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Formel 1-Test Valencia

Testanalyse - Wer ist der Schnellste?

Ferrari F150 Foto: Grüner 83 Bilder

Die ersten drei Testtage der Saison 2011 sind vorbei. Testzeiten sind nicht unbedingt ein Indikator für den Leistungsstand der Autos. Doch wenn man hinter die Kulissen blickt, die Testzeiten in ihrer Entstehung analysiert, dann lassen sich nach Valencia doch ein paar Aussagen machen. auto motor und sport hat alle Teams analysiert.

04.02.2011 Michael Schmidt

Natürlich haben alle nur Funktionstests gemacht. Klar, sind alle meistens mit alten Reifen und viel Sprit herumgerutscht. Und selbstverständlich spielte die Stoppuhr beim ersten Aufeinandertreffen von sieben neuen und vier alten Formel 1-Autos keine große Rolle. So oder ähnlich hat es jedes Team am Abend der drei Arbeitstage vorgebetet. Auch wenn sich keiner mit der Konkurrenz vergleichen lassen will, kommen die Teams mit neuen Autos nicht um einen Vergleich herum. Red Bull fährt in einer eigenen Liga, gefolgt von Renault. Der Rest ballt sich innerhalb einer halben Sekunde zusammen. Lotus muss beim Thema Zuverlässigkeit nachsitzen.

Red Bull - Note: 1

Ein souveräner Auftritt. Das Auto war auf Anhieb schnell, fuhr dem Rest meistens um fünf bis acht Zehntel davon. Erstaunlich für Red Bull ging wenig kaputt. "Wir hatten noch nie einen so guten Testbeginn", urteilte Teamchef Christian Horner. Als man mit einer Auspuffvariante experimentierte, die in den Diffusor bläst, musste der Versuch nach wenigen Runden wegen Hitzeschäden unterbrochen werden. Leider hat das früher so kommunikative Team die Unart aller Weltmeister übernommen. Technisch gibt man sich zugeknöpft. Ob die Fahrer Kers verwendet haben oder nicht, blieb ein Geheimnis. Deshalb muss man fast annehmen, dass der Hybridantrieb meistens abgeschaltet blieb.
 

Renault - Note: 2

Die mutige Lösung mit dem Auspuff, der am Beginn der Seitenkästen mündet, scheint der programmierte Joker zu sein. Selbst als der Testbetrieb an den ersten zwei Tagen bei Renault etwas zäh anlief, kam Robert Kubica fast aus dem Handgelenk auf ordentliche Rundenzeiten, wenn er mal auf der Strecke war. Der Bestwert am letzten Tag unterstreicht, dass Renault mit dem Auspufftrick so falsch nicht liegen kann. Kubica drehte 95 Runden, was ein Beweis ist, dass man die befürchteten Hitzeprobleme im Griff hat. An der Fahrbarkeit des Motors muss noch gearbeitet werden. Der extralange Auspuff beeinträchtigt logischerweise die Motorcharakteristik. Red Bull und Mercedes werden bis zum Saisonbeginn mit einem ähnlichen Prinzip nachrüsten. Renault ist auf jeden Fall ein Geheimtipp.

 
Ferrari - Note: 2

Der Ferrari F150 ist ein braves Rennauto, das alles kann, was man von ihm verlangt. Das Auto ist konstant schnell, aber nicht schnell genug. Immerhin fand man früher als andere Setup-Lösungen, um den Abbau der Reifen hinauszuzögern. Aber zu Großtaten reicht es noch nicht. Im Team schätzt man, dass auf Red Bull eine halbe Sekunde fehlt. Technikchef Aldo Costa macht den Tifosi Hoffnung: "Der gesamte Heckbereich wird bald schon völlig anders aussehen." Trotzdem scheint man wie im Vorjahr einige Innovationen verschlafen zu haben. Man zeigte sich vor allem an den unterschiedlichen Auspufflösungen der Konkurrenz interessiert. Ein Zeichen, dass auf dem Gebiet das Potenzial des Ferrari noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Mercedes - Note: 3

Aus den Silberpfeilen wird man nicht schlau. Die Rundenzeiten sind nur Mittelmaß, doch Fahrer und Ingenieure versprühen Optimismus. Man entschuldigt sich damit, ausschließlich Funktionstests betrieben zu haben. Michael Schumacher hadert noch mit der Charakteristik der Reifen und hofft, dass die sich bis zum Saisonbeginn ändern. Pirelli-Rennleiter Paul Hembery muss ihn enttäuschen: "Viel wird da nicht mehr passieren, höchstens Feintuning. Die Teams und Fahrer kennen jetzt die Reifen, und es liegt an ihnen, sich möglichst gut anzupassen." Das Auto ist wie der Ferrari zu konservativ. Der neue MGPW02 sieht nur im Vergleich zu seinem Vorgänger spektakulär aus. Teamchef Ross Brawn lässt sich dennoch nicht nervös machen: "Wir haben unseren Auspuffjoker noch in der Hinterhand. Andere haben ihn bereits ausgespielt."


Williams - Note: 3

Williams verschwendete zwei Tage mit technischen Defekten und einem Härtetest für die Reifen. Rubens Barrichello fuhr meistens mit 120 Kilogramm Benzin an Bord um den Kurs. Er war deshalb nicht in der Lage, ein Urteil abzugeben. Barrichello schätzt anhand von Sprithochrechnungen, dass dem neuen Williams noch acht Zehntel fehlen. Neuling Pastor Maldonado schaffte am letzten Tag eine passable Zeit. Wenn der Venezolaner 1.14,2 Minuten schafft, dann kann Barrichello tief in die 1.13er Zeiten vorstoßen. Nicht schlecht für ein Auto, dessen Heck so mutig konzipiert wurde, dass die Gegner bereits Zweifel angemeldet haben, ob das funktionieren kann. Auch sein selbst konstruiertes KERS scheint der Rennstall aus Grove nach einem Generatorproblem am ersten Tag in den Griff zu bekommen. Maldonado drehte am Donnerstag 101 Runden.

Sauber - Note: 3

Der neue Sauber C30 hielt sich die ganze Woche beständig im Mittelfeld auf. Dabei ging viel Zeit wegen Ärger mit der Kraftübertragung verloren. Die Zeit von Sergio Perez am letzten Tag zeigt, dass Sauber sich in seinem Umfeld behaupten kann. Zum Überflieger fehlt dem Auto noch die zündende Idee.
 

ToroRosso - Note: 3

Noch ein mutiges Konzept, das offenbar funktioniert. Die ToroRosso landeten zwar immer am Ende des Mittelfeldes, doch die Ingenieure waren zufrieden. Die Aerodynamik funktioniert, und das ist das Wichtigste. Man hätte mit der ungewöhnlichen Form der Seitenkästen auch komplett danebenliegen können. Red Bull-Berater Helmut Marko bilanziert: "ToroRosso musste riskieren. Sonst können sie nie Plätze gutmachen."

Lotus - Note: 5

Hartnäckiger Ärger mit der Servolenkung und ein Engpass mit der Teileversorgung hielten Jarno Trulli und Heikki Kovalainen meistens in der Boxengarage fest. Das Auto macht einen guten Eindruck. Gegen den Panzer vom Vorjahr hat Mike Gascoyne ein zierliches Rennauto mit schönen Detaillösungen hingestellt. Ob Lotus den Anschluss an die etablierten Teams schaffen kann, wird sich erst in Jerez zeigen.

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