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Fragen zum neuen Quali-System

Was passiert bei einem Abbruch?

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1-Test - Barcelona - 24. Februar 2016 Foto: sutton-images.com 161 Bilder

Das neue Qualifikationsformat wird im Fahrerlager lang und breit diskutiert. Das System soll Konfusion stiften und die Startaufstellung durcheinanderbringen. Doch wird es wirklich spannender? Und wo liegen die Risiken der drei K.O.-Runden mit Zeitlimit?

25.02.2016 Michael Schmidt

Die FIA und Bernie Ecclestone haben die Teams 26 Tage vor Saisonbeginn mit einem neuen Qualifikationsmodus überrascht. Das Prinzip steht. Die Details werden noch diskutiert. Zum Beispiel was bei einem Abbruch passiert. Ob die erste K.O.-Periode im Q1, Q2 und Q3 unterschiedlich lang sein muss. Ob man Nachtanken in den Pause verbieten soll.

Nächste Woche werden in Barcelona noch viele Gespräche zwischen den Teams und FIA-Rennleiter Charlie Whiting über den Feinschliff des Systems laufen. Bis zur Weltrat-Entscheidung am 4. März muss Klarheit herrschen.

Noch steckt die Idee in den Kinderschuhen. Eigentlich ist die Änderung gar nicht so groß, wie sie sich anfühlt. Es ist weiter ein K.O.-System in 3 Segmenten. Nur dass in regelmäßigen Zeitabständen aussortiert wird. In der Hoffnung, dass damit die Fahrer permanent auf der Strecke sind. Und dass es mehr taktische Spielarten gibt. Die Konfusion soll ungewöhnliche Startaufstellungen produzieren.

Wird Qualifying bald zur Routine?

Die Meinungen im Fahrerlager sind geteilt. Die einen glauben, dass es zu bestimmten Zeiten der Qualifikation deutlich hektischer und spannender zugeht. Die andere prophezeien, dass die Teams schnell Strategien dafür ausarbeiten und dass auch die neue Spielart Routine wird. Viel hängt davon ab, wie eng das Feld zusammenliegt und wie sich die Reifen verhalten. Ein FIA-Mann meint: "Es wird auf jeden Fall nicht schlechter als das alte System."

Je geringer die Abstände, umso besser muss das Timing sein, wer wann mit welchen Reifen auf die Strecke geht, dort bleibt oder zum Reifenwechsel abbiegt. Weil man unter Umständen nicht mehr mit einem frischen Reifensatz reagieren kann. Bis man wieder zu einer gezeiteten Runde kommt, fliegen mindestens 2 Fahrer raus. Es wird für die Strategen viel schwieriger zu sein, die Konkurrenz zu beobachten und auszuloten, wer mit welchen Reifen wann die Ziellinie vor der Zeitschranke passiert. In 4 Minuten kann viel passieren.

McLaren Teamchef Eric Boullier sieht darin einen Vorteil für sein Team: "Wir haben in Woking einen voll ausgestatteten Strategie-Raum mit ausgefeilten Computer-Programmen. Die Kommunikation läuft direkt mit dem Kommandostand an der Strecke. Da wissen wir immer, was die besten Optionen sind und behalten den Überblick."

Mercedes-Teammanager Ron Meadows warnt: "Im Normalfall werden die schnellen Fahrer am Anfang von Q1 eine schnelle Runde produzieren und dann in den Boxen abwarten, bis die erste K.O.-Runde vorbei ist. Bislang sind wir etwas später mit der härteren Reifenmischung ins Q1 eingestiegen, dann aber mehrere Runden gefahren. Jetzt werden wir gleich am Anfang rausgehen um uns sicher fürs Weiterkommen qualifizieren. Warum sollen wir danach noch fahren?"

Doch da kommt bereits eine neue Qualität ins Spiel. Es gibt nur 7 Reifensätze für Qualifikation und Rennen. Die Top-Teams wollen so viele weiche Reifen wie möglich für das Q3 und die beste Longrun-Mischung für das Rennen sparen. Diese Praxis könnte Geschichte sein. "Es wird sich keiner trauen, mit der härteren Mischung ins Q1 zu gehen. Das Risiko auf die Nase zu fallen ist zu groß", prophezeit Meadows.

Interessant wird es auf den Rennstrecken, wo der weiche Reifen erst in der zweiten fliegenden Runde maximalen Grip bietet. Oder, wo die schnellste Runde nach einer Abkühlphase dazwischen erst in der dritten Runde kommt. Da stellt sich die Frage, ob man draußen bleibt oder zwischendurch einen neuen Satz abholt. Force India-Technikchef Andy Green fürchtet, dass es am Ende der K.O.-Segmente und im Q3 hektisch wird. "Dort, wo Hundertstel entscheiden, wird der Zufall eine Rolle spielen."

Nachtanken verbieten wäre ein Spannungsbringer

Zwei Maßnahmen könnten die Unsicherheitsfaktoren vergrößern. Je kürzer die erste Ausscheidungsphase, umso größer die Chance einen Fehler zu machen oder nicht die optimale Runde zu erwischen. Das würde die Top-Teams dazu zwingen, auf der Strecke zu bleiben. Manche schlagen vor, in jede Qualifikationsphase mit 6 Minuten zu starten.

Noch besser wäre es nach Meinung von Experten, generell das Nachtanken zu verbieten. Die Teams, die sich berechtigte Hoffnung aufs Q3 machen, müssen dann so viel Benzin in den Tank füllen, dass sie die maximal erwartbare Rundenzahl schaffen. Die Pokerspieler, die vielleicht nur aufs Q2 spekulieren, könnten mit deutlich weniger Sprit in die Qualifikation gehen und mit dem Gewichtsvorteil versuchen, die erste Hürde zu schaffen.

Meadows und Sauber-Kollege Beat Zehnder fürchten, dass gerade im Q1 dichter Verkehr und gelbe Flaggen zu überraschende Hindernissen werden. "22 Autos auf der Strecke, das wird brutal. Da bleiben Behinderungen oder Dreher nicht aus. Ein Mal Gelb, und du musst vom Gas. Wenn es dumm läuft zu einer Zeit, wo du eine schnelle Runde brauchst."

Und dann gibt es auch noch Fragen, die gar nicht geklärt sind. Wie stellt man sicher, dass alle Autos regelkonform sind? Die FIA kann nur Autos zur Waage bitten, die ausgeschieden sind. Zwischendrin einen herauszufischen könnte das Ausscheiden bedeuten.

Was passiert, wenn 2 Minuten vor Ende der K.O.-Runde eine rote Flagge kommt und mehrere Fahrer noch keine gezeitete Runde haben? Wer rückt auf, wer bleibt sitzen? Möglicherweise muss die FIA auf die Maximallänge der K.O.-Runden von 16 Minuten (Q1), 15 (Q2) und 14 (Q3) verzichten und das Spiel bis zum bitteren Ende durchziehen. Das Zeitlimit macht sowieso wenig Sinn. Es verwirrt nur die Zuschauer. Einfacher ist: Es dauert so lang, wie es dauert.

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