Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1-Spaltung

FOTA-Teams fordern Mosleys Kopf

Foto: Wolfgang Wilhelm 51 Bilder

Die acht FOTA-Teams weigern sich für die Formel 1-WM einzuschreiben und kündigen offen eine Konkurrenzserie an. Damit wollen sie den FIA-Weltrat unter Druck setzen, mit dem Ziel, dass Max Mosley am kommenden Mittwoch (24.6.) abgewählt wird.

19.06.2009 Michael Schmidt

Die Entscheidung der FOTA-Teams fiel um zehn Uhr abends in der Renault-Fabrik von Enstone. Ferrari, BMW, McLaren-Mercedes, Renault, Toyota, Red Bull, Toro Rosso und Brawn GP werden sich nicht für die Formel 1-WM 2010 einschreiben. Stattdessen drohen sie nun offen mit der Gründung einer eigenen Serie: "Nachdem wir lange vergeblich versucht haben, einen Kompromiss zu finden, bleibt uns nun nichts anderes übrig, als mit der Vorbereitung einer neuen Meisterschaft zu beginnen, einer Serie mit einer transparenten Regierung, die auf die Wünsche der Fans hört." Sie erinnern die FIA daran, dass die besten Fahrer, Teams, Hersteller und Sponsoren an ihrer Serie teilnehmen werden.

F1-Teilnehmerliste mit Ferrari

FIA-Präsident Max Mosley wird diesem Druck nicht nachgeben. Er hat angekündigt, am morgigen Samstag (20.6.) eine modifizierte Liste der Einschreibungen bekannt zugeben. Sie wird die FOTA-Flüchtlinge Williams und Force India enthalten, dazu die neuen Teams von Campos, Manor Racing und USF1. Es werden auch weiterhin Ferrari, Red Bull und Toro Rosso auf der Liste stehen, auch wenn diese Teams sich dagegen sträuben.

Die FIA belässt sie aus juristischen Gründen im Feld, solange die vertraglichen Verpflichtungen mit der FIA und den Rechteinhabern (FOM) nicht vor Gericht geklärt sind. Dazu werden zwei oder drei Nachzügler aus der Gruppe der Neubewerber kommen, die vorerst nicht berücksichtigt worden waren. Aussichtsreiche Kandidaten sind Prodrive und Epsilon Euskadi. Mosley wird das Kontingent der 13 möglichen Teams aber nicht komplett füllen, um einigen Spätentschlossenen aus dem FOTA-Zirkel die Chance zu geben, das Lager zu wechseln.

Jean Todt als Mosley-Nachfolger?

Die harte Tour der FOTA hat ein ganz klares Ziel. Sie will den FIA-Weltrat zwingen, seinen Präsidenten am kommenden Mittwoch (24.6.) auf seiner Sitzung in Paris abzuwählen. Deshalb wird die Drohkulisse einer Konkurrenzserie aufgebaut. Sie soll dem Weltrat signalisieren: Euer Präsident hat die Formel 1 ruiniert. Gerüchte sagen, dass der frühere Ferrari-Rennleiter Jean Todt im Hintergrund bereits fleißig Stimmen für eine eigene Kandidatur gesammelt hat.

Todt hat im Formel 1-Zirkus nicht nur Freunde. Trotzdem sagt ein Teamchef: "Jeder andere ist besser als Mosley. Das Vertrauen zwischen ihm und den Teams ist total zerrüttet." Aus FIA-Kreisen hört man das Gegenteil. Todt stünde eher auf Mosleys Seite. Sie schätzen auch die Chance, dass der 26-köpfige Weltrat Mosley abwählt, als gering ein. FIA-Sprecher Richard Woods: "Damit würde der Weltrat das Reglement, das er selbst abgenickt hat, in Frage stellen. Und er würde zulassen, dass in Zukunft die Teams diktieren, wie die Regeln gemacht werden."

Ecclestone droht mit Klage

Interessant wird sein, wie sich Bernie Ecclestone verhält. Der Formel 1-Chef hat am meisten zu verlieren. Eine Formel 1 ohne die besten Teams und besten Fahrer würde dramatisch an Wert verlieren. Die FOTA braucht Ecclestone nicht, hat sie ihn doch in ihrem letzten Schreiben mit den Worten kritisiert: "Millionen von Dollar wurden einigen Teams von den Rechteinhabern vorenthalten." BMW, McLaren, Toyota, Renault und Brawn GP sprechen damit die Auszahlungen ab dem vierten Quartal 2007 an, die Ecclestone nur zum Teil an diese Teams ausbezahlt hat und jetzt auch noch zurückfordert. Die Rechteinhaber halten das Geld zurück, weil sie ihre Absichtserklärung, bis 2012 in der Formel 1 zu bleiben, Ende 2007 nicht verlängern wollten.

Ecclestone droht unter anderem Ferrari, Red Bull und Toro Rosso mit einer Klage, die Zahlungen der letzten Jahre zurückzufordern, sollten sie ihren Vertrag mit der FOM brechen. Darin steht, dass sie sich bis 2012 verpflichtet haben, an der Formel 1-WM teilzunehmen. Williams hat einen identischen Vertrag und schloss sich auch deshalb der FIA und der FOM an. "Ich sehe keine Chance, da rauszukommen. Der Vertrag ist bindend", behauptet Williams-Teilhaber Patrick Head.

Piratenserie schon in Vorbereitung

Die Teams wollen trotzdem hart bleiben. Wenn Plan A der Teams nicht funktioniert und Mosley auch nach dem kommenden Mittwoche noch im Amt ist, wird Plan B eingeleitet. Dann werden die FOTA-Teams Agenturen mit der Organisation einer eigenen Serie beauftragen. Angeblich stünden bekannte Namen wie McCormack bereits Schlange. Patrick Head sieht in der FIA das geringere Übel. "Wir würden zwar auch lieber gegen die großen Namen antreten, und finden auch nicht alles optimal, wie die FIA die Formel 1 führt, aber das ist mir immer noch lieber, als in einer von Herstellern kontrollierten Serie zu fahren."

Diese Sorge äußert auch Ross Brawn, der zu den gemäßigten FOTA-Mitgliedern zählt. "Es muss bei einer eigenen Serie vertraglich sichergestellt sein, dass Privatteams genauso viel zu sagen haben wie die Werke." Ihm klingen noch die Worte von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo im Ohr, der in der Diffusorfrage die Interpretation der Top-Teams Ferrari, BMW, McLaren und Renault für die einzig Richtige hält. "So ein Fall wird wieder eintreten, und er wird eine große Nagelprobe für die FOTA", prophezeit Brawn.

Umfrage
Was halten Sie von einer Piraten-Serie ohne FIA und Ecclestone?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden