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Funk-Ärger bei Mercedes

"Ein Befehl ist ein Befehl"

Rosberg & Hamilton - GP Mexiko 2015 Foto: Wilhelm 57 Bilder

Die ersten 46 Runden lief bei Mercedes alles nach Plan. Dann wurde erst Nico Rosberg zum zweiten Reifenwechsel an die Box geholt, später auch Lewis Hamilton. Zuvor aber gab es heiße Diskussionen am Funk. Worum ging es? Wir klären auf.

02.11.2015 Michael Schmidt

Mercedes fuhr in Mexiko allein auf weiter Flur. Nico Rosberg und Lewis Hamilton hatten in den Runden 26 und 28 ihre ersten Boxenstopps absolviert. Später als alle anderen. Alles deutete auf ein klassisches Einstopprennen hin. Doch plötzlich kam ein Funkspruch an Rosberg: Komm an die Box. "Ich war echt genervt", erzählte der Sieger. "Du kommst aus dem Rhythmus, ein zusätzlicher Stopp ist immer ein Risiko, und alles wird wieder auf Null gestellt. Außerdem würde Lewis am Ende die besseren Reifen haben."

Hamilton hätte sich Befehl nicht widersetzen dürfen

Rosberg fügte sich in sein Schicksal. "Da gibt es nichts zu diskutieren. Die Experten sitzen an der Boxenmauer. Denen muss ich vertrauen, weil sie einen viel besseren Überblick haben." Lewis Hamilton ließ sich nicht so einfach überzeugen. "Darf ich fragen warum?", bellte er seinen Renningenieur Pete Bonnington an, als er von dem zusätzlich Boxenstopp erfuhr. Knappe Antwort: "Aus Sicherheitsgründen. Wir haben zu viel Reifenverschleiß."

Hamilton ignorierte die Order, fuhr eine Runde weiter. Bis der Renningenieur eindringlich am Funk mahnte: "Lewis, this is an instruction." Niki Lauda grinste. "Typisch Lewis. Wollte es erst nicht einsehen. Dann aber haben ihm die Ingenieure eine unmissverständliche Aufforderung gegeben."

Frage an Lauda: Hätte sich Hamilton widersetzen dürfen? "Auf keinen Fall. Ein Befehl ist ein Befehl. Dem muss jeder Fahrer nachkommen. Das zu ignorieren geht heute nicht mehr. Die Technik ist viel zu komplex. Nur die Box weiß, in welchem Zustand die Reifen und die Bremsen sind."

Mercedes geht auf Nummer sicher

Hamilton kam zwar an die Boxen, war aber immer noch nicht überzeugt. Er bat seine Ingenieure, Rosbergs Reifen zu prüfen. Nachsatz: "Meine haben sich noch gut angefühlt." Nach dem Rennen war der Weltmeister schlauer. Die Ingenieure erklärten dem Engländer, warum Mercedes sich auch ohne Safety-Car für einen zweiten Boxenstopp entschied.

Der Grund lag beim ersten Boxenstopp. Da stellten die Techniker fest, dass die Lauffläche der Hinterreifen bis auf 10 Prozent abgefahren war. Das ist schon fast ein kritischer Zustand. Doch musste man nicht davon ausgehen, dass die Mercedes das Rennen trotzdem mit einem Stopp hätten nach Hause fahren können? Wenn die weichen Reifen 26 und 28 Runden halten, müsste man den härteren 45 und 43 Runden zutrauen.

Strategiechef James Vowles bestätigt diese Annahme, entschied sich dennoch dagegen. "Wir hatten so viel Vorsprung, dass uns ein zweiter Stopp nicht wehgetan hat. Da gehst du lieber auf Nummer sicher." Tatsächlich betrug der Abstand zum drittplatzierten Daniil Kvyat zu diesem Zeitpunkt beruhigende 31,6 Sekunden.

Feuergefahr bei Safety-Car-Stopp

Teammanager Ron Meadows nannte noch einen zweiten Grund für einen Stopp unter Renntempo. "Hätten wir gewartet, hätten wir beim Safety-Car gestoppt. Und Lewis hätte hinter Nico warten müssen. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden."

Da schwang auch die Angst mit, dass bei einer langen Wartezeit die Bremsen Feuer fangen würden. Dass Mercedes auch mit einem Reifenwechsel über die Distanz gekommen wäre, zeigte der Reifencheck nach dem zweiten Stopp. Die Hinterreifen von beiden Autos hatten noch 60 Prozent Gummi auf der Lauffläche.

Hamiltons Verdacht, das Team hätte Rosberg schützen wollen, ist unbegründet. Der Weltmeister bekam eine faire Chance, seinen Teamkollegen zu schlagen. Mercedes ließ Hamilton beim ersten Stopp mit Bedacht zwei Runden länger auf der Bahn. "Wir wollten sehen, ob Lewis bei freier Fahrt schneller als Nico hätte fahren können. In der ersten Runde ohne Verkehr war er aber nur genauso schnell wie Rosberg vorher. In der zweiten schon langsamer." Deshalb brachen die Strategen das Experiment ab und holten Hamilton an die Box.

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