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Formel 1

Sünder gibt es immer wieder

Foto: Wolfgang Wilhelm 83 Bilder

Die Formel 1 ist schon lange kein Ausflug von Chorknaben mehr. Wer nach dem Monaco-GP glaubt, Michael Schumacher wäre seiner Rolle als Rennsport-Superstar nicht würdig, soll sich nur einmal die anderen Sünder in der GP-Geschichte anschauen. Dabei fällt erstaunlich oft der Name Ayrton Senna.

31.05.2006 Markus Stier

Wer in diesen Tagen den moralischen Finger erhebt, und den Schuminator am liebsten aus der marmornen Ruhmeshalle des Motorsports entfernt sehen möchte, halte einen Moment inne und erinnere sich an andere liebgewonnene Idole der Grand Prix-Geschichte, die heute in Bronze auf ihren Sockeln thronen und zu ihren aktiven Zeiten alles andere als Kinder von Traurigkeit waren.

Blicken wir also einmal zurück in vier Jahrzehnte dunkler Formel 1-Vergangenheit:

Der Formel 1-Sünderkartei:

1964: In Mexiko kämpfen John Surtees (Ferrari) und Graham Hill (BRM) um den Titel. Surtees Teamkollege Lorenzo Bandindi rammt Hill einfach von der Strecke, Surtees ist Weltmeister. Hill schenkt Bandini später ein Buch mit dem Titel: "So lerne ich Autofahren"

1982: In Hockenheim kommt beim Überrunden der Hinterbänkler Eliseo Salazar Brabham-Ass Nelson Piquet in die Quere. Beide kollidieren in der Ostkurvenschikane. Piquet versucht Salazar noch in der Auslaufzone zu verdreschen. Später behauptet der Brasilianer, es sei nur Show gewesen, und unter seinem Helm habe er bereits gegrinst.

1985: In Monaco fährt Ayrton Senna früh die schnellste Zeit im Abschlusstraining. Um zu verhindern, dass vor allem der schnelle Michele Alboreto im Ferrari ihm die Pole Position streitig macht, bummelt der Brasilianer mit seinem Lotus für den Rest der Zeit über den Kurs, um den Konkurrenten die Zeit kaputt zu machen.

1986: Ein gewisser Ayrton Senna verhindert bei Lotus, dass der Engländer Derek Warwick als zweiter Fahrer andockt. Warwick ist dem Brasilianer zu stark, er bevorzugt den schwächer eingeschätzten Johnny Dumfries.

1987: In Spa schießt Ayrton Senna wieder einmal Nigel Mansell von der Straße. Der Brite ist so erbost, dass er Senna in der Boxengasse verprügeln will. Die Lotus-Mechaniker gehen dazwischen und verhindern Schlimmeres.

1988: Weil er sowohl bei den Resultaten als auch in der Gunst seiner Landsleute deutlich hinter Ayrton Senna zurückgefallen ist, lässt Nelson Piquet am Wochenende des Brasilien-GP verbreiten, dass Ayrton Senna homosexuell sei. Für Senna beginnt ein Spießrutenlaufen durch die Boulevard-Presse.

1989: Die McLaren-Honda sind so überlegen, dass sich die Fahrer in Imola einen Nichtangriffspakt in der ersten Kurve leisten können. Eiskalt bremst Ayrton Senna Teamkollege Alain Prost in der Tosa-Kurve aus und geht in Führung. Prost ist stinksauer. Senna redet sich heraus. Er habe die voll gefahrene Tamburello-Kurve zuvor als erste Kurve betrachtet.

1989: Nigel Mansell hat in Estoril beim Boxenstopp seine Box verpasst und setzt zurück. Das ist verboten, und so wird der Engländer kurz danach mit schwarzer Flagge aus dem Rennen genommen. Der ignoriert seine Disqualifikation und fährt weiter. Kurz danach schießt der eigentlich längst ausgeschlossene Mansell Ayrton Senna ab.

1989: Zwischen Senna und Prost herrscht Krieg. Beim Saisonfinale in Suzuka kämpfen beide um den Titel. Prost blockiert den schnelleren Senna bis zum letzten Renndrittel und stellt dem Teamkollegen dann eine Falle. Als Senna in der Schikane vor Start und Ziel in die vermeintliche Lücke sticht, räumt ihn Prost von der Straße. In der Gewissheit, Weltmeister zu sein, steigt Prost aus seinem McLaren. Senna jedoch fährt mit getauschter Nase weiter und gewinnt sogar. Doch nach dem Rennen wird Senna disqualifiziert, weil er bei der Kollision mit Prost in den Notausgang rutschte und die Schikane ausließ. Prost ist Weltmeister, Senna beschimpft die Sportbehörde FIA der Manipulation zugunsten eines Franzosen. Daraufhin wird Senna die Lizenz für die kommende Saison entzogen. Nur ein Entschuldigungsbrief kann das Urteil in eine Bewährungsstrafe umändern. Senna greift nie zu Stift und Papier. Der Brief, der letzlich bei der FIA eintrifft, stammt von Teamchef Ron Dennis.

1990: Das Revanchefoul von Senna: Wieder kämpfen er und Prost in Suzuka um die WM. Dieses Mal hat Senna mehr Punkte. Der zu Ferrari gewechselte Prost startet als Zweiter, kommt aber auf der sauberen Steckenseite besser weg. Senna räumt ihn in der ersten Kurve ungebremst von der Strecke und ist Weltmeister. Der Brasilianer will eine Lücke gesehen haben, die Prost offen gelassen habe.

1992: Nachdem Michael Schumacher in Magny Cours eine Startkollision ausgelöst hat, der auch Ayrton Senna zum Opfer fällt, wird der Brasilianer gegenüber dem Deutschen in der Boxengasse handgreiflich.

1992: Ayrton Senna ist frustriert über eine mäßige Saison. In der Roggia-Schikane in Monza räumt er aus Frust Martin Brundle von der Strecke, an dem er einige Runden nicht vorbeikam. Das Gleiche passiert Senna in dieser Saison, als ihn Nigel Mansell von der Piste rammt.

1993: Alain Prost hat bei Williams unterschrieben und der Williams-Renault gilt als das einzig konkurrenzfähige Auto im Feld. Prost sichert sich den WM-Titel schon vor der Saison, indem er verhindert, dass Senna ebenfalls bei Williams fährt. Aus Verzweiflung hatte sich der Brasilianer sogar kostenlos angeboten.

1993: In Japan fährt Eddie Irvine sein erstes Formel 1-Rennen. Der Ire kennt den Kurs in Suzuka aus der japanischen Formel 3000-Serie wie seine Westentasche. Im Regen wird er zwar vom führenden Ayrton Senna überrundet, aber als der Brasilianer sein Tempo drosselt, zieht Irvine wieder vorbei. Der erschrockene Senna stellt den Neuling in dessen Wohnwagen zur Rede, spricht von mangelndem Respekt und schlägt Irvine mit der Faust ins Gesicht. 1994 beginnt Senna die Saison wieder einmal auf Bewährung.

2003: Fernando Alonso steht am Nürburgring schwer unter Druck von David Coulthard. Um den McLaren-Fahrer zu einem Fehler zu zwingen, bremst er absichtlich früh. Der überraschte Coulthard versucht, die Kollision zu vermeiden und fliegt dabei ab.

2005: Juan Pablo Montoya ist sauer, dass ihn Ralf Schumacher beim Training in Monaco aufgehalten hat. Um sich zu rächen, steigt der Kolumbianer in der St. Devote-Schikane absichtlich voll in die Eisen. Doch nicht nur Ralf Schumacher ist der Leittragende, auch David Coulthard muss heftig bremsen, und Jacques Villeneuve wird unschuldig in einen Unfall verstrickt. Montoya muss das Rennen aus disziplinarischen Gründen aus der letzten Startreihe aufnehmen.

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