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Freud und Leid bei Ferrari

Räikkönen gibt Team die Schuld

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Österreich - Qualifying - Samstag - 20.6.2015 Foto: xpb 49 Bilder

Sebastian Vettel ist nach dem Ausrutscher in Kanada zurück in seiner gewohnten Quali-Position hinter den beiden Mercedes. Sein Teamkollege erlebte dagegen ein echtes Debakel. Die Schuld suchte Kimi Räikkönen nicht bei sich selbst.

20.06.2015 Andreas Haupt

Das Ferrari-Motorhome verkam am Samstagnachmittag zu einem Komödienstadel. Kimi Räikkönen hielt seine Presserunde nach dem Qualifying zum GP Österreich 2015 ohne Mikrofon ab. Wer den Finnen schon einmal live hat sprechen hören, weiß, wie schwer er ohne Tonverstärkung zu verstehen ist. Wenn man etwas weg von ihm sitzt. Begründung von Seiten Ferraris: das Mikron streikt.

Räikkönen weist alle Schuld von sich

Ein zweites schien man nicht im Motorhome gehabt zu haben. Also stürmten die Journalisten von ihren Plätzen, umschlungen den Iceman und hielten ihm die Aufnahmegeräte unter die Nase. Angesprochen auf seinen enttäuschenden 18. Rang im Abschlusstraining sprach der Weltmeister von 2007: "Es war ein Teamfehler. Sie haben mich zu später herausgeschickt. Und dann den Plan geändert, ohne mir Bescheid zu geben."

Was war passiert? Das Qualifying begann zunächst unter halbfeuchten Bedingungen. Erst nach der Hälfte des ersten Teils wechselten die Piloten von Intermediates auf Slicks. Ferrari noch ein bisschen später. Die Taktik: drei gezeitete Runden mit einer Abkühlphase dazwischen. Bei beiden Piloten.

Räikkönen startete auf den Supersofts in 1:15.411 Minuten. Damit war er um über drei Sekunden langsamer als Sebastian Vettel (1:12.399 Min.). Im nächsten Umlauf folgte die Abkühlrunde. Dann gaben beide Fahrer wieder richtig Gas. Mit dem Ergebnis von 1:12.867 Minuten für Räikkönen und 1:11.184 Minuten für seinen Teamgefährten. Vettel war damit eine Runde weiter, Räikkönen dagegen raus.

Vier Plätze vor für Räikkönen

Doch warum beschwerte sich der Finne dann? Die ursprüngliche Taktik wurde ja durchgezogen, von auslaufender Zeit keine Spur. Vielleicht hätte ihm Ferrari sagen sollen, dass sein schnellster Umlauf nicht für den Aufstieg in Q2 reichen würde, und er weiter am Limit fahren muss. Schließlich kam er noch weit vor Ablauf der Zeit über den Strich. Vielleicht hat ihn Ferrari aber auch informiert. Vielleicht musste jedoch Räikkönen langsam machen, weil er sonst zu sehr auf seine Vordermänner aufgelaufen wäre. Aufklärung? Bislang leider noch keine.

Durch die Strafen für Kvyat, Ricciardo, Alonso und Button rückt Räikkönen in der Startaufstellung um vier Positionen nach vorne. Der Start bietet für ihn die Chance, schnell Plätze gutzumachen, birgt aber auch Gefahren. "Es gibt zwar lange Geraden, dafür aber auch zwei richtig enge Ecken am Anfang. Im Mittelfeld sind die Abstände so gering. Die Chance, irgendetwas zu beschädigen, ist größer, als Plätze zu gewinnen."

Hofft der Finne auf Regen? Zunächst weicht er aus und spricht eine Standardfloskel. "Wir sollten eigentlich einen guten Speed haben." Dann folgt ein Seitenhieb auf seine Mannschaft: "Hoffentlich treffen wir die richtigen Entscheidungen, falls es so kommen sollte."

Vettel hofft auf Rennpace

Im Gegensatz zu Räikkönen erlebte Vettel ein normales Qualifying. Am Ende reichte es zu Rang drei hinter den beiden Mercedes. Der Abstand auf die Pole-Zeit von Lewis Hamilton: 0,355 Sekunden. "Ich dachte, dass wir näher dran sein werden. Aber sie drehen im Qualifying dann immer noch den Motor auf und die Lücke wird größer. Zu Williams und Force India wurde sie stattdessen kleiner", ordnete Vettel ein.

Dass beide Mercedes-Piloten im finalen Run von der Strecke purzelten, beruhigte ihn ein bisschen. "Zumindest wissen wir, dass sie nicht noch hätten schneller fahren können." Im Rennen hofft er auf den guten Ferrari-Speed. "Morgen kann sich das Blatt noch wenden. Von Samstag auf Sonntag machen wir normalerweise noch einen Schritt nach vorne", befindet Vettel.

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