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Streit in der Formel 1-Familie

Die schöne, heile Scheinwelt der Formel 1

Whitmarsh, Domenicali und Horner Foto: xpb 13 Bilder

Nach außen spielt die Formel 1 seit der Gründung der Teamvereinigung FOTA die nette Familie. Hinter den Kulissen wird weiter mit Ellbogen gekämpft. Egal, ob es um die Aufteilung der Boxengaragen, Flatterflügel oder KERS geht.

02.09.2010 Michael Schmidt

Die nette Familie der Formel 1 wird nur für die Öffentlichkeit präsentiert. Seit sich die Teams zur FOTA zusammengeschlossen haben, sind schlechte Nachrichten tabu. Die Realität rückt diese Scheinwelt meist recht schnell wieder zurecht, so sehr sich die Teams auch bemühen, dass nach außen zu verbergen. Wenn Ferrari Stallregie ausruft, oder sie sich bei Red Bull um Frontflügel streiten, dann zeigt der Sport sein wahres Gesicht.

Es bleibt eine Welt, in der der eine dem anderen nichts gönnt. Als Bernie Ecclestone zu Saisonbeginn eigenmächtig das Sauber-Team auf den fünften Platz in der Boxenhierarchie setzte, was dem Nachfolge-Team von BMW auch zusteht, da murrte die Konkurrenz auf. Und nicht nur die Teams, die wegen Sauber nun einen Platz nach hinten rücken müssen. "Es hat auch Teams nicht gepasst, die vor uns stehen", erzählt Peter Sauber.

McLaren vs. Red Bull: Der Streit um die Flatterflügel

McLaren und Mercedes machen weiter gegen flexible Frontflügel von Red Bull und Ferrari mobil. Red Bull-Technikchef Adrian Newey spottet über Paddy Lowe, seinen Kollegen von McLaren: "Er hat schon einen Schreibtisch im FIA-Büro." McLaren will die FIA nicht nur zum Fotobeweis zwingen, das Team hat auch durchgesetzt, dass der vordere Teil des Unterbodens ab Monza strenger geprüft wird und die Bodenplatte aus maximal drei Teilen besteht, um zu verhindern, dass sich die Unterböden biegen wie eine Banane.

Der Hauptgegner von Red Bull wird nicht locker lassen. Es geht um den Titel, und McLaren weiß ganz genau, dass man selbst keinen Flatterflügel bauen kann. Er passt nicht in das aerodynamische Konzept des MP4-25. Also muss er beim Red Bull verschwinden.

Große Teams kämpfen weiter für mehr Testfahrten

Die großen Teams würden gerne durch die Hintertüre Testfahrten während der Saison einführen, doch die kleinen haben das bei der jüngsten FOTA-Sitzung in Spa abgelehnt. Für sie ist das Testverbot ein wunderbarer Gleichmacher, weil die Top-Teams an der Rennstrecke plötzlich Fehler machen. Diese Fehler würden sie nicht machen, wenn sie die Neuentwicklungen vorher ausprobieren könnten.

"Alle sitzen im gleichen Boot", donnert Force India-Chef Otmar Szafnauer. "Testen bringt nur denen einen Vorteil, die sich das leisten können. Es ist gut für den Sport, wenn auch die großen Teams bei der Entwicklungsarbeit Rückschläge verkraften müssen." Einwände von Michael Schumacher, wonach es keine Sportart gibt, in der man nicht testen dürfe, schmettert Toro Rosso-Teamchef Franz Tost ab: "Es gibt auch keine Sportart, in der der Testkilometer zwischen 700 und 1.000 Euro kostet."

Konkurrenz gegen Vorschuss für Renault

Beim Geld hört die Freundschaft auf. Renault hatte Bernie Ecclestone vor Hockenheim um einen Vorschuss über 15 Millionen Dollar auf die TV- und Startgelder für 2011 angefragt. Was die anderen Teams prompt abschmetterten. Der neue Hauptaktionär Gerard Lopez soll eigenes Geld in das Team stecken und zeigen, dass er es ernst meint.

Renault beruhigte die Gemüter. Im September würden neue Sponsoren andocken, was teilweise schon in Spa vollzogen wurde. Um die Entwicklung des aktuellen und 2011er Autos weiter mit dem Aufwand voranzutreiben wie bisher, wollte man die kleine Finanzlücke bis September durch die Anleihe füllen, statt sich am Kapitalmarkt Geld zu borgen.

Streit um KERS-Kosten

Jetzt entwickelt sich KERS zum ersten großen Belastungstest für die Teamvereinigung FOTA. Im Kostenreduzierungsplan steht, dass Hersteller des Hybridantriebs von ihren Kunden nicht mehr als eine Million Euro verlangen dürfen. Ferrari, Renault und Williams halten sich noch daran. Die Frage ist: Wie lange?

Mercedes will McLaren und Force India Entwicklungskosten von fünf Millionen dazurechnen. Pro Abnehmer macht das sechs Millionen Euro. Für Force India ist das nicht bezahlbar. Würden Ferrari und Renault nach dem gleichen Muster vorgehen, droht eine neue Zweiklassengesellschaft, denn auch Sauber und Toro Rosso müssten bei diesem Preis passen. Nur Williams hat es besser. "Wir machen unser KERS selbst", erklärt Technikchef Sam Michael. "Und wir haben es für eine halbe Million Euro hingekriegt."

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