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F1-Frieden wackelt

Freitag ist letzte Frist für die Piratenserie

FOTA-Sitzung Foto: FOTA 63 Bilder

Nach dem Eklat beim Treffen der Technikchefs am Mittwoch (8.7.), droht der Formel 1 erneut die Spaltung. Am Freitag (10.7.) läuft die Frist für eine Piratenserie aus. Die Anzeichen mehren sich, dass sich die FOTA-Teams in den nächsten 24 Stunden von der Formel 1 lossagen.

09.07.2009 Michael Schmidt

Eigentlich sollte bei dem Treffen der Technikchefs der Formel 1 mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting das technische Reglement für 2010 festgelegt werden. Alle waren gekommen: Die acht FOTA-Vertreter, die FOTA-Dissidenten Williams und Force India und die Chefingenieure der drei neuen Teams Manor Grand Prix, Campos und USF1. Doch statt die Richtlinien für die kommende Saison festzulegen, kam es zu einem Eklat.

FOTA-Teams ohne Stimmrecht

Charlie Whiting eröffnete den FOTA-Technikern wie zuvor schon den Teammanagern, dass sie zwar bei Fragen zum technischen Reglement und zum Sportgesetz mitdiskutieren aber nicht abstimmen dürften. Grund: Sie hätten sich immer noch nicht offiziell für die Formel 1-WM 2010 eingeschrieben. Die FIA hatte die FOTA-Teams bei der Weltratsitzung am 24. Juni auf die Liste gesetzt, und der Nennung war nach dem Scheinfrieden von Paris zwischen Max Mosley, Bernie Ecclestone und Luca di Montezemolo auch nicht widersprochen worden. Doch die FOTA-Teamchefs versäumten es ihre Unterschrift unter die Nennung zu setzen.

Sie trauten Mosleys Versprechen nicht, dass dieser nicht wieder als FIA-Präsident kandidieren werde, und wollten außerdem abwarten, bis das Concorde Abkommen unterschrieben ist. Nach Whitings Einlassung standen die FOTA-Vertreter auf und verließen den Saal.

Daraufhin trafen sich die Teamchefs zu einer Notsitzung in London. Plötzlich war die Piratenserie wieder auf dem Tisch. Sie fürchten, dass die FIA auf Zeit spielt, die sie nicht haben. Denn am morgigen Freitag (10.7.) läuft die Frist für den Startschuss einer Konkurrenzserie ab. Würde man länger warten, wäre die Zeit für die Organisation einer eigenen Meisterschaft zu knapp. Die Zeichen stehen nun auf Sturm. Es ist nun gut möglich, dass sich die FOTA-Teams von der Formel 1 lossagen und dies innerhalb der nächsten 24 Stunden bekanntgeben.

Spielt die FIA auf Zeit?

Für eine Einigung mit der FIA stehen zu viele Hindernisse im Weg. Das Concorde Abkommen ist noch immer nicht bis 2012 verlängert. Die FIA lässt sich Zeit. "Die Teams haben uns ein Dokument von 350 Seiten geschickt. Wir dachten, sie wollten auf der Basis des bestehenden Abkommens ein paar kleine Änderungen anbringen, doch in Wahrheit sind es rund 100 Modifikationen. Das zu prüfen, erfordert Zeit", erklärte ein FIA-Sprecher. Er bestritt einen bösen Willen. "Es ist nicht so, dass wir die Änderungen ablehnen, wir wollen sie nur mit unseren Anwälten abstimmen."

Ein zweiter Stolperstein ist Mosley selbst. Der Engländer hatte sich nach der Einmischung einiger Teamchefs in Bezug auf die Person des neuen FIA-Präsidenten alle Optionem offengehalten. Jetzt geht bei der FOTA die Furcht um, dass Mosley im Oktober nun doch wieder kandidieren könnte. Oder Jean Todt als seinen Nachfolger protegiert. Auch mit Todt hätten die FOTA-Rädelsführer ein Problem. Sie wünschen sich einen Frühstücksdirektor als Präsidenten und keine starke Persönlichkeit. Ein FIA-Mann kommt zu dem Fazit: "Hier geht es nicht um Reglements. Die FOTA will Mosley loswerden. Deshalb suchen sie jede Gelegenheit für ein Störmanöver."

Einstimmigkeit bei Regeländerungen

Die Absprache des Stimmrechts beim Reglement sieht die FOTA als Affront. Außerdem erregt die Ankündigung der FIA Unmut, dass sämtliche Änderungen einstimmig abgesegnet werden müssten. Die FOTA-Teams behaupten, das sei gegen alle Absprachen. Sie befürchten, dass die drei neuen Teams sowie Williams und Force India mit einem Veto die FOTA-Vorschläge blockieren könnten. Tatsächlich war die Sorge unbegründet. Nachdem die FOTA-Ingenieure den Raum verlassen hatten, einigten sich die Delegierten von Williams, Force India, Manor Grand Prix, Campos und USF1 auf die Grundzüge des Reglements.

"Das sieht in allen Punkten so aus, wie es die FOTA haben will. Auf der Basis des 2009er Reglements mit dem bereits Anfang des Jahres von allen abgenickten Verbot von Tankstopps und schmaleren Vorderreifen", triumphierte Nick Wirth, der das Auto für Manor Grand Prix konstruieren wird. "Es gibt nur ein Reglement und damit auch keine Sonderrechte für die neuen Teams. Der Cosworth-Motor wird wie alle anderen Motoren 18.000/min drehen, und es gibt für uns auch nicht mehr Motoren als für die restlichen Teams." Die drei neuen Teams haben auch mit dem Plan der FOTA kein Problem, der die Kosten in Stufen auf das Niveau der frühen 90er Jahre reduziert.

FOTA droht Rechtsstreit mit F1-Rechteinhabern

Mit einer Piratenserie riskiert die FOTA einen Rechtsstreit mit der FIA. Gerüchten zufolge hat man sich mit den Inhabern der kommerziellen Rechte auf eine Zusammenarbeit verständigt. Die FOTA-Teams wissen genau, dass CVC sie mit gutem Erfolg auf Schadensersatz verklagen könnte, sollte die Formel 1 als Folge einer Konkurrenzserie derart an Wert verlieren, dass CVC ihre Darlehen nicht mehr bedienen kann. Da ginge es um Summen, die selbst eine Firma wie Ferrari in die Knie zwingen könnten. Das Risiko eines Rechtsstreits mit CVC wäre zu groß. Andererseits weiß CVC, dass sie ohne die Top-Teams aus dem Rennen sind. Da wäre es das geringere Übel, sich mit der FOTA ins Bett zu legen und über die Einnahmen einer Piratenserie die Verbindlichkeiten der Formel 1 abzutragen.

Unter diesen Voraussetzungen war es nicht sehr klug von der FIA, die FOTA-Teams ohne Not zu brüskieren. Was hätte dagegen gesprochen, sie bei der Abfassung des 2010er Reglements mit abstimmen zu lassen? Wenn das Ergebnis nicht nach dem Geschmack der FIA gewesen wäre, hätte der Weltrat bei seiner nächsten Sitzung immer noch ein Veto einlegen können. So aber hätte Mosley Zeit gewonnen und der FOTA die Möglichkeit genommen, eine eigene Serie in Angriff zu nehmen. Ein Szenekenner unkte: "Das werden die spannendsten 24 Stunden des Jahres. Vielleicht haben wir morgen schon zwei Serien."

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