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FOTA kündigt Piratenserie an

Formel 1-Schlacht noch lange nicht beendet

FIA-Logo Foto: dpa 52 Bilder

Wer gehofft hatte, dass der Formel 1-Streit in Silverstone begraben wird, hat sich getäuscht. Der Krieg geht weiter. Die FIA prüft rechtliche Schritte gegen die abtrünnigen FOTA-Teams, und diese zeigen weiter Geschlossenheit.

20.06.2009 Michael Schmidt

Die FOTA-Teams haben die Reißleine gezogen. Sie sagten sich von der Formel 1 los und bekräftigten den Aufbau einer Konkurrenzserie. Daraufhin drohte die FIA mit juristischen Schritten. Manche sagen, dass der Verband damit seinen letzten Trumpf ausgespielt hat. Die Schlacht hat auf jeden Fall eine neue Dimension erreicht. Die Kombattanten sind unversöhnlicher denn je.

Die FIA kauft sich mit der Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten Zeit. Damit kann sich der Streit noch weitere zwei Wochen hinziehen. Sie erwägt auf mehreren Gebieten gegen die Separatisten zu klagen. Gegen Ferrari, Red Bull und Toro Rosso wegen Verletzung bestehender Verträge. Gegen die FOTA als Gemeinschaft, wegen angeblicher Repressalien, die sie Streikbrechern wie Williams und Force India angedroht haben.

Gegen die fünf Hersteller geht Mosley vor, weil die untereinander eine Absprache getroffen haben, dass keiner aus dem FOTA-Camp abspringt. Ferrari, Mercedes, BMW, Renault und Toyota hätten sich dem Vernehmen nach untereinander je 50 Millionen Euro Strafe bezahlen müssen, wenn einer von ihnen auf die FIA-Seite gewechselt hätte. Nach Meinung der FIA-Anwälte verstößt das gegen Europäisches Wettbewerbsrecht.

Formel 1 gehört der Allgemeinheit

Die acht FOTA-Teams schworen sich einmal mehr Treue und erklärten, warum sie den letzten Kompromissvorschlag von Max Mosley abgelehnt haben. "Wir hatten keine Garantien, dass die von Mosley versprochenen Zugeständnisse auch eingehalten werden. Wir mussten es tun als ultimativen Schritt, um die Formel 1 zu retten, wie wir sie alle mögen. Sie gehört nicht der FIA, nicht den Teams. Sie gehört uns allen, vor allem aber den Fans", gab Ross Brawn zu Protokoll. Kollege Martin Whitmarsh von McLaren fügte hinzu: "Es gab keine Stabilität, keine Klarheit mehr. Wir mussten zu einer Entscheidung kommen. Die Formel 1 hat in den letzten Jahren keinen guten Job gemacht. Es ist Zeit für einen Neuanfang. Die Teams sind sich so einig, wie ich sie in den letzten 20 Jahren nicht gesehen habe."

Whitmarsh machte klar, dass die FOTA nicht nur mit ihren acht Mitgliedern plant. Selbstverständlich stünden Williams und Force India die Rückkehr in den Club offen. Aber man will auch neue Teams anlocken. Insbesondere hat man die Neubewerber im Visier, die von der FIA im ersten Anlauf unberücksichtigt blieben. Prodrive, Lola und N.Technology sollen Paris aus Verärgerung über den undurchschaubaren Auswahlprozess bereits abgesagt haben. Das könnte auch ein Grund dafür sein, warum die FIA sich Zeit kauft, um die Meisterschaft doch noch in ihrem Sinne zu retten.

Misstrauensantrag gegen Mosley

Viele im Fahrerlager machen den Erfolg einer Einigung immer noch an der Person Max Mosley fest. Ross Brawn stellte klar: "Die Person Mosley ist nicht Teil unserer Bedingungen." Die Teams wollen, dass ihre Vorschläge Beachtung finden. Mit oder ohne Mosley. Das ist die offizielle Lesart. Trotzdem wird am kommenden Mittwoch (24.6.) im Rahmen der FIA-Weltratsitzung ein Misstrauensantrag gegen den Präsidenten erwartet. Theoretisch könnten zwei Weltratmitglieder den Antrag stellen. Ferrari oder der italienischen Verbandspräsident Luigi Macaluso.

Nach Ausführungen von Red Bull-Teamchef Christian Horner will die FOTA ihren Sparplan fortsetzen. "Wir haben bereits bis zu 25 Prozent unseres Budgets eingespart. Im nächsten Jahr werden unsere Maßnahmen den Spareffekt auf 40 Prozent vergrößern." Brawn gibt zu, dass er als Chef eines Privatteams Bedenken hatte, sich einer von Herstellern geführten Meisterschaft anzuschließen. Er sieht aber gute Ansätze, dass er auch als kleiner Fisch im Teich der Piranhas überleben kann. "Wir haben Rahmenbedingungen geschaffen, dass die Privatteams einerseits überleben können, andererseits die Hersteller nicht vertrieben werden. Wir verdanken den Herstellern sehr viel. Ohne Mercedes gäbe es unser Team nicht."

FOTA betont Zusammenhalt

Brawn stellt jedoch klar, dass auch die FOTA eine unabhängige Behörde braucht, die ein Reglement schreibt und dessen Einhaltung überprüft. "Wir werden eines Tages wieder mit einem Streitfall wie dem des Doppeldiffusors konfrontiert werden. Dafür muss es einen fairen Entscheidungsprozess geben." Nach Meinung von Whitmarsh hat die FOTA in diesem Punkt bereits die erste Bewährungsprobe bestanden. "Es stimmt, dass wir uns wegen des Diffusors in den Haaren gelegen sind. Aber wir haben diesen Streit überlebt und haben akzeptiert, dass jedes Team bei der Auslegung der Regeln in gutem Glauben gehandelt hat."

Für Williams wird die Lage ungemütlich. Geschäftsführer Adam Parr fühlte sich im Reigen seiner FOTA-Kollegen sichtlich unwohl. Er beteuerte sein Bedauern über die Abspaltung, machte aber auch die Entscheidung von Williams für die FIA deutlich: "Wir wollen nicht unsere Verträge mit der FOM brechen, die uns verpflichten, bis 2012 in der Formel 1-Weltmeisterschaft zu fahren. Keiner kann in Zukunft mehr diese Summen ausgeben, die wir in den vergangenen Jahren ausgegeben haben. Deshalb haben wir uns der FIA-Kampagne angeschlossen. Wir sehen sonst keine Chance, zu überleben. Es blieb uns keine andere Wahl."

Lösung muss von Ecclestone kommen

Nach einem Tag voller Kontroversen und weiter verhärteten Positionen fragt man sich, ob beide Parteien noch einmal einen Weg zurück finden können. Der Schlüssel liegt bei Bernie Ecclestone, der fürchten muss, dass sich sein Lebenswerk in einen Scherbenhaufen verwandelt. Vielleicht gibt es doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer. Am Abend nahmen Ecclestone und Flavio Briatore den gleichen Hubschrauber von Silverstone nach London. Briatore war neben Ferrari-Chef Luca di Montezemolo der zweite Rädelsführer der FOTA-Separatistenbewegung.

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