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Formel 1 Reisetagebuch - GP Brasilien

Teil 17: Die WM ist entschieden

Tobis Formel 1 Tagebuch Foto: Tobias Grüner 26 Bilder

auto motor und sport-Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahrerlagern dieser Welt - dieses Mal aus Brasilien.

09.12.2009 Tobias Grüner

Zum vorletzten Rennen sollte es erstmals in dieser Saison Richtung Westen auf große Reise gehen. Brasilien stand auf dem Rennkalender. Allerdings empfingen uns die Südamerikaner nicht gerade mit offenen Armen. An der Einreise mussten wir früh am Morgen knapp zwei Stunden auf die Abfertigung warten. Nach dem Flug durch die Nacht konnte ich es eigentlich kaum erwarten, eine Dusche zu sehen. Stattdessen stand ich in einem nicht enden wollenden Labyrinth aus Absperrbändern. Während die Piloten bei der Ausweiskontrolle eine VIP-Behandlung genossen, stand der Rest des Fahrerlagers Schlange.

Auf den Straßen in Sao Paolo herrscht Anarchie

Als wir endlich durch waren, fing das Abenteuer erst richtig an. Per Mietwagen ging es zum Hotel Richtung Innenstadt. Kollege Schmidt hatte mich schon die ganze Saison vor dem Verkehr in Sao Paulo gewarnt. Er hatte nicht zu viel versprochen. Auf den Straßen herrscht Anarchie. Ständig fuhren wild hupende Motorräder kreuz und quer durch die meist stockenden Autokolonnen. Wer hier einen Moment zögert, wird gnadenlos abgedrängt. Zum Glück war Schmidt mit den verkehrtechnischen Gepflogenheiten bestens vertraut und navigierte uns zielsicher (mehr Ziel als sicher) durch den Großstadtdschungel.
 
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel ging es direkt weiter an die Strecke. Wie so oft an einem Mittwoch war dort kaum etwas los. Nur die beiden Toro Rosso-Youngster Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari waren vor Ort und mussten erklären, warum sie zuletzt in Suzuka einen derart großen Materialschaden verursachten.

Nonstop Fleisch im Steakrestaurant
 
Am Abend trafen wir uns mit einigen Kollegen in einer typisch südamerikanischen Churrascaria. Diese Steakrestaurants muss man erlebt haben. Emsige Kellner legen einem unentwegt verschiedene Sorten Fleisch auf den Teller. Wer nicht rechtzeitig "Stopp" sagt, wird gemästet bis er platzt. Allerdings war es schwer, die perfekt zart gegrillten Rinderteilchen abzulehnen. Es war einfach eine Offenbarung. Meine Waage zeigte sich nicht ganz so begeistert von den Fleischmassen.
 
Wenig Begeisterung rief auch das Wetter am Freitag hervor. Innerhalb von Minuten verfinsterte sich der Himmel und es goss aus Kübeln. Das Fahrerlager war leergefegt. Nur unter zwei kleinen Fußgängerbrücken drängelten sich die Menschen. Es war so skurril, dass ich unbedingt ein Foto machen musste, was ich allerdings mit durchnässten Klamotten bis auf die Unterhose bezahlte.
 
Auch auf der Strecke sorgte das Wetter für Chaos. Am Samstag musste zunächst das letzte freie Training abgebrochen werden, später versank auch das Qualifying unter den Wassermassen. Immer wieder wurde die Session gestoppt. Die zahlreichen Barrichello-Fans ließen sich allerdings nicht verscheuchen. Nach dem längsten Zeittraining aller Zeiten gab es als Belohnung eine Pole Position des Lokalmatadors. Jenson Button startete nur im Hinterfeld, was den Titelhoffnungen der Konkurrenz noch einmal neuen Schwung gab.

Ein Höhepunkt jagte den nächsten
 
Am Sonntag beruhigte sich das Wetter wieder. Wie schon im Vorjahr sollten die Zuschauer ein denkwürdiges Rennen erleben. In der ersten Runde gerieten Adrian Sutil und Jarno Trulli aneinander, worauf der Italiener dem Deutschen an die Gurgel wollte. Heikki Kovalainen nahm in der Box seinen Tankschlauch mit und hüllte Landsmann Kimi Räikkönen in einen Feuerball. Ein Höhepunkt jagte den nächsten. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
 
Auch der weitere Rennverlauf bot gute Unterhaltung. Jenson Button startete eine furiose Aufholjagd und fand sich schnell in den Punkterängen wieder. Nur Neuling Kamui Kobayashi wehrte sich mit allen Mitteln gegen den Engländer. Doch auch dieses Problem brachte Button zum Ärger der Fans auf den Rängen irgendwann hinter sich. Als Barrichello am Ende mit einem Plattfuß nochmals an die Box musste, leerten sich die Tribünen schlagartig. Button war der neue Champion und ließ sich von seinem Team feiern.

Für Mark Webber interessierte sich niemand
 
Für Rennsieger Mark Webber interessierte sich irgendwie niemand. Die meisten Journalisten waren in der Button-Box oder tippten gerade ihren Rennbericht im Pressesaal. Wegen der ungünstigen Zeitverschiebung war bei den Zeitungskollegen Stress angesagt. So saßen die drei Erstplatzierten bei der offiziellen Pressekonferenz vor leeren Stuhlreihen, was Webber mit einigen lustigen Bemerkungen kommentierte. Nach einer halben Stunde kam dann auch Button zur Pressekonferenz. Gebetsmühlenartig wiederholte der Engländer den Satz "I am World Champion". Als musste er sich noch selbst davon überzeugen, dass es in der zehnten Saison endlich geklappt hat mit dem Titel.
 
Am Abend traf ich zunächst noch Adrian Sutil, später auch Jarno Trulli. Während Sutil die ganze Aufregung gar nicht verstehen konnte, hatte sich sein Konkurrent auch eine Stunde nach dem Rennen noch nicht beruhigt. Trulli schimpfte wie ein Rohrspatz und sprach von der schlimmsten Aktion, die er in seiner Karriere erlebt hatte. Man kam gar nicht so schnell mit dem Schreiben mit, als der Italiener einen Giftpfeil nach dem anderen abschoss.
 
Nachdem endlich alle Storys im Kasten waren, trafen wir uns mit Kollegen noch zu einer Runde Cheeseburger in einem kleinen Imbiss-Restaurant. Andere Lokalitäten hatten zu später Stunde längst geschlossen. Auch wenn weder Koch noch Imbiss einen besonders vertrauenserweckenden Eindruck machten, waren die Burger einfach göttlich. Kein Vergleich mit hiesigen Fast Food-Ketten. Mit Rindfleisch kennt sich der Brasilianer scheinbar aus. Nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Tag - natürlich wieder durch Regen und Stau - zurück Richtung Flughafen.

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