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Formel 1-Technik

Der große Auspuffkrieg - Teil 2

McLaren Auspuff Jerez Test 2012 Foto: xpb 22 Bilder

Wenn immer ein Auto in Jerez die Boxengasse verlässt, zielen alle Blicke auf den Auspuff. Wo kommt er raus, wo zielt er hin? Die interessantesten Lösungen liefern derzeit Ferrari und McLaren. Doch da ist das letzte Wort nicht gesprochen. Bei Red Bull, Toro Rosso und Sauber wird noch diese Woche nachgelegt.

07.02.2012 Michael Schmidt

Eigentlich wollte die FIA den Einfluss des Auspuffs auf die Aerodynamik stark reduzieren. Doch die Ingenieure lassen sich keine Fesseln anlegen. "Was sie einmal erfunden haben, vergessen sie nicht einfach so wieder", lächelt McLaren-Chef Martin Whitmarsh. Er schätzt, dass der Beitrag des Auspuffs um 75 bis 80 Prozent zurückgefahren wird. Doch um noch 20 bis 25 Prozent zu retten, ist viel Arbeit nötig.

Auspufflösungen der Teams noch verbesserungswürdig

Die meisten Teams beginnen mit einer Hausfrauenlösung. Die Endrohre münden im hinteren Bereich der Seitenkästen und zielen ins Nirgendwo oder Richtung Motorabdeckung, um dort die anliegende Strömung zu beschleunigen. Doch da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Toro Rosso-Technikchef Giorgio Ascanelli verrät: "Unsere erste Auspufflösung wurde so konzipiert, dass der Motor maximal profitiert. Bei unserer nächsten haben wir auch die Aerodynamik im Blickfeld."

FIA-Rennleiter Charlie Whiting weiß, dass die Ingenieure versuchen werden, sein Reglement so gut wie möglich auszutricksen. "Die neue Regel betrifft nur die letzten zehn Zentimeter der Auspuffendrohre, die in diesem Bereich zwischen zehn und 30 Grad nach oben gerichtet sein müssen. Ich würde jetzt mal sagen, dass alle scharf bei zehn Grad liegen werden." Richtig geraten. Doch interessant ist auch das Umfeld. Die Auspuffmündung darf durch keinerlei Karosserieteile verdeckt werden. Sie muss aus der Draufsicht klar zu sehen sein.

Ferrari spielt mit dem Blickwinkel

Doch was ist eine Draufsicht? Ferrari und McLaren haben sie so interpretiert, dass man nicht unbedingt aus der Vogelperspektive auf die Auspuffmündung schauen muss. Ihre Auspuffendrohre sieht man nur unverhüllt, wenn man von hinten horizontal auf die Mündung schaut. Bei Ferrari ist es gar nicht so leicht zu sehen, wo genau der Auspuff austritt. Von oben sieht man nur Verkleidung. Und kaum hält das Auto vor seiner Box, werfen zwei Mechaniker Aluminiumfolien über die beiden Ausbuchtungen in der Verkleidung.

Nur wer direkt hinter dem Auto steht, sieht, was Ferrari verbergen will. Die Endrohre schließen bündig mit den beiden schlauchförmigen Ausbuchtungen auf der Oberseite der Seitenkästen. Wo sie hinzielen? Vermutlich auf das untere Heckflügelement. Die Frage, wie das möglich ist, wenn die Endrohre laut Reglement leicht nach oben zielen müssen, erklärt ein Ingenieur. Den Auspuffgasen wird bereits innerhalb der Endrohre ein Drall gegeben, dass sie nach unten abfallen, sobald sie den Auspuff verlassen. "Wir hatten viel Korrespondenz mit der FIA", erklärt Chefdesigner Nicolas Tombazis. "Wir sind der Meinung, dass es legal ist, was wir machen."

McLaren-Auspuff illegal?

Auch McLaren hat schon eine innovative Auspufflösung abseits vom Mainstream gezeigt. Die Beule im Seitenkasten, die man bei der Präsentation gesehen hat, ist immer noch da. In sie ist ein vertikaler Schacht eingelassen. Das Endrohr mündet am Anfang des Schachts. Die seitlichen Wände geben die Richtung vor. Hier macht es eher den Eindruck, als würden sie zur Seite Richtung Heckflügelendplatten wegblasen. Ist diese künstliche Kanalisierung der Gase erlaubt? Einige Konkurrenten meinen - hinter vorgehaltener Hand - dass die FIA hier noch einmal für Klarheit sorgen muss.

Caterham hat einen kleinen vertikalen Absatz in die Seitenkästen eingebaut, mit dem das Endrohr bündig abschließt. Drum herum sind vier mächtige Kiemen in die Verkleidung gestannzt. Die Hitze, die der Auspuff entwickelt, ist auch dort oben ein Problem. Erinnern Sie sich, wieviele Unterböden letztes Jahr durchgeschmort sind, als man begann die Endrohre dort zu integrieren. Ferrari musste einen Teil aus der Verkleidung schneiden, der den Auspuff umgibt. Offensichtlich wurde es dort zu heiß. Bei Toro Rosso hat der Auspuffstrahl die Querlenker der Hinterachse weichgekocht. Der vordere obere Lenker liegt wie beim Red Bull in unmittelbarer Nähe der Auspuffmündung.

Toro Rosso und Sauber haben noch was im Köcher

Toro Rosso zeigt noch im Verlauf der Woche eine neue Auspuffvariante. Sauber auch. Dort wird sich dem Auspuff zuliebe die komplette Heckpartie ändern. Aus dem Team heißt es: "Sie werden den hinteren Teil des Autos nicht wiedererkennen."

Das derzeit schnellste Auto im Feld hat ebenfalls noch nicht alle Karten aufgedeckt. Beim Lotus E20 tritt der Auspuff aus einem kleinen Aufsatz am Ende der Seitenkästen. Er zielt auf das Geflügel, das innen aus den hinteren Radträgern wuchert. Technikchef James Allison bleibt im Auspuffkrieg gelassen. "Wir haben bis jetzt eine konservative Lösung, werden aber die Konkurrenz beobachten und auch das, was die FIA dazu sagt. Je nachdem wie viel sie erlaubt, werden wir uns danach richten."

Toro Rosso-Technikchef Giorgio Ascanelli fährt in diesem Punkt einen harten Kurs: "Die FIA sagt in ihrem Reglement und den technischen Direktiven, dass der Auspuff keinen Einfluss auf die Aerodynamik nehmen darf. Das unterstützen wir, und wir halten uns auch dran." Williams-Kollege Mark Gillan stößt ins gleiche Horn: "Die Regeln der FIA sind eigentlich ziemlich klar. Wir versuchen auf der richtigen Seite des Reglements zu sein, wollen es aber soweit wie möglich ausreizen." Das hört sich an, als könnte es zu diesem Thema vor dem Saisonauftakt in Melbourne noch heiße Diskussionen geben.

In unserer Fotogalerie zeigen wir noch einmal die in Jerez gefahrenen Versionen im Überblick.

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