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Formel 1-Testfahrten in Valencia

Hohe Zuverlässigkeit - kaum Ausfälle

Formel 1 Testfahrten Valencia Tag 2 Foto: xpb.cc 24 Bilder

Sie fahren und fahren und fahren. Formel 1-Testfahrten sind zu Marathonläufen mutiert. Obwohl sieben brandneue Autos in Valencia ihre Runden drehen, geht praktisch nichts kaputt. Ein Verdienst moderner Simulationswerkzeuge, Prüfstände und einer perfektionierten Qualitätssicherung.

02.02.2010 Michael Schmidt

In Valencia stehen die Räder nicht still. Von zehn Uhr morgens bis 17 Uhr abends wird ohne Unterbrechung gefahren. Wenn die Autos an die Boxen kommen, dann höchstens zum Umbau der Abstimmung. Vor fünf Jahren stoppte alle halben Stunden eine rote Flagge die Probeläufe. Mal platzte ein Motor, mal streikte ein Getriebe, mal flog ein Auto von der Strecke.

Nur wenig Unterbrechungen

Am ersten Testtag nach der langen Winterpause gab es nur eine Unterbrechnung. Rubens Barrichello parkte seinen Williams-Cosworth am Streckenrand, weil die Gaspedalsteuerung nicht funktionierte. "Nach dem Umstieg von Toyota zu Cosworth müssen Motor, Getriebe und Hydraulik noch miteinander sprechen lernen", erklärte Technikchef Sam Michael. "Deshalb verbringen wir die ersten Tage mit der Kalibrierung der Systeme."

Der Cosworth V8 blieb heil. Vier Jahre war der Motorenbauer aus Northampton aus dem Geschäft. Und trotzdem läuft der Achtzylinder, der auf dem 2006er Triebwerk aufbaut, wie geschmiert. Dabei muss er heute die doppelte Laufzeit überstehen. Motorschäden treten praktisch nicht mehr auf. "In der Qualitätssicherung hat man fast kugelsichere Verfahren entwickelt", sagen die Motorentechniker.

Schnellschaltgetriebe laufen wie Uhrwerke

Aber selbst die hochkomplizierten Schnellschaltgetriebe laufen wie die Uhrwerke. Der Defekt, der Toro Rosso den Großteil des ersten Tages in der Garage festhielt, war eine Lappalie. Dabei hat Toro Rosso zum ersten Mal sein Getriebe selbst gebaut. Genauso wie das ganze Auto. Und trotzdem hat Sebastien Buemi am zweiten Tag schon mehr als eine GP-Distanz abgespult. Ein Kompliment an die Truppe von Franz Tost.

Auch die anderen neuen Autos zeigten kaum Macken. Die Fahrzeuge wurden in letzter Minute in die Transporter geschoben, in Valencia aus der Garage gerollt und sie zeigen eine Standfestigkeit, als hätte man über Weihnachten heimlich irgendwo trainiert. Und wenn es wie im Fall Renault am ersten Tag ein Problem mit den Bremsen gibt, dann kann man immer noch fahren und Daten sammeln. Rubens Barrichello und Lewis Hamilton wagten schon am zweiten Tag den ersten Dauerlauf. Vor ein paar Jahren noch undenkbar. "Aber die limitierten Testtage zwingen uns, ein großes Programm in 15 Tage zu packen", sagt Williams-Mann Sam Michael.

Modernste Werkzeuge sorgen für hohe Zuverlässigkeit

Der Grund für die erstaunliche Zuverlässigkeit liegt in den modernen Werkzeugen in der Fabrik. Die ersten Testfahrten finden im Labor statt. Im Windkanal wird die Aerodynamik optimiert. Auf den CFD-Simulationsprogrammen kann man hunderte von aerodynamischen Detaillösungen in kurzer Zeit durchrechnen. "Die Trefferquote liegt bei über 95 Prozent", verrät McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Auch welchen Einfluss die Verlängerung des Radstandes sich auf das Fahrverhalten und die Rundenzeiten hat, wird vorher simuliert. "Wir haben alle denkbaren Radstände probiert und sind zum Ergebnis gekommen, dass der Einfluss gar nicht so groß ist", verrät Sauber-Technikdirektor Willy Rampf. Das Fahrwerk wird auf speziellen Prüfständen durch gerüttelt. Bei Mercedes GP in Brackley steht eine sogenannte Achtstempel-Maschine. Auf Knopfdruck wird der Testträger so durchgeschüttelt, als würde er eine Runde Valencia fahren. Oder Jerez. Oder Barcelona.

Die Perfektion macht Eindruck, doch sie ist auch der größte Feind der Formel 1. Während Testfahrten früher eine Art Kriegsberichterstattung waren mit großen und kleinen Katastrophen, stellt man sich heute am Abend immer nur die eine Frage: Wer fuhr wann mit wieviel Sprit an Bord. Das können die Simulationscomputer in der frühen Testphase noch nicht ausrechnen. Wie schön, dass es wenigstens noch eine Unbekannte gibt.

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