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Formel 1 Reisetagebuch - GP Singapur

Teil 15: Nachtschicht in Singapur

Tobis Formel 1 Tagebuch Singapur Foto: Tobias Grüner 20 Bilder

auto motor und sport-Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahrerlagern dieser Welt - dieses Mal aus Singapur.

07.12.2009 Tobias Grüner

Nach der Europa-Saison bekam ich wieder richtig Lust auf Fernreisen. Mit dem Rennen in Singapur stand ein echtes Highlight auf dem Programm. Die nächtlichen TV-Bilder hatten mich schon bei der Premiere im Vorjahr fasziniert und ich konnte kaum erwarten, das ganze mal live mitzuerleben. Außerdem freute ich mich darauf, jeden Tag auszuschlafen, da das Fahrerlager ja quasi in europäischer Zeit weiterlebte.

Beim Verlassen des Flughafengebäudes wurde mir allerdings schlagartig wieder klar, wie heiß und feucht es in Südostasien ist. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Vom Airport fuhren Kollege Schmidt und ich direkt in Richtung Akkreditierungsstelle. Laut Plan musste das FIA-Büro im Mandarin Oriental Hotel direkt in der Nähe der Strecke liegen. Die zahlreichen Straßensperren ließen den Taxi-Fahrer allerdings schier verzweifeln.

Durch ein unterirdisches Labyrinth
 
Irgendwann führten uns Wegweiser in eine Tiefgarage. Allerdings waren wir bei der Einfahrt  noch mehrere Kilometer entfernt von unserem Ziel. Nach 15 Minuten Fahrt unter der Erde und dank der Hilfe vieler Ordner hatten wir das Mandarin schließlich irgendwann erreicht. Es stellte sich heraus, dass die halbe Stadt mit vielen Parkflächen unterbuddelt ist, die alle irgendwie miteinander verbunden waren. In dem großen Labyrinth unter der Erde kannten sich leider auch die ansässigen Taxifahrer nicht besonders gut aus.
 
Mit dem Fahrerlagerpass in der Tasche ging es am Mittwochabend noch in ein typisch asiatisches Fischrestaurant. Die Kellner wollten gar nicht mehr aufhören, Muscheln, Garnelen und riesige Krebse in scharfen Saucen und mit exotischen Beilagen aufzutischen. Die Schalentiere mussten leider mit den Händen geknackt werden, was in einer riesigen Schweinerei endete. Spaß hat es trotzdem gemacht und lecker war es auch.

Mit dem Ausschlafen wurde es nix
 
Aus meiner Hoffnung, am Donnerstag ausschlafen zu können, wurde allerdings nichts. Da die Taxis nicht direkt ans Fahrerlager fahren durften, entschlossen sich Kollege Schmidt und Roger Benoit vom Schweizer Blick die Mitfahrgelegenheit von Karl-Heinz Zimmermann wahrzunehmen. Der österreichische Caterer von Bernie Ecclestone wohnte im gleichen Hotel wie wir und orderte täglich einen Shuttlebus, der dank Sondergenehmigung bis vor den Fahrerlagereingang fuhr. Leider musste die Küche schon um zehn Uhr morgens parat stehen, falls der F1-Boss Lust auf ein Frühstück hat.
 
Als wir um 9:45 Uhr ankamen, war das Fahrerlager komplett leergefegt. Das Pressezentrum hatte eigentlich erst ab Mittag geöffnet, doch man ließ uns trotzdem herein. Der riesige Saal war noch menschenleer.

Probleme mit dem Internet
 
Aus Langeweile recherchierte ich ein wenig im Internet herum. Im Gegensatz zu den meisten anderen Strecken war der Netz-Zugang in Singapur gratis. Das nutzte mir aber leider nicht viel. Ich konnte mich partout nicht ins heimatliche Redaktionssystem einloggen. Die Techniker erklärten mir später, dass die Daten über einen Zwischenserver geleitet werden. Aus Sicherheitsgründen verwehrte mir unser System deshalb den Zugang. Erst am Samstag hatten wir gerade noch rechtzeitig eine Ersatzlösung gefunden.
 
Da ich am Donnerstagvormittag weder arbeiten konnte noch irgendjemand im Fahrerlager zum Gespräch bereitstand, machte ich mich auf einen Rundgang um die Strecke. Ich inspizierte die neue Boxeneinfahrt und machte ein paar Fotos für mein Reisetagebuch. Erst nach dem Mittag zeigten sich ein paar Piloten zu den ersten Pressegesprächen. Den Vogel schoss dabei das Team von Brawn GP ab, das erst nach 23:00 Uhr zur obligatorischen Fragestunde einlud.

Der Renault-Skandal war das große Thema
 
Das große Thema des Wochenendes blieb natürlich Renault. Einige Tage zuvor wurden Flavio Briatore und Pat Symonds aus dem Fahrerlager verbannt, weil sie das Rennen im Vorjahr durch den Piquet-Crash manipulierten. Jetzt stellte sich der Neue vor: Gestatten Bob Bell. Doch der Start verlief nicht ganz glücklich. Zuerst verabschiedeten sich die Hauptsponsoren vom Auto, dann krachte auch noch Piquet-Ersatz Romain Grosjean im Training just an der gleichen Stelle wie sein Vorgänger zwölf Monate zuvor in die Mauer. Der Pressesaal gröhlte wie ein Fußballstadion.
 
Das Rennen sollte die Renault-Führung aber wieder versöhnen. Da Nico Rosberg die Begrenzung der Boxenausfahrt überfuhr und Sebastian Vettel bei der Einfahrt zu schnell war, übernahm Fernando Alonso kampflos Platz drei. Bester Deutscher wurde überraschend Timo Glock, der mit Rang zwei sein persönliches Highlight der Saison feierte. Eine Woche später in Japan war es dann aber auch schon wieder vorbei mit Glückssträhne des Odenwälders, aber dazu später mehr.
 
Auch Jenson Button konnte jubeln. Wie so oft in der zweiten Saisonhälfte betrieb der WM-Führende erfolgreich Schadensbegrenzung. Seine direkten Konkurrenten machten kaum Boden gut. In Japan sollte der Engländer bereits den ersten Matchball zum Titel erhalten.

Was gibt es Schöneres als mitten in der Nacht ein kühles Bier
 
Wir waren ehrlich gesagt froh, als Sonntagnacht wieder alles vorbei war. Die Arbeitszeiten für Journalisten sind gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig. Am Samstag kam ich erst ins Bett, als es draußen schon längst wieder hell war. Zum Glück haben die kleinen Garküchen in den Straßen von Singapur rund um die Uhr auf. Das kühle Bier am Sonntag um halb drei in der Nacht - bei immer noch tropisch-schwülen Außentemperaturen - war einfach göttlich.
 
Aber auch am Montag konnte ich nicht ausschlafen. Ich war freiwillig früh aufgewacht, um die einzige Chance auf eine Fahrt im berühmten Riesenrad zu nutzen. Da ich nur diesen einen Tag Zeit hatte, spulte ich das komplette Singapur-Touristenprogramm in acht Stunden ab. Per Pedes und per Taxi hetzte ich von einer Ecke der Stadt in die andere. Dazwischen wurde auch noch ein Minimal-Shopping-Programm eingeschoben. Dienstagfrüh ging es dann auch schon wieder weiter Richtung Japan.

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