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Wo sind die Löcher im Silberpfeil?

Geheimnis um den Mercedes F-Schacht

Mercedes-Heckflügel - GP Australien - Melbourne - 16. März 2012 Foto: xpb 23 Bilder

Mercedes fährt mit F-Schacht, und die anderen schauen zu. Während FIA-Rennleiter Charlie Whiting bestätigte, dass der F-Schacht generell und dessen Betätigung mit dem DRS-Knopf im speziellen legal ist, rätselt die Konkurrenz, wo Mercedes die Luft in die Flügelelemente einleitet.

16.03.2012 Michael Schmidt

Die F-Schacht-Diskussion ist wieder da. Seit Mercedes den Trick des kontrollierten Strömungsabrisses an Flügelelementen an seinem neuen Auto einsetzt, wird auch in den anderen Technikabteilungen fieberhaft daran gearbeitet. Mercedes hat nach Informationen von auto motor und sport vorne und hinten einen F-Schacht. Und zumindest hinten wird er mit dem DRS-Knopf aktiviert.

Eigentlich ist das Wort F-Schacht irreführend. Denn so wie 2010 darf die Technik nicht mehr funktionieren. Damals führte ein Kanalsystem zum Heckflügel und ins Cockpit, wo der Fahrer eine Schleuse betätigte, um bei Bedarf am Flügel die Strömung abreißen zu lassen. Das brachte bis zu zehn km/h mehr Top-Speed.

Der Einfluss des Fahrers auf die Aerodynamik wurde verboten. Damit glaubte jeder, der F-Schacht wäre beerdigt worden. Mitnichten. Das Prinzip, die Strömung am Flügel durch Ablassen von aufgestauter Luft zu stören, ist weiter erlaubt. Das bestätigte auch FIA-Rennleiter Charlie Whiting: "Der F-Schacht, oder wie auch immer man diese Technik nennen mag, wurde nie verbannt."

Wo strömt die Luft ein?

Mercedes hat den vergessenen Trick wieder ausgegraben. Zuerst in passiver Form am Frontflügel. Dort bestimmt der Staudruck, wann die Luft auf der Rückseite des Flügelelements abgelassen wird. Bei Versuchsfahrten letztes Jahr wurde die Luft über ein Loch in der Nase und Kanäle durch die Frontflügelstelzen in das Hauptblatt eingeleitet. Das ist in diesem Jahr anders gelöst. Hauptsächlich, weil eine neue Regel die Einleitung der Luft durch das Nasenloch erschwert.

Die Luft, die dort einströmt, darf eigentlich nur zur Kühlung des Cockpits verwendet werden. Wer es trickreich anstellt, könnte trotzdem Luft für den Flügel abzweigen. Es geht aber auch einfacher. Bei McLaren vermutet man, dass Mercedes die Luft durch kleine Schächte direkt in die Flügelelemente inhaliert. Bei der Konkurrenz türmen sich schon Berge von Fotos, um herauszufinden, wo sich die Zuleitung befindet.

F-Schacht mit DRS gekoppelt

In diesem Jahr ist am neuen Mercedes AMG W03 der Heckflügel dazugekommen. Mercedes koppelte die F-Schacht-Wirkung mit dem verstellbaren Heckflügel-Flap, kurz DRS genannt. Wenn der Fahrer den DRS-Knopf drückt, gibt der gleiche Verstellmechanismus eine Schleuse in das Flügelelement frei. Auch hier nickte die FIA das Prinzip ab. Whiting: "Es spricht nichts dagegen, mit diesem Verstellmechanismus einen Schacht zu öffnen."

Theoretisch könnte man sowohl den unteren Heckflügel als auch das Hauptblatt dafür benutzen. Eine Verdickung in den Endplatten lässt aber vermuten, dass es sich um das Hauptblatt handelt. Für den Lufteintritt gibt es viele Möglichkeiten. Am wahrscheinlichsten ist es, von den Kühlschlitzen hinter der Airbox etwas Luft abzuzweigen, und diese von dort durch einen Steg in das untere Heckflügelelement und durch die Endplatten nach oben zu führen. Mercedes soll aber auch schon eine Version probiert haben, bei der die Luft direkt oben am Flügel eingesaugt wurde.

F-Schacht-Schlitz muss immer offen sein

Dann wird es kompliziert. Viele waren der Meinung, Schlitze auf der Rückseite der Heckflügelelemente wären verboten, weil das Flügelelement im Profil eine geschlossene Kontur aufweisen muss. Wer jedoch das Flügelement so gestaltet, dass der hauchdünne Schlitz permanent offen ist, erfüllt diesen Tatbestand. Die beiden Kanten des Schlitzes münden in einen blasenförmigen Hohlraum, der nach einer Seite hin offen ist. Die in den Endplatten gestaute Luft wird erst in den Hohlraum geblasen, wenn die Hydraulik den Heckflügel-Flap flachstellt.

Über den Vorteil der Anordnung wird eifrig diskutiert. Die einen behaupten, der F-Schacht- und der DRS-Effekt addieren sich. Andere glauben, dass der eine Nutzen den anderen zum Teil überlagert. Tatsache ist aber: Der Mercedes war in den beiden ersten Trainingssitzungen von Melbourne auf der Geraden um zwölf km/h schneller als der Red Bull.

F-Schacht-Wettrüsten steht bevor

Sauber-Technikchef Matt Morris befürchtet, dass jetzt ein neues F-Schacht Wettrüsten beginnt. "Das geht ins Geld, weil man wieder Leitungen im Auto verlegen und die auch entsprechend abdichten muss." Mercedes genießt da wie einst McLaren 2010 einen Vorteil. Das neue Auto wurde für diesen Trick hin konzipiert. Alle anderen müssen nachrüsten.

In unserer Fotogalerie haben wir aktuelle Bilder aus Melbourne - rätseln Sie mit!

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