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Formel 1 Reisetagebuch - GP Ungarn

Teil 11: Das Chaos-Rennen in Budapest

Tobis Formel 1 Tagebuch Ungarn Foto: Wolfgang Wilhelm 16 Bilder

auto motor und sport-Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahrerlagern dieser Welt - dieses Mal aus Ungarn.

03.12.2009 Tobias Grüner

Zum letzten Grand Prix vor der Sommerpause ging die Reise nach Ungarn. Soweit nach Osteuropa hatte es mich noch nie verschlagen. Vom Flughafen fuhren wir mit mit dem Mietwagen direkt Richtung Strecke, wobei es mich wirklich überraschte, dass knapp 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch alles so stark nach Ostblock aussah. Alte Gebäude, schlechte Straßen und Industrie-Ruinen säumten unseren Weg. Erst am Abend, auf dem Weg durch den malerischen Stadtkern von Budapest, konnte ich nachvollziehen, warum so viele Touristen in die Donau-Metropole pilgern.

Am Hungaroring angekommen gab es zunächst nur ein Gesprächsthema. Mit Jaime Alguersuari debütierte in der Formel 1 nach langer Zeit mal wieder ein junges Gesicht. Einigen Piloten war der Spanier mit seinen 19 Jahren allerdings etwas zu jung. Ohne Testfahrten und mit nur wenig Erfahrung konnte das eigentlich nicht gut gehen. Doch der Toro Rosso-Junior sorgte am Ende nicht wie befürchtet für die große Geschichte des Wochenendes.
 
Nach dem Ende des Machtkampfs und mit der deutlichen Führung von Jenson Button in der WM drohte die Formel 1 zur Saisonmitte etwas an Spannung zu verlieren. Doch dann folgte das verhängnisvolle Qualifying von Budapest. Felipe Massa wurde von einer herumfliegenden Feder getroffen und blieb bewusstlos im Reifenstapel stecken.

Chaos im Pressezentrum nach dem Unfall von Felipe Massa
 
Im Presseraum herrschte helle Aufregung. Keiner wusste, was passiert war. Alle liefen panisch herum und versuchten irgendwo Informationen zu bekommen. Die Rennleitung gab schließlich bekannt, dass Massa per Helikopter ins Krankenhaus gebracht wird und lebt. Ich schickte Kollege Schmidt ins Fahrerlager, um Details einzuholen, während ich mit den spärlichen Informationen die erste Internetmeldung absetzte und dann Stück für Stück immer weiter aktualisierte.
 
Schnell wurde klar, dass eine Fahrwerksfeder aus dem Auto von Rubens Barrichello für den Unfall verantwortlich war. Immer mehr Informationen tröpfelten nach und nach ein. Massa lebt, Verletzung über dem Auge, Rennabsage, Operation im Krankenhaus, künstliches Koma.... der Nachmittag der so ruhig begonnen hatte, wurde plötzlich ziemlich stressig. Mir war Massa noch kurz vor dem Qualifying über den Weg gelaufen. Beim Gedanken an einen tödlichen Unfall lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Es ist für mich unvorstellbar, dass solche Vorfälle in den frühen Jahren der Formel 1 fast an der Tagesordnung waren.

Verwirrung um die Pole Position
 
Irgendwann ging dann auch noch das Qualifying weiter. The show must go on. Man konnte den Sport ja nicht plötzlich vernachlässigen. Doch nach dem letzten Abschnitt des Zeittrainings wusste immer noch niemand, wer auf der Pole Position steht. Der Zeitenmonitor streikte kurz vor dem Ende der Session. Erneut regierte Ratlosigkeit im Pressesaal. Im Parc Fermé verglichen die Piloten ihre Zeiten. Am Ende lautete die Reihenfolge Alonso, Vettel, Webber. Doch rechte Freude mochte bei der Qualifying-Pressekonferenz verständlicherweise nicht aufkommen.
 
Am Sonntag gab es natürlich nur das Thema Massa. Ferrari hatte noch am späten Abend die Meldung herausgegeben, dass der Brasilianer außer Lebensgefahr sei. Nach nur zehn Rennen dachte ich, dass ich bereits alles gesehen hätte. Doch die Saison hatte erneut eine böse Überraschung parat. Und es sollte nicht die letzte sein.
 
Auch das Rennen bot genügend Schlagzeilen. Pole-Mann Alonso verlor nach einem missglückten Boxenstopp ein Rad, fuhr aber trotzdem weiter. Nach dem Massa-Unfall und dem tödlichen Formel 2-Crash von Henry Surtees griffen die Kommissare hart durch und sperrten Renault ausgerechnet für das Alonso-Heimspiel in Valencia. Als das Urteil kam, waren die Verantwortlichen schon auf der Heimreise, so dass sich die Überstunden für mich in Grenzen hielten.

Erster Erfolg eines Hybrid-Autos
 
Auch der Sieger wäre für eine große Story gut gewesen, verblasste aber vor den Geschehnissen um Felipe Massa. Immerhin sorgte Lewis Hamilton für den ersten Erfolg eines Hybrid-Autos in der Formel 1. Mit Kimi Räikkönen fuhr sogar noch ein zweites KERS-Auto aufs Treppchen.
 
Als ich Sonntag-Nacht irgendwann im Bett lag, freute ich mich vor allem auf die vierwöchige Sommerpause. Doch irgendwie stand das Ungarn-Wochenende unter keinem guten Stern. Zunächst hatte der Flieger in die Heimat Verspätung, dann gab es auch noch eine Vollsperrung auf der Autobahn von Frankfurt nach Stuttgart. Bei über 30°C waren wir für zwei Stunden im Auto gefangen.

Kurz vor dem Urlaub gibt BMW den Rückzug aus der Formel 1 bekannt
 
Leider musste ich noch bis Dienstag arbeiten, bis auch ich die ersten freien Tage des Jahres genießen konnte. Zwei Tage zu viel. Zunächst standen fast minütliche Massa-Updates auf der Agenda, dann erreichte uns am Dienstag-Abend die Nachricht, dass BMW am nächsten Morgen seinen Ausstieg aus der Formel 1 bekanntgeben wird. Als Michael Schumacher dann am Mittwoch-Abend auch noch seine Comeback-Pläne veröffentlichte, war ich zum Glück schon in den Ferien. Ich hatte es zunächst gar nicht mitbekommen und wurde von einem brasilianischen Kollegen per Handy informiert, der sich eigentlich von mir ein paar Details zur Schumi-Rückkehr erhoffte. Ich war dagegen schon im Urlaub.

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