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Formel 1-Team Lotus

Rätselraten bei Lotus

Jarno Trulli Foto: xpb 46 Bilder

Lotus wollte mit dem neuen Auto im Mittelfeld mitmischen. Nach den Testergebnissen von Barcelona peilte das Team sogar Force India an. In Melbourne dann die Ernüchterung: Der Abstand nach vorne ist so groß wie im letzten Jahr. Nach der Durchsicht der Daten war die Schuldfrage geklärt: Die Reifen kommen nicht auf Temperatur.

01.04.2011 Michael Schmidt

Lotus reiste mit einem guten Gefühl nach Melbourne. Der letzte Testtag in Barcelona hatte Anlass zu Optimismus gegeben. In den Dauerläufen lag Heikki Kovalainen im Bereich der Force India. Damit schien das große Saisonziel bereits beim ersten Rennen geschafft. "Wir wollen uns in diesem Jahr im Mittelfeld etablieren", fordert Technikchef Mike Gascoyne.

In Melbourne war davon wenig zu sehen. Nach der ersten K.O.-Runde hatten die Lotus-Fahrer Dienstschluss. An ein Weiterkommen war gar nicht zu denken. Heikki Kovalainen verlor auf den schlechteren der beiden Force India exakt zwei Sekunden. Das erinnerte an den Abstand zum Vorjahr.

Gascoyne bestreitet Showzeiten-Vorwurf

Die Spitze war im Q1 sogar vier Sekunden weg. Kovalainen schüttelte den Kopf: "In Barcelona war ich auf Force India-Niveau, und jetzt fehlen mir zwei Sekunden. Da kann doch etwas nicht stimmen." Mike Gascoyne beruhigte ihn: "Die Physik kann man nicht betrügen. Was unser Auto in Barcelona konnte, muss anderswo auch gehen." Zweifler unterstellten Lotus schnell Showzeiten bei den Testfahrten. Gascoyne winkt ab: "Völliger Blödsinn. Wir sind am letzten Tag eine Rennsimulation gefahren. Wozu sollten wir uns da selbst anlügen?"

Erst die Analyse aller Daten brachte die Lösung. Der Lotus T128 wollte im kalten Melbourne keine Reifentemperaturen produzieren. "Wir liegen mit dem harten Reifen zwölf Grad und dem weichen 20 Grad unter dem Mittel aller Autos im Feld", verglich Gascoyne, nachdem er von Pirelli die Durchschnittswerte des Samstagstrainings erhalten hatte.

Lotus ist zu nett zu den Reifen

Irgendwie hatte sich dieses Problem schon beim Test in Barcelona angekündigt. Das Auto ist zu nett zu den Reifen. "Auf eine Runde sahen wir dort schon schlechter aus als über eine längere Distanz", blickt Gascoyne zurück. Auch da hinkten die Lotus dem Feld in Bezug auf die Reifentemperaturen hinterher. Mit der harten Mischung um bis zu zehn Grad. "Nur mit den Supersoft-Reifen waren wir auf dem Niveau der anderen", verrät der Technikchef und grübelt: "Komisch, dass wir in Melbourne eher mit der weicheren Mischung Probleme hatten."

Melbourne ist nicht Barcelona. Es fehlen die schnellen Kurven. Und damit die Gelegenheit, dass sich der Reifen durch Walken erhitzt. Gascoyne fürchtet: "Wir haben zu Beginn der Testphase viel Zeit durch technische Probleme verloren. Deshalb fehlt uns noch Erfahrung, unser Auto so auf die Reifen abzustimmen, dass es Reifentemperaturen generiert."

Lotus-Rückstand im Rennen geringer

In Melbourne wurde deshalb viel experimentiert. Mit stärkerem Vorheizen der Reifen, mit geringerem Luftdruck, mit aggressiveren Fahrwerksdaten. Lotus durchlitt im Training in kleinem Maßstab das gleiche Problem wie Ferrari. Der Reifen war erst nach gehörigem Anlauf einigermaßen warm. Da baute er aber vom Gripverhalten bereits wieder ab. Kovalainen fuhr seine schnellste Trainingsrunde im vierten Umlauf. Jarno Trulli kam erst in seiner sechsten fliegenden Runde unter die 1.30er Marke.

Am Renntag sah es etwas besser aus. Der Rückstand in der schnellste Rennrunde auf die Force India schrumpfte auf eine Sekunde. Immer noch zuviel, wie Gascoyne meint: "In Malaysia werden wir sehen, wie gut unser Auto wirklich ist. Da sollten die Reifentemperaturen kein Problem sein. Die Asphalttemperatur liegt immer bei 40 Grad, und die schnellen Kurven strapazieren den Reifen. Vielleicht wird dort unsere Schwäche eine Stärke. Im Rennen könnte unser geringer Reifenverschleiß ein Vorteil sein."

Lotus-Teamchef Fernandes zeigt sich zuversichtlich

Teamchef Tony Fernandes setzt seine Truppe nicht unter Druck. Am Ende der Technischen Besprechnung sprach der Mann mit dem großen Herz für den Rennsport vor versammelter Mannschaft das Wort zum Sonntag: "Leute, ich bin stolz auf euch. Wir haben den ersten Schritt getan. Das Auto ist ein Fortschritt zum Vorjahr. Das Budget ist gesichert, alle Gerichtsstreitigkeiten sind unter Kontrolle. Ich bin sicher, dass wir bis zum Ende der Saison unser Ziel erreicht haben werden."

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