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Formel 1: Genialer Heckflügel von McLaren

Das letzte Geheimnis des McLaren-Tricks

McLaren MP4-25 Foto: xpb 22 Bilder

Viel ist in den letzten Wochen über den Wunder-Heckflügel von McLaren geredet worden. auto-motor-und-sport.de enthüllt das letzte Geheimnis der genialen Idee und zeigt, warum McLaren zwei Jahre für die Entwicklung brauchte.

25.03.2010

Schon bei den ersten Testfahrten entdeckten aufmerksame Späher den schmalen Schlitz im Heckflügel-Flap des neuen McLaren-Mercedes MP4-25. Seine Funktion blieb lange unbekannt. Erst nach und nach enthüllte die Konkurrenz das Geheimnis. Bis der ganze Trick entschlüsselt war, hatte die Saison aber längst begonnen.

Formel 1: GP Australien 2010 2:11 Min.

Die Funktion des Schlitzes war der Konkurrenz relativ schnell klar. Durch die lange Finne auf der Airbox wird Fahrwind in das Innere des Flaps geblasen. Das stört die Strömung auf der Rückseite des Flügels, so dass diese sich vorzeitig ablöst und den Abtrieb verringert. Der gewünschte Effekt deutete sich schon bei den Tests an und wurde in Bahrain bestätigt: McLaren war auf der Geraden bis zu acht km/h schneller als die Konkurrenz.

Reglement: Fahrer ist kein Teil des Autos

Doch wie sorgt McLaren dafür, dass die Strömung nicht in schnellen Kurven abreißt, in denen jedes Gramm Abtrieb gebraucht wird? Ein Strömungsabriss in einer Highspeed-Kurve wie Eau Rouge wäre fatal. Das Reglement ist in diesem Punkt rigoros: Jedes Teil am Auto, das sich bewegt und damit die Aerodynamik beeinflusst, ist verboten. Zum Beispiel ein druckbelastetes Ventil, das die Störfunktion nur auf der Geraden freigibt. Einziger Ausweg: Der Fahrer muss die Schleuse öffnen oder schließen. Per Definition ist der Fahrer kein "Teil am Auto".

Die ersten Hinweise kamen schon bei den Testfahrten. Warum trugen die McLaren-Fahrer am linken Bein so große Knieschoner? War es im Cockpit von Lewis Hamilton und Jenson Button plötzlich so eng geworden? Natürlich nicht: Durch eine kleine Hutze auf der Cockpit-Oberseite strömt Luft Richtung Heckflügel. Der Fahrer verschließt mit einer Bewegung des linken Fußes eine rechteckige Öffnung im Luftkanal auf Höhe des Lenkrades. Geht das Knie nach innen, wird die Luft einfach ins Cockpit abgelenkt.

Genialer Trick: Addition der Luftströme

Soweit war das System den meisten Teams in Bahrain bekannt. Das war allerdings nur die halbe Wahrheit. Was viele Experten nicht bedacht haben: Der Luftstrom aus der kleinen Hutze ist gar nicht stark genug, die Strömung am Heckflügel abreißen zu lassen. Die geniale Idee des "F-Schacht" getauften System liegt darin, dass der Luftstrom in einen zweiten Kanal mündet. Dieser Hauptkanal zweigt von der vorderen Airboxöffnung ab und bläst permanent Luft in den Flügel - aber gerade nur so viel, dass die Strömung noch anliegt.
 
Erst die Addition der beiden Luftströme reicht für den gewünschten Effekt aus. Schließt der Pilot mit seinem Knie das System, wird der Luftstrom aus der Airbox ausreichend verstärkt, so dass die Strömung am Heckflügel schließlich abreißt.
 
Von der ersten Idee bis zur Einsatzreife brauchte McLaren knapp zwei Jahre Entwicklungszeit. In CFD-Programmen mussten die richtigen Durchmesser der Kanäle berechnet werden. Noch bei den Tests im Winter experimentierte McLaren mit verschiedenen Lufthutzen-Formen. In Bahrain war es dann endlich einsatzbereit.

In den Tagen vor dem Saisonstart versuchte die Konkurrenz das System durch die FIA verbieten zu lassen. Vergebens: Der Trick ist regelkonform. "In Bahrain kann das drei Zehntel pro Runde bringen", rechnete Red Bull-Designer Adrian Newey grimmig vor. "Das ist so, als hätte McLaren noch KERS an Bord."

Wann kommt die erste Kopie?

Die spannende Frage lautet nun, wie schnell die Konkurrenz den Trick kopieren kann. Laut Reglement ist es eigentlich verboten, nachträglich Löcher ins Chassis zu bohren. Doch Ferrari-Ingenieur Aldo Costa sieht darin kein Hindernis: "Wir haben vorne so viele Serviceluken, dass wir jederzeit eine davon zweckentfremden können. "

Nachdem viele Teams die Entwicklung des Doppeldiffusors in der Vorsaison verschlafen hatten, wurde nun schneller reagiert. In den Designbüros wurden eifrig Luftkanäle gezeichnet. Doch bevor das komplizierte System perfekt funktioniert, sind zahlreiche Testläufe nötig. Das Sauber-Team hat als erster Nachahmer bereits die notwendigen Teile fertig. Am Freitag wollen die Schweizer einen Testlauf in Melbourne wagen. Erst danach wird entschieden, ob das System auch im Rennen zum Einsatz kommt.

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Mehr zum McLaren-Flügel mit technischen Zeichnungen und dem ganzen Funktionsprinzip finden sie in der aktuellen Ausgabe von auto motor und sport, Heft 8/2010, ab dem 25.März am Kiosk.

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