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Formel 1 Reisetagebuch - GP Großbritannien

Teil 9: Grüner spielt den Anrufbeantworter

Tobis Formel 1 Tagebuch Foto: Tobias Grüner 21 Bilder

auto motor und sport Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahererlagern dieser Welt - dieses Mal aus Silverstone.

01.12.2009 Tobias Grüner

Nach dem eher mäßigen Grand Prix in Istanbul war die Vorfreude auf Silverstone umso größer. Es sollte allerdings eines der anstrengendsten Wochenenden der gesamten Saison werden. Dabei fing alles ganz ruhig an. Am Donnerstag gab es den ersten Besuch an der Strecke. Es war zwar nicht mehr alles ganz neu, dafür strahlte Silverstone der Charme von 50 Jahren Formel 1 aus jeder Pore. Hier wird Motorsport-Tradition gelebt.

Nachdem Kollege Schmidt und ich schon am Mittwoch Nico Hülkenberg in der Williams-Basis in Grove besucht hatten, ging es am Donnerstag für mich auch noch in die Mercedes-Motorenfabrik nach Brixworth. Alles sehr beeindruckend. Vor allem die Bauteile der Hybrid-Technik KERS, die Mercedes stolz in einem kleinen Raum aufbauen ließ. Die Sache hatte nur zwei Haken. Dummerweise war Silverstone das einzige Saisonrennen, in dem die Silberpfeile auf KERS verzichteten. Und außerdem war McLaren schon seit Saisonbeginn in einem Tief - trotz Hybrid. Den Angestellten der Motorenfabrik war es egal. Button oder Hamilton? Hauptsache der eigene Motor überquert als Erster die Ziellinie.

Das Handy klingelte unentwegt

Doch das Sportliche rückte an diesem Wochenende ganz schnell in den Hintergrund. Als wir am Freitag um acht Uhr an der Rennstrecke ankamen, war die Katze schon aus dem Sack. Die FOTA kündigte die Gründung einer eigenen Rennserie an. Zwar schwebte die Piratenserie schon in den Wochen zuvor wie ein Damoklesschwert über dem Fahrerlager, nun schien die Formel 1 aber wirklich dem Abgrund sehr nahe.
 
Alle spielten plötzlich verrückt. Im Fahrerlager musste man gar nicht lange nach Gesprächspartnern suchen. Jeder wollte freiwillig seinen Senf abgeben. Da Kollege Schmidt gleichzeitig einer der wichtigsten Formel 1-Experten im Lande und dazu noch ein notorischer Handy-Verweigerer ist, rief plötzlich Gott und die Welt auf meinem Mobiltelefon an. Fernseh- und Radiosender wollten Interviews, Tageszeitungen fragten nach einer Einschätzung der Lage.

Max Mosley und Bernie Ecclestone verkrochen sich

Bernie Ecclestone und Max Mosley waren "not amused" über die Entwicklung der Ereignisse und verkrochen sich zunächst im FIA-Motorhome. Der Verband kündigte rechtliche Schritte gegen die abtrünnigen Teams an und verschob die geplante Verkündung der Formel 1-Starterliste, um Zeit zu gewinnen. Die Rebellen reagierten mit Rücktrittsforderungen gegen Mosley.
 
Leider bleibt einem als Online-Journalist kaum eine andere Wahl, als jede neue Reaktion sofort ins Netz zu stellen. Und zwischendurch fanden ja auch noch die freien Trainings statt, die an diesem Tag aber niemanden interessierten. Ich hätte am Morgen einfach im Bett bleiben sollen. Kollege Schmidt und ich teilten uns spaßeshalber schon mal die Rennen der beiden Konkurrenzserien für die kommende Saison auf. Erst am Rennsonntag gab es wieder etwas versöhnlichere Töne aus beiden Lagern. Es sollten noch einmal Verhandlungen stattfinden.
 
Ach ja, ein Rennen gab es ja auch noch. Nach sechs Button-Siegen in sieben Rennen konnte Red Bull mit einem Doppelsieg ausgerechnet in Silverstone zurückschlagen. Sebastian Vettel war der dominierende Mann des Wochenendes. In den vielen schnellen Kurven blieb die Konkurrenz wie erwartet chancenlos. Für die zahlreichen britischen Fans auf den Tribünen konnte es einem fast schon leid tun, dass Buttons Erfolgsserie auf Rang sechs riss und die beiden McLaren am Ende gar überrundet wurden. Trotzdem spendeten die Zuschauer fair Applaus, als Vettel die Ziellinie überquerte. Für mich war Silverstone trotz des ganzen Stress eines der besten Wochenenden des Jahres.

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