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Formel 1 Reisetagebuch - GP Malaysia

Teil 3: Regen, Regen und nochmals Regen

Formel 1 Tagebuch Foto: Daniel Reinhard 22 Bilder

auto motor und sport Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahererlagern dieser Welt - dieses Mal aus Malaysia.

25.11.2009 Tobias Grüner

Nach einem nächtlichen Zwischenstopp in Singapur ging mein Formel 1-Abenteuer in Malaysia weiter. Schon auf der Gangway aus dem Flugzeug wäre ich am liebsten direkt wieder umgekehrt. Die Luftfeuchtigkeit lag bei gefühlten 100 Prozent und auch die Temperatur müsste einer groben Schätzung nach kurz vor dem dreistelligen Bereich gelegen haben. Immerhin blieb uns Taxi-Ärger wie in Melbourne erspart. Kollege Schmidt hatte einen Mietwagen organisiert.

Mit einem Kleinwagen aus malaysischer Produktion ging es auf den Weg Richtung Strecke. Von Verkehrsregeln hält der Malaysier leider nicht viel, was Kollege Schmidt am Lenkrad allerdings nicht dazu veranlasste, die Geschwindigkeit zu drosseln. Ganz im Gegenteil. "Man muss sich anpassen. Wenn man zögerlich fährt, wird es nur noch gefährlicher", erklärte er mir. "Außerdem ist das noch gar nichts gegen Sao Paulo." Er sollte Recht behalten, aber dazu an gegebener Stelle mehr.
 
Das einzige was jetzt noch fehlte war ein typisch malaysischer Regenschauer. Und kaum war der Gedanke ausgesprochen, fegte der tägliche Monsun auch schon über die Autobahn. Der Scheibenwischer gab sein Bestes, aber außer Wassermassen war nicht mehr viel zu sehen. Kollege Schmidt behielt zum Glück den Durchblick und brachte uns sicher an die Strecke.

Untersuchung gegen Lewis Hamilton
 
Schon am Flughafen hatten wir gehört, dass die FIA eine Untersuchung gegen Lewis Hamilton eingeleitet hatte. Es schien, als hätte der Weltmeister nach dem Rennen in Melbourne die Unwahrheit gesagt und Jarno Trulli beschuldigt, ihn in der Gelbphase regelwidrig überholt zu haben. Nach dem Rennen wurde Trulli bestraft und Hamilton kam einen Platz nach vorne. Nach Analyse des Funkverkehrs war der Champion jedoch schnell der Lüge überführt.
 
Am Donnerstag gab er seinen Fehler dann in einer denkwürdigen Pressekonferenz zu. Für McLaren-Mercedes war das der Supergau. Hamilton und das Team wurden aus der Australien-Wertung gestrichen. Das Saubermann-Image bekam erste Kratzer. Als Bauernopfer musste Sportdirektor Dave Ryan den Hut nehmen. Zu allem Übel kam noch hinzu, dass die Silberpfeile sportlich immer noch nicht konkurrenzfähig waren.
 
Als hätte diese Geschichte noch nicht gereicht, wurden die drei Doppeldiffusor-Teams am Wochenende wieder mit Protesten der Konkurrenz zugeschüttet. Erst eine Woche nach dem Rennen sollte die FIA die Doppeldiffusoren für legal erklären. Doppeldiffusor, Strafen, Proteste, Lügen-Skandal und mit Brawn GP ein Team, das wie Phoenix aus der Asche aufstieg. Vor dem Rennen dachte ich eigentlich, dass ich für meine ersten zwei Grand Prix bereits genug Action hatte. Doch wieder einmal belehrte mich die Formel 1 eines besseren.

Geburtstagsparty für Michael Schmidt
 
Am Sonntag gab es allerdings erst einmal Grund zu feiern. Kollege Schmidts 50. Geburtstag fiel zufälligerweise auf das gleiche Datum wie der Grand Prix. Ich wusste davon, sollte aber eigentlich nichts verraten. Doch Joschi Walch, der immer gutgelaunte Catering-Chef des BMW-Sauber Teams, drohte mit ernsten Konsequenzen, sollte ich nicht auspacken. Und so musste ich meinen eigenen Kollegen auch noch unter einem Vorwand zu seiner Überraschungsparty ins BMW-Lager locken, wo das Team, Fotografen und Journalisten bereits mit einer Torte warteten.
 
Als Nachschlag gab es ein Rennen, das die Formel 1 so schnell nicht vergessen wird. Dunkle Wolken hingen schon den ganzen Mittag über der Strecke. Doch es wollte einfach nicht regnen. Erst in der 31. Runde öffnete der Himmel seine Schleusen - aber dann richtig. Nach 17 Jahren musste zum ersten Mal wieder ein Rennen abgebrochen werden und nun ausgerechnet in meinem zweiten Grand Prix. Button siegte erneut, zwei Deutsche standen auf dem Podium und es gab jede Menge zu analysieren. Wieder einmal wurde es ein langer Abend in Sepang und ohne Essen ging es schließlich ins Bett.
 
Bevor der Flieger am Nachmittag Richtung Heimat abhob, quälte ich mich nach einer kurzen Nacht schon Montagmorgens aus dem Bett und machte mich per Taxi Richtung Kuala Lumpur. In bester Touristen-Manier wollte ich unbedingt auf die berühmte Brücke zwischen den Twin Towers. Dort angekommen musste ich erfahren, dass die Aussichtsplattform immer Montags geschlossen ist. "Da müssen sie morgen wiederkommen", entgegnete mir die nette Frau an der Information. Morgen saß ich allerdings schon wieder an meinem Schreibtisch in der Redaktion.

Ein begehrtes Fotomodell

Während ich ein paar Fotos von außen machte, fragte mich eine chinesische Reisegruppe, ob sie nicht ein Foto mit mir machen könnten. Ich war etwas irritiert, begriff aber schnell, dass ich als großgewachsener Mitteleuropäer eine mittlere Weltsensation für die Asiaten sein musste. Und so verließ keiner aus der Gruppe Kuala Lumpur ohne eine gemeinsames Foto mit mir.
 
Meine Suche nach einem Taxi wurde vom nächste Monsun durchkreuzt. Nass bis auf die Unterwäsche fand ich irgendwann endlich eine Fahrgelegenheit. Unnötig zu erwähnen, dass der Fahrer natürlich keinen Plan hatte, wo ich hin will. Zusätzlich beunruhigte mich, dass seine Scheibenwischer nach wenigen Minuten den Geist aufgaben. Per Handy wurde er dann doch noch irgendwie von einer fremden Stimme an mein Hotel gelotst, wo Kollege Schmidt bereits auf mich wartete.

Zum Schluss wartet noch die chinesische Botschaft
 
Nach dem 13-stündigen Heimflug aus Malaysia, den ich komplett durchgeschlafen habe, begann direkt die Vorbereitung für das nächste Rennen. Vom Frankfurter Flughafen ging es in der Früh per S-Bahn in die chinesische Botschaft, um das notwendige Visum für das Rennen in Shanghai abzuholen. Als Journalist heißen einen die Chinesen in der Heimat nicht gerade Willkommen und so ist die Abwicklung der Einreisemodalitäten so kompliziert wie nirgends sonst. Erst am Mittag hatten wir endlich den nötigen Aufkleber im Reisepass.

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