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Tribunal tagt am 20. Juni

Müssen bei Mercedes Köpfe rollen?

Ross Brawn & Toto Wolff - F1 2013 Foto: Wilhelm 51 Bilder

Der Reifentest von Mercedes in Barcelona erregt die Gemüter. Im Fahrerlager fordern fast alle eine Bestrafung für den Rennstall. Doch welche Strafe droht Mercedes? Rollen bei einer Verurteilung Köpfe? Und warum hat sich Mercedes überhaupt auf so ein Himmelfahrtskommando eingelassen?

07.06.2013 Michael Schmidt

Der halbgeheime Reifentest von Mercedes vom 15. bis 17. Mai in Barcelona wird immer mysteriöser. Am 20. Juni, zehn Tage vor dem GP England, soll die Verhandlung vor dem Internationalen Sportgericht stattfinden. Auf der Anklagebank sitzt nur Mercedes.

Über Pirellis Fehler in der Angelegenheit kann nicht gerichtet werden, weil die italienische Reifenfirma kein Wettbewerber ist. Pirelli könnte nur von der FIA direkt bestraft werden, sollte der separate Vertrag zwischen dem Verband und dem Ausrüster gebrochen worden sein. Das ist offenbar nicht der Fall.

Pirelli bietet allen Teams Test an

Es wäre zwar die Pflicht von Pirelli gewesen, auch den anderen Teams diese Testmöglichkeit anzubieten und die FIA über die Einzelheiten des Tests zu informieren, aber ganz freizusprechen ist Mercedes deswegen trotzdem nicht. Um auf der sicheren Seite zu bleiben, hätte Mercedes bei Pirelli nachfragen müssen, ob das auch passiert ist.

Mercedes hat offenbar per E-Mail bei Pirelli angefragt, ob die anderen Teams zu einem ähnlichen Test eingeladen worden sind. Das war die Auflage der FIA-Rechtsabteilung, unter der dieser Test genehmigt wurde. Dass Pirelli schweigen würde, hätte den Mercedes-Verantwortlichen allerdings klar sein müssen. Hätte nur ein Konkurrenzteam vorab von dem Test erfahren, wäre er abgeblasen worden. Zehn von elf Teams hätten ihr Veto eingelegt.

Noch am Sonntagabend des GP Monaco versandte Pirelli übrigens eine Einladung an alle Teams, sich für künftige 1.000 Kilometer-Tests zu melden. Plagte die Italiener da schon ein schlechtes Gewissen?

Warum kein Test bei den Freitagstrainings?

Pirelli beruft sich auf eine Notlage. Man habe ein repräsentatives Auto gebraucht, um diverse Reifenspezifikationen zu testen. Laut Pirelli nur 2014er Reifen. Laut einer Aussage von Mercedes in Monte Carlo war Teil des Abkommens, dass unter den vielen Testprodukten eine Spezifikation mit der modifizierten Karkasse der Hinterreifen für 2013 sein würde. Man habe der Anfrage von Pirelli vor allem deshalb zugestimmt, um dem Reifenhersteller bei der Behebung eines Sicherheitsproblems zu helfen.

Toro Rosso brachte eine interessante Frage ins Spiel: Warum bringt Pirelli die 2014 Reifen nicht zu jedem Freitagstraining mit? Und wieso hatte man nicht von Anfang den Plan, die Modifikation an den Hinterreifen beim GP Kanada mit allen Teams zu testen? Artikel 25.1 des Sportgesetzes erlaubt pro Veranstaltung den Test einer neuen Spezifikation.

Red Bull will Punktabzug plus Geldstrafe

Im Fahrerlager von Montreal herrscht eine einhellige Meinung vor. Mercedes gehört bestraft. Der Tenor: "Sie haben das Sportgesetz gebrochen. Darüber gibt es keinen Zweifel." Sauber-Teamchef Monisha Kaltenborn ist Juristin. Der Einwand, Pirelli habe einen Vertrag mit der FIA, der einen solchen Test möglich mache, zieht bei ihr nicht: "Ein Vertrag kann nie ein Gesetz außer Kraft setzen."

Mercedes weiß nicht, was sie bei dem Verfahren erwartet. Es ist das erste Mal, dass das 2010 ins Leben gerufene Schiedsgericht in Aktion tritt. Damit gibt es auch keine Erfahrungswerte. Vom Freispruch bis zu einer Disqualifikation kann alles passieren. Bei einem Freispruch würden vermutlich Red Bull und Ferrari in Berufung gehen. Dann läge der Ball wieder bei der FIA.

An eine Disqualifikation für den GP Monaco glauben nicht einmal die Scharfmacher im Zirkus. Viel wahrscheinlicher sind ein Punktabzug für das Team oder eine hohe Geldstrafe. Das erwartet auch Red Bull-Berater Helmut Marko: "Punktabzug plus Geldstrafe wären angemessen." Ein Friedensangebot lehnt Red Bull ab. Es geht ums Prinzip, heißt es aus dem Weltmeister-Team.

Wer muss bei Mercedes zittern?

Sollte es zu empfindlichen Buße oder dem Aberkennen von WM-Punkten kommen, was eine Minderung der Einnahmen aus Bernie Ecclestones Kasse nach sich zieht, dann könnte sich Mercedes gezwungen sehen ein Bauernopfer zu bringen. In der Szene wird bereits spekuliert: "Welcher Kopf muss dann rollen?"

Ross Brawn, Toto Wolff und alle leitenden Ingenieure haben vorher von dem Test gewusst. Brawn bestätigte in Montreal sogar: "Es war meine Entscheidung diesen Test durchzuführen." Trotz dem Einverständnis der FIA muss allen klar gewesen sein, dass es Ärger geben würde, wenn diese Nummer auffliegt. Vor allem wenn hinterher herauskommt, dass man vor Ort Maßnahmen getroffen hat, den Test zu verschleiern. So fuhren Lewis Hamilton und Nico Rosberg mit neutralen schwarzen Helmen. Die FIA geht in ihrem Fragebogen noch von weißen Helmen aus, was aber falsch ist.

Toto Wolff erklärt: "Wir hatten keine Security und keine Presseleute vor Ort und wollten nicht, dass die Fans die Strecke stürmen." Der Österreicher schiebt nach: "Wenn wir etwas hätten verschleiern wollen, hätten unsere Leute keine Teamkleidung tragen dürfen und wir hätten mit neutralen Trucks anrücken müssen.

Haben sich auch die Fahrer schuldig gemacht?

In einer Branche, in der jeder jedem misstraut, fragt man sich, ob nicht mehr dahintersteckt. War es eine willkommende Gelegenheit, eine bestimmte Person aus dem Mercedes-Management ins Messer laufen zu lassen? Wollte einer absichtlich Mercedes über die Klinge springen lassen? Warum wurden nur Red Bull und Mercedes gefragt? Hat FIA-Präsident Jean Todt eine geheime Agenda und will Pirelli so sehr verärgern, dass die freiwillig ihren Hut nehmen und das Feld für Michelin räumen?

Wenn Mercedes gegen das Sportgesetz nach Auffassung des Gerichts verstoßen haben sollte, dann hätten sich auch die Fahrer eines Vergehens schuldig gemacht. Laut Artikel 2.1 müssen sich alle Teammitglieder dem Sportgesetz unterwerfen. Also auch Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Sie haben aber nichts zu befürchten, weil Red Bull und Ferrari nur gegen das Team protestiert haben.

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