alles war neu. Alles glänzte. Und das Personal war sichtbar nervös, als die Gäste einströmten. Ich war sicher der erste, der in dem Bett geschlafen hat.
 
Bevor ich am nächsten Tag an die Strecke konnte, musste ich mir allerdings erst meine Akkreditierung abholen. Das FIA-Büro war natürlich nicht an der Strecke, sondern in der Nähe des Flughafens. Also ging es per Taxi wieder zurück. Nach kurzer Suche hatte ich meinen Pass und musste wieder Richtung Strecke. Doch leider hatte der neue Taxifahrer keinen Plan. Das Formel 1-Disneyland auf der Insel Yas war noch so neu, dass nicht einmal die einheimische Bevölkerung wusste, was da in kurzer Zeit aus dem Boden gestampft wurde.

Das Pressezentrum sah aus wie ein überdimensionales Kino
 
Nach zwischenzeitlicher Orientierungslosigkeit kamen wir schließlich an irgendeinem Eingang der Strecke an. Ein Ordner verweigerte uns allerdings die Einfahrt und so musste ich das Taxi bezahlen und aussteigen. Mit meinem Koffer in der Hand fragte ich einen weiteren Ordner nach dem Weg. "Du willst doch nicht etwas zu Fuß gehen?", lautete die etwas beunruhigende Gegenfrage. Warum ich denn nicht mit dem Taxi auf das Gelände gefahren sei, schob er hinterher. Leicht angesäuert - und mittlerweile völlig durchgeschwitzt, erklärte ich ihm, dass mir sein Kollege zwei Minuten zuvor befohlen hat, das Taxi zu verlassen, worauf er (es war wohl der Chef-Ordner) seinen Mitarbeiter erst einmal zur Schnecke machte.
 
Als Entschuldigung lud er mich in seinen privaten Pickup-Truck und fuhr mich den Weg quer über das Gelände zum Pressezentrum. Die vielen Gebäude rund um die Piste waren einfach wahnsinnig. Im Yachthafen lagen Boote, die insgesamt Milliarden wert sein mussten. Und auch der Pressesaal war überwältigend. Wie in einem überdimensionalen Kino gab es drei große Leinwände, auf denen die Journalisten alle wichtigen Bilder und Daten zu sehen bekamen. Selbst das Kontrollzentrum der NASA hätte dagegen alt ausgesehen.

Scheich müsste man sein
 
Da so recht noch keiner wusste, was uns auf der neuen Strecke erwartete, begab ich mich mit meinem Kollegen Michael Schmidt und Roger Benoit vom Schweizer Blick auf eine Wanderung rund um den Kurs. Und das bei ca. 35°C in der heißen Mittagssonne. Die lange Gegengerade wollte einfach nicht enden. Aber irgendwann waren wir - erneut durchgeschwitzt - wieder am Ziel angekommen. Als es dunkel wurde, präsentierte sich erstmals das spektakuläre Yas Hotel in voller Beleuchtungspracht. Ein unbeschreiblicher Anblick. Genau wie der Fuhrpark vor dem Hotel. Wann sieht man schon mal einen Lamborghini Reventon, neben einem Ferrari Enzo und diversen Rolls Royce. Scheich müsste man sein, dachte ich mir, als ich wieder in mein Hotelzimmer zurückkehrte.
 
Sportlich konnte das letzte Rennen des Jahres leider nicht mit dem ganzen Drumherum mithalten. Nach dem Titelgewinn von Jenson Button war die Luft etwas heraus. Die Strecke spielte die Hauptrolle. Das wichtigste Thema waren die anstehenden Transfers. Noch immer waren die meisten Cockpits unbesetzt.

Abschiedsparty bei BMW
 
Nach dem Qualifying am Samstagabend veranstaltete BMW-Sauber eine große Abschiedsparty, zu der das ganze Fahrerlager eingeladen war. Alle waren gekommen und die Stimmung war überraschend ausgelassen. Auch Sebastian Vettel und Jacques Villeneuve waren anwesend, um sich von ihrem alten Team zu verabschieden. Sogar Michael Schumacher gab sich die für ein kurzes Hallo die Ehre.
 
Ich redete noch kurz mit Robert Kubica über seine anstehenden Rallye-Pläne und verabschiedete mich von Joschi Walch, dem sympathischen Catering-Chef des BMW-Sauber-Teams. Joschi hat in meiner ersten Saison immer darauf geachtet, dass ich mindestens einmal am Tag etwas Vernünftiges zu Essen bekam (in 5-Sterne-Qualität). Leider musste ich ihn wegen des großen Stress nur allzu oft vertrösten.

Vettel stichelt Button wegen Hochzeitsplänen
 
Das Rennen am Sonntag konnte die hohe Erwartungen des aufregenden Streckenlayouts nicht ganz halten. Sebastian Vettel gewann souverän, weil Lewis Hamilton das erste Mal in seiner Karriere mit einem technischen Defekt ausfiel. Auf der Pressekonferenz alberte der Deutsche mit Kollege Button herum. Button war sichtlich angesäuert, doch Vettel hörte einfach nicht auf, den Fahrerkollegen vor versammelter Journalie nach den Hochzeitsgerüchten zu befragen. Die Stimmung war zum Abschied noch einmal prächtig.
 
Am nächsten Tag blieben mir doch tatsächlich noch ein paar Stunden Zeit, um mich zusammen mit den Kollegen Schmidt und Benoit am Hotelpool lang zu machen und Anfang November noch einen halben Sommertag zu genießen. Nico Rosberg war ebenfalls in unserem Hotel und kam kurz herüber. Allerdings sah der Pilot nicht besonders frisch aus. Die Abschiedsparty bei Williams ging wohl etwas länger. Aber auch einen Tag nach der Saison wollte er nicht bestätigen, dass er kommende Saison beim neuen Mercedes-Werksteam fährt.
 
Am Abend ging der Flieger in die Heimat und ein aufregendes F1-Jahr neigte sich dem Ende. Die 17 Rennen vergingen wie im Flug. Aber Mitte März geht es ja in Bahrain schon wieder los. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten.

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