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Formel 1 Reisetagebuch - GP Belgien

Teil 13: Mit dicker Erkältung in Spa

Tobis Formel 1 Tagebuch Belgien Foto: Wolfgang Wilhelm 14 Bilder

auto motor und sport-Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahrerlagern dieser Welt - dieses Mal aus Belgien.

05.12.2009 Tobias Grüner

Nach der späten Ankunft am Montag aus Valencia ging es schon am Mittwoch wieder weiter Richtung Belgien. Kaum angekommen, blieb sogar noch Zeit für einen kleinen Geschichtskurs. Die alte Rennstrecke von Spa, auf der die Piloten bis 1970 unterwegs waren, ist heute noch Teil der öffentlichen Straßennetzes. Mit leicht erhöhtem Landstraßentempo zeigte mir Kollege Michael Schmidt die gefährlichsten Stellen, erzählte von tödlichen Unfällen und führte mich durch die alte Steilkurve. Das sollte sich jeder Formel 1-Fan einmal angeschaut haben.

Ohne Fritten geht in Belgien gar nichts

Anschließend ging es Richtung Hotel. Schmidt hatte wirklich nicht zu viel versprochen, als er mir schon auf der Fahrt vom besonderen Flair vorgeschwärmt hatte. Nach einer zehnminütigen Fahrt über Schotterwege abseits der Zivilisation erreichten wir den kleinen Gasthof zwischen Feldern und Wäldern irgendwo im belgischen Niemandsland. Alleine hätte ich das nie im Leben gefunden. Quasi zur Belohnung für die anstrengende Anreise servierte die Hotelküche am Abend ein sensationelles Menü mit Muscheln, Spargel und Fritten. Ohne Pommes kommt in Belgien nämlich kein Gericht aus.
 
Am nächsten Morgen ging es mir plötzlich gar nicht mehr gut. Eine schlimme Erkältung hatte mich fest im Griff. Schnupfen, Halsweh, Husten - das komplette Programm. Zum Glück hatte ich kein Fieberthermometer dabei, sonst wäre ich wahrscheinlich gleich im Bett geblieben. Von Kollege Schmidt war leider kein Mitleid zu erwarten. Statt Besserungswünschen kam nur die Ansage, nicht zu simulieren.

Keine Jacke in Spa dabei - Anfängerfehler
 
Der Nebel zog noch durch die Ardennen und die Temperaturen lagen deutlich unter zehn Grad, als wir uns auf den Weg ins Fahrerlager machten. Ende August hatte ich natürlich auch noch die Jacke zu Hause gelassen. Anfängerfehler.
 
Das Fahrerlager von Spa sah auf den ersten Blick ganz lustig aus. Wie eine Wagenburg stehen sich hier die Motorhomes der Teams gegenüber. Nach der kurzen Pause zwischen Valencia und Spa waren fleißige Arbeiter noch an allen Ecken mit dem Aufbau beschäftigt. Doch irgendwas stimmte nicht. Dort wo normalerweise ein indischer Glaspalast steht, hatte das Team von Vijay Mallya nur ein provisorisches Motorhome aufgebaut. Das Team schob logistische Gründe für die ungewohnt spärliche Behausung vor.

Abendessen mit David Coulthard und Martin Brundle
 
Am Freitag schlug das bekannt launische Ardennenwetter dann richtig zu. Es regnete den ganzen Vormittag durch. Mit letzter Kraft schleppte ich mich die vielen Treppenstufen in den Pressesaal. Meine Nase lief am Stück, mein Husten wurde immer schlimmer und das sportliche Geschehen sorgte auch nicht gerade für Aufheiterung. Erst am Abend ging es mir wieder besser. Die Ex-Formel 1-Stars Martin Brundle und David Coulthard waren ebenfalls in unserem Hotel und leisteten uns beim Abendessen Gesellschaft. Die beiden BBC-Experten konnte eine sensationelle Geschichte nach der anderen erzählen. Da nur die wenigsten davon druckreif waren, müssen Sie mir das einfach so glauben.
 
Am Samstag sorgten dann die aktuellen Piloten für aufregende Geschichten. Giancarlo Fisichella fuhr sensationell auf die Pole Position und ließ sich vor der nicht gerade standesgemäßen Force India-Hütte feiern. Die favorisierten Red Bull konnten die Pace an der Spitze nicht mitgehen. Sebastian Vettel landete abgeschlagen auf Rang acht, Jenson Button kam nur auf Platz 14. Die Formel 1 spielte plötzlich komplett verrückt.

Luca Badoer wurde verspottet
 
Im Rennen normalisierte sich die Situation nur leicht. Nach nur fünf Kurven mussten die britischen Kollegen den Ausfall von Button und Hamilton in die Heimat funken. Im italienischen Lager gab es dagegen Jubel, als Kimi Räikkönen nach dem Restart plötzlich die Führung von Fisichella übernahm. Obwohl der Force India das schnellere Auto war, konnte der Ferrari-Pilot am Ende den Sieg nach Hause fahren. Für das zweite rote Auto lief es nicht so gut. Luca Badoer war noch immer meilenweit von der Pace entfernt und musste den Spot des Fahrerlagers über sich ergehen lassen. "Look–how–bad–you–are" klingt ja auch fast wie der Name des bemitleidenswerten Piloten und wurde zum Running Gag des Wochenendes. Zum nächsten Lauf in Monza wurde der arme Italiener übrigens durch Landsmann Fisichella ersetzt.
 
Als ob das ganze noch nicht an Storys gereicht hätte, machte nach dem Rennen plötzlich die Nachricht die Runde, dass die FIA eine Untersuchung zum Singapur-Grand Prix vor zwölf Monaten eingeleitet hatte. Nelson Piquet sollte dabei absichtlich in die Mauer gefahren sein. Mich überraschte in dieser Saison voller Skandale gar nichts mehr. Irgendwann kurz vor Mitternacht machten wir uns dann wieder auf die Heimfahrt. Immerhin war meine Erkältung langsam auf dem Rückzug.

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