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Das FRIC-Geheimnis

Die legal illegale Technik

Force India - Formel 1 - GP Deutschland - Hockenheim - 16. Juli 2014 Foto: ams 22 Bilder

So etwas bietet nur die Formel 1. Mit FRIC gibt es eine Technologie, die auf dem Papier legal ist, aber keiner setzt sie ein. Obwohl sie alle haben. Das Risiko, sie könnte bei einem Protest für illegal erklärt werden, ist zu groß. Doch was steckt hinter dieser Posse? Wir erklären es Ihnen.

18.07.2014 Michael Schmidt

Offiziell ist FRIC legal. Weil noch keiner die Technik für illegal erklärt hat. Die FIA nicht. Die Sportkommissare nicht. Und noch nicht einmal die Ingenieure finden eine schlüssige Begründung, warum das hydraulisch vernetzte Fahrwerk (FRIC) nicht regelkonform sein sollte.

Es ist Teil der Aufhängung und nicht Teil der Verkleidung. Damit kommt Artikel 3.15, der von den Kritikern immer wieder angeführt wird, gar nicht zur Anwendung. Der verbietet lediglich bewegliche Teile der "Verkleidung", die Einfluss auf die Aerodynamik nehmen.

Trotzdem traute sich in Hockenheim keiner mit FRIC zu fahren. Damit kann auch keiner protestieren. Bis jetzt hat aber auch noch kein Team die Sportkommissare um eine Klarstellung gebeten. Das würde die FIA in der FRIC-Frage aus der Reserve locken. Die Sportkommissare würden sich bei ihrer Entscheidung mit den FIA-Experten absprechen. Und sollten sie das System dann doch als legal einstufen, liegt es an der FIA dagegen Berufung einzulegen, wenn man anderer Meinung wäre

FRIC bringt FIA in die Zwickmühle

So hätten die Teams die FIA zu einer Aussage gezwungen. Die ist dringend nötig, wie ein Mercedes-Ingenieur erklärt: "Wir brauchen Klarheit, um die nächstjährigen Autos zu bauen. Nach dem jetzigen Stand ist die Technik offiziell nicht für illegal erklärt worden."

Ein Kollege von Lotus wirft ein: "Und was passiert, wenn ein Team bei einem der nächsten Rennen mit FRIC fährt? Von außen siehst du nicht, ob das System aktiviert ist oder nicht. Einen Protest kann es aber nur geben, wenn man wüsste, dass ein anderer mit dieser Technik unterwegs ist."

Die FIA hat im Moment kein Interesse, für Klarheit zu sorgen. Sie steckt in einer Zwickmühle. Eigentlich will sie die Technik aus Kostengründen für 2015 verbieten. Das kann sie aber nicht, weil das kritische Datum des 30. Juni überschritten ist. Ab jetzt braucht man Einstimmigkeit, um die Regeln zu ändern. Die wird man im Fall FRIC nicht bekommen. Weder dafür, noch dagegen.

Also muss man das Verbot durch die Hintertür durchsetzen. FIA-Rennleiter Charlie Whiting bot den Teams einen Kuhhandel an: "Ihr dürft mit FRIC bis zum Saisonende fahren, wenn wir eine Regel schreiben, die diese Technik ab 2015 verbietet." Er bekam nicht einmal Einstimmigkeit für diesen logischen Ansatz.

Teams haben zu viel Mitbestimmungsrecht

Der Fehler liegt im System. Die Teams haben zu viel Mitbestimmungsrecht. Sie hätten FRIC schon vor der letzten FIA-Weltratsitzung auf den Index setzen können. Doch bei den Treffen der Strategiegruppe war nur Ferrari für ein Verbot. In der Formel 1-Kommission keiner. Die FIA kann ohne Mehrheitsbeschluss in diesen Gremien nichts aus eigenen Stücken durchsetzen.

Seit die FIA die Vertrauensfrage gestellt hat, bestimmen eigene Interessen den FRIC-Streit. Wer wie Caterham, Marussia oder Williams ein relativ simples System hat, will ein Verbot. Wer wie McLaren eine Technik hat, die nicht funktioniert, auch. Ferrari und Red Bull glauben, dass sie so auf Mercedes Boden gutmachen. Force India ist über ein Verbot auch nicht unglücklich, obwohl man gerade eine verbesserte Version von FRIC entwickelt hatte. "So können wir uns auf wichtigere Dinge konzentrieren, die mehr Rundenzeit bringen."

Für FRIC gab es mit ungeheuer viel Aufwand wenig Gegenwert. Auf schnellen Strecken zwei Zehntel, auf langsamen eine halbe Sekunde. Da aber jeder FRIC in irgendeiner Form an Bord hatte, waren die relativen Zeitabstände viel geringer.

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