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Formel 1: Technikanalyse

Der Heckflügel-Trick ist im Trend

Formel 1 China GP 2010 Technikanalyse Foto: xpb.cc 14 Bilder

Die große Technikoffensive haben die Teams erst für den Europaauftakt in Barcelona angekündigt. Aber viele Teams zeigten bereits in Shanghai Neuigkeiten an ihren Autos. Der Trend geht hin zum Heckflügel-Trick von McLaren, den nun einige kopieren.

18.04.2010 Michael Schmidt

Obwohl der Formel 1-Tross nun schon seit dem 6. März fern der Heimat tingelt und die Autos seit ihrer Abreise nach Bahrain nicht mehr zurück in der Fabrik waren, wurden Rennen für Rennen technische Modifikationen nachgeschoben. Für den GP China mehr als üblich. Grund dafür ist der Heckflügel-Trick von McLaren, der alle zum Kopieren zwingt. Was Sauber bereits in Melbourne ausprobiert hat, versuchen jetzt auch MercedesGP, Ferrari und Williams. Alle drei brachten nur Vorstufen mit nach China, die später nachgerüstet werden. Nur Mercedes behielt den Plan B am Auto. Ferrari und Williams führten lediglich Experimente durch.

Erste Versuche bei Mercedes GP

Mercedes hatte in Shanghai eine passive Variante im Angebot. Im Heckflügel-Flap war ein kleiner Schlitz versteckt, der ab einer bestimmten Geschwindigkeit die vorne eingeleitete Luft auf der Rückseite entweichen lässt, um so die Strömung zu stören und den Abtrieb zu verringern. Ein Kanal durch das Cockpit ist noch nicht gelegt. "So weit sind wir wahrscheinlich erst in Istanbul", gab Ross Brawn zu.
 
Der Heckflügel-Trick Marke light bringt laut Brawn eine Zehntelsekunde pro Runde. "Ein aktives System, das der Fahrer beeinflussen kann, würde in Shanghai einen Vorteil von vier Zehntelsekunden bedeuten." Nico Rosberg spürte eine Verbesserung, warnte aber den knappen Zeitabstand zur Spitze mit dem neuen Heckflügel zu erklären: "Dazu bringt diese Änderung zu wenig Zeitgewinn."

Ferrari noch im Experimentalstadium

Auch Ferrari testete am Freitag Komponenten des von den Engländern "F-duct" getauften Systems. Zuerst wurde nur ein Heckflügel mit Schlitz getestet, dann einer mit einer Luftzufuhr über die Airbox und schließlich probierten die Roten aus, ob man über einen Kanal vor dem Cockpit Luft wirksam in die Fahrgastzelle leiten kann. Fernando Alonso bestätigte, dass man sich erst im Experimentalstadium befinde: "Die volle Version gibt es erst später. Es hat für uns aber nicht die höchste Priorität."  Ross Bawn warnt: "Alle, die McLaren jetzt kopieren, lernen gerade, wie kompliziert es ist, diese Technik zum Arbeiten zu bringen."

Auch Williams brach den Versuch ab. Die Truppe aus Grove konnte erst am Samstagmorgen testen, weil die nötigen Komponenten spät in Shanghai eingetroffen waren. Rubens Barrichello klagte darüber, dass der auf der Geraden verlorene Abtrieb in der anschließenden Kurve nicht schnell wieder zurückkomme.

Red Bull setzt auf neuen Frontflügel und Modifikationen am Diffusor

Red Bull versuchte Zeit auf konventionellem Weg zu finden. Ein neuer Frontflügel und entsprechende Modifikationen am Diffusor brachten ein bis zwei Zehntel. "Den Heckflügel-Trick nehmen wir uns gesondert vor", verrät Red Bull-Berater Helmut Marko. "Wir wollen das Thema in Ruhe angehen und keine Schnellschüsse an der Rennstrecke abliefern."

Ferrari egalisierte die Fortschritte bei Red Bull mit einem neuen Diffusor und geänderten Leitblechen. Fernando Alonso lobte: "Ohne diese Modifikationen stünde ich in der Startaufstellung nicht auf Platz drei."

Auch Renault hat mit Retuschen am Frontflügel und am Diffusor einen Schritt nach vorne gemacht. Offenbar mehr, als es sich Robert Kubica erträumt hatte: "Ich hätte nie gedacht, dass ich im Training drei Zehntel vor Schumacher und sechs Zehntel vor Sutil liege. Wir haben uns etwas Luft auf die Force India verschafft."

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