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Formel 1 Reisetagebuch

Teil 2: Eine stressige Premiere

Formel 1 Tagebuch 2009 Foto: Tobias Grüner 21 Bilder

auto motor und sport Redakteur Tobias Grüner wurde in diesem Jahr erstmals auf die Formel 1 losgelassen. In seinem Grand Prix-Tagebuch erzählt der Neuling von seinen persönlichen Eindrücken aus den Fahererlagern dieser Welt.

24.11.2009 Tobias Grüner

Schon bei der Planung für das Rennen in Australien bekam ich einen Jetlag. Es war noch Montag (23.3.) als ich um 23.30 Uhr von Frankfurt aus per Qantas-Jumbo in die Formel 1-Saison startete. 19 Economy-Flugstunden und einen Zwischenstop in Singapur später spuckte mich der Jet etwas zerknirscht an einem Mittwochmorgen in Melbourne wieder aus. Es regnete, ich war müde und von glamouröser Formel 1-Welt war weit und breit nichts zu sehen.

Alles was ich jetzt brauchte, war eine heiße Dusche. Doch der freundliche Herr an der Hotel-Rezeption machte mir unmissverständlich klar, dass jetzt lange noch kein Zimmer frei sei und die übliche Check-In-Zeit eigentlich auch erst gegen Mittag beginne. Meine Uhr zeigte halb neun, mein Körper sagte Zeit zum Schlafen. Nach einer Katzenwäsche auf der Lobby-Toilette machte ich mich schließlich auf den Weg zum Parkview Hotel Nahe des Albert Parks, wo mein Kollege Michael Schmidt - nach einer Woche Akklimatisierung - bereits ausgeschlafen auf mich wartete.

Die Neulinge stehen in einer anderen Schlange
 
Nach einem Croissant, einem Kaffee und einem kurzen Hallo mit Mark Surer (Sky) und Willi Rampf (BMW-Sauber) öffnete um 11.00 Uhr pünktlich die Akkreditierungsstelle der FIA, die praktischerweise im gleichen Hotel untergebracht war. Während sich die alten Hasen ihren permanenten Saisonpass abholten, musste sich der Neuling in der "Race by Race"-Schlange anstellen. Novizen haben sich laut FIA-Richtlinien für jedes Rennen einzeln zu akkreditieren und dürfen sich an jeder Strecke einen neuen Pass abholen. Leider sollte das FIA-Büro im Laufe der Saison nicht immer so leicht zu finden sein. Aber von solchen Problemen ahnte ich in diesem Moment noch nichts.
 
Mit meinem neuen Pass ging es dann endlich Richtung Rennstrecke. Alles war neu, alles war aufregend. Das erste Betreten des Fahrerlagers, die ständige Passkontrolle am Eingang des Pressezentrums, Internet-Zugang organisieren, Computer-Probleme der Kollegen beheben und beim ersten Rennen natürlich viele neue Namen lernen und Hände schütteln. Ich war überrascht, dass an einem Mittwoch-Vormittag schon so viele bekannte Gesichter im Fahrerlager herumliefen. "Das ist nur bei den Übersee-Grand-Prix so", beruhigte mich Kollege Schmidt. "In Europa reicht es aus, am Donnerstag zu kommen."

Roger Benoit hat schon 584 Grands Prix auf dem Buckel
 
Im Pressesaal traf ich auch das erste Mal Roger Benoit. Der Formel 1-Experte vom Schweizer Blick hatte - wie auch bei den folgenden 16 Rennen - bereits die besten Plätze für das auto motor und sport-Duo reserviert und begrüßte mich herzlich. Wem der Name Roger Benoit noch unbekannt ist, dem sei gesagt: Das Formel 1-Urgestein hat mit 584 Grand Prix wohl mehr Formel 1-Erfahrung als alle anderen aktiven Journalisten. Da kann sogar Kollege Schmidt mit seinen läppischen 443 F1-Rennen einpacken. Die aufregenden Geschichten, die der passionierte Zigarrenraucher aus alten Tagen zu erzählen wusste, kann ich mangels Platz hier leider nicht unterbringen.
 
Auch am Abend war an Schlaf nicht zu denken. BMW-Sauber hatte die deutschen Journalisten zum Saisonauftakt zu einer gemütlichen Presserunde in ein Restaurant direkt am Meer eingeladen. Die Stimmung bei Teamchef Mario Theissen und Nick Heidfeld war gut. Sie wussten ja noch nicht, dass es die letzte BMW-Saison sein würde. Trotz erheblichen Schlafmangels begann ich mein Leben mit der Formel 1 langsam zu genießen.

Einmal um die Strecke gelaufen
 
Der zweite Tag begann mit einer kleinen Sporteinlage. Mein Taxifahrer hatte leider genauso gute Streckenkenntnisse wie ich, und ließ mich genau am falschen Ende des Kurses heraus. Im Nachhinein hätte ich wohl besser ein neues Taxi nehmen sollen, als eine halbe Stunde bei sommerlichen Temperaturen um den Albert Park zu wandern. Im Fahrerlager angekommen ging es gleich weiter. Auch McLaren eröffnete die Saison zusammen mit der Presse in einem Restaurant am Strand, allerdings schon zur Mittagszeit.
 
Während des Essens veranstaltete das Team ein traditionelles Quiz zur Formel 1. Eigentlich hatte ich immer gedacht, dass ich in Statistik und F1-Geschichte relativ sattelfest bin. Doch die Fragen stellten sich als extrem harte Nüsse heraus. Zum Glück blieb ich nicht der einzig planlose am Tisch.

Streit um den Doppeldiffusor
 
Neben dem Quiz sind mir auch noch die Worte von Martin Whitmarsh im Ohr, der beim Thema Doppeldiffusor an diesem Tag erstmals von einer abenteuerlichen Regelinterpretation redete. Der Streit um den Doppeldiffusor sollte uns das ganze Wochenende nicht mehr loslassen. Toyota, Williams und Brawn gegen den Rest der Formel 1. Nach dem Qualifying und dem Rennen hagelte es Proteste. Über Arbeitsmangel konnte ich mich wahrlich nicht beklagen.
 
Auch aus sportlicher Sicht lief das Rennen nicht nach Plan. Als Motorsport-Schreiberling beginnt man gerne schon ein paar Runden vor der Zieldurchfahrt damit, den Bericht zu verfassen. Normalerweise passiert am Ende ja auch nicht mehr viel. Doch ich hatte die Rechnung ohne Sebastian Vettel und Robert Kubica gemacht, die sich 17 Kilometer vor der Zielflagge in die Kiste fuhren. Dazu noch der erste Sieg von Brawn GP beim Debüt und zwei Deutsche und ein Schweizer in den Punkten. Eigentlich hätte es genug Storys gegeben.

Arbeit bis in die Morgenstunden
 
Doch nach dem Rennen ging der Ärger erst richtig los. Neben den zu erwartenden Protesten sprach die Rennleitung auch noch zwei Strafen aus. In der Safety-Car-Phase nach dem Crash hatte Jarno Trulli den Silberpfeil von Lewis Hamilton überholt und wurde aus den Punkten gekickt. Wie sich nur wenige Tage später herausstellte zu unrecht. Auch Vettel erhielt eine Strafe wegen seines rüden Vorgehens. Bis alle Storys im Netz und ich im Bett war, ging draußen schon wieder die Sonne auf.
 
Am Montag nach dem Rennen gab es endlich Zeit etwas durchzuatmen. Mit einigen Journalistenkollegen hatten wir uns gegen Mittag in einem Restaurant verabredet. Am Nachmittag blieben sogar tatsächlich noch ein paar Stunden für Sightseeing übrig. Am Morgen danach war das Australien-Abenteuer aber schon wieder beendet. Der Flieger in Richtung Singapur wartete schon.

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