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Genug Stimmen für Alternativ-Motor?

FIA droht mit Force Majeure

Renault V8 F1-Motor 2013 Foto: Renault 17 Bilder

Bernie Ecclestone und die FIA gehen auf Stimmenfang. Um den Alternativ-Motor durch die Entscheidungsgremien zu bringen, werden 4 Teams auf ihrer Seite benötigt. Doch möglicherweise kommt es gar nicht zur Abstimmung.

31.10.2015 Michael Schmidt

Die Fronten sind verhärtet. Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt wollen ihren Alternativ-Motor für 6 Millionen Euro durchdrücken. Auch um die Macht der Automobilhersteller zu brechen. Mercedes, Ferrari, Honda und Renault wollen das verhindern. Dieser Zwist beginnt bereits jetzt in einen offenen Krieg auszuarten.

Letzte Woche begründete die FIA ihren Vorstoß damit, dass sich die Hersteller nicht auf eine Höchstgrenze für die Motorenpreise einigen konnten. Zum ersten Mal nannte der sonst eher diplomatische Todt Ross und Reiter. Ferrari habe den Wunsch der FIA nach einer Kostenreduzierung mit seinem Veto-Recht blockiert.

12 Millionen Euro war als Höchspreis vorgeschlagen worden. "Das ist vernünftiger Preis. Da macht kein Motorhersteller Verluste", so Todt. Durch das Veto war klar: Jetzt kommt es zur Konfrontation.

Alternativ-Motor nicht für Hersteller

Doch das war erst der Anfang. Die FIA schreibt den Alternativ-Motor nur für unabhängige Motorenbauer aus. Also Cosworth oder Ilmor. Automobilkonzerne dürfen nicht mitbieten. Wenn Mercedes oder Ferrari plötzlich mit so einem Motor auftauchen, wäre die FIA wieder in den Klauen der Hersteller. Im Ausschluss der Autofirmen von der Ausschreibung liegt allerdings auch ein Schwachpunkt. Die könnten das juristisch anfechten.

Mercedes und Ferrari machen bereits Stimmung. "Wer baut den Motor, wer finanziert ihn? Das klappt nie bis 2017." Da könnten sie sich täuschen. Ilmor hat bereits einen 2,2 Liter V6-Biturbo auf Lager. Er müsste nur von Alkohol auf Benzin umgerüstet werden. Die Entwicklung des Motors hat seinerzeit nur 7 Millionen Euro gekostet. Red Bull könnte den Umbau des Triebwerks aus der Portokasse finanzieren.

Ecclestone und Todt brauchen vier Teams

Ecclestone und Todt können den Motor aber nicht einfach so aus dem Hut zaubern. Die Alternative zum Hybridantrieb muss erst durch alle Gremien. Die schwierigste Hürde ist die Formel 1-Kommission. Sie besteht derzeit aus 24 Mitgliedern. Ecclestone und Todt brauchen 16 Stimmen. Die 8 Veranstalter stehen auf ihrer Seite, genauso Pirelli als Reifenvertreter und Rolex als einer der beiden Sponsor-Repräsentanten. Dazu kommen noch Ecclestone und Todt selbst.

Renault wird als Motor-Vertreter vermutlich genauso dagegen stimmen wie der zweite Sponsor Philip Morris. Der ist zu nah an Ferrari. Damit müssten vier Teams dem Billig-Motor ihr Votum geben. Red Bull und Toro Rosso sind sicher. Auch Manor schlägt sich auf die Seite der Rebellen, was zu Verstimmungen mit Mercedes sorgt.

Force India steht auf der Kippe. Teambesitzer Vijay Mallya weiß, dass ihn Mercedes vertraglich nicht zwingen kann. Aber er weiß auch, dass er dann beim geringsten Zahlungsverzug ohne Triebwerk dasteht.

Der Inder ist ein schlauer Fuchs. Er erinnerte bei der Mexiko-Freitags-Pressekonferenz Mercedes-Teamchef Toto Wolff daran, dass es im großen Bild nicht um den neuen Motor geht, sondern um den zu hohen Preis für die aktuellen Triebwerke. "Wir begrüßen jede Form von Kostenersparnis. Force India hat immer dafür gekämpft. Aber wir wissen noch zu wenig über den Motor, um sagen zu können, ob wir die Initiative unterstützen oder nicht."

"Wir haben mit Mercedes einen fantastischen Partner. Wenn die FIA jetzt sagt, dass der neue Motor nur 6 bis 7 Millionen Euro kosten soll, stellt sie mir einen Fuß in die Tür, damit ich bei meinem Freund Toto um einen Rabatt anfragen kann."

Red Bull sauer auf Sauber

Wolff und Ferrari-Rennleiter Maurizio Arrivabene zeigten zwar Gesprächsbereitschaft in der Kostenfrage, doch Mallya wollte sich darauf nicht einlassen. "Wir hören die gleichen Sprüche seit zwei Jahren. Bis zum heutigen Tag hat die Strategiegruppe nichts beschlossen, was diesen Sport billiger gemacht hätte."

Bei Red Bull regt man sich deshalb auf, dass Sauber stur den Herstellern die Treue hält. "Die müssten das meiste Interesse daran haben, dass die Kosten runtergehen", giftete Teamberater Helmut Marko. Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn erwidert, dass man sehr wohl an einer Kostenreduzierung festhalte, dass der eingeschlagene Weg der falsche ist. "Weil er an der Machbarkeit scheitert. Es wird schwer ein Äquivalent zwischen den beiden Motorentypen zu finden." Dem widerspricht Todt: "In der WEC haben wir ja auch ganz unterschiedliche Motorenkonzepte bei Audi, Toyota und Porsche. Da funktioniert es."

Noch kein Zeitplan für Abstimmung

Bernie Ecclestone und Jean Todt haben bis jetzt noch kein Datum für die nächste Sitzung angesetzt. Mit Bedacht. Man will erst einmal genug Stimmen einsammeln, um den Plan durch die Kommission zu bringen.

Doch die FIA hat offenbar noch eine ganz andere Waffe in der Hinterhand. Aus Teamkreisen hört man, dass Todt wild entschlossen ist, sich im Notfall auf "höhere Gewalt" zu berufen und den Motor ohne Abstimmung im Reglement zu verankern. Wird dann Ferrari nicht wieder sein Veto-Recht geltend machen? "Das Veto-Recht gilt nicht für alle Fragen", erklärte Ecclestone in Austin.

Ein erneutes Veto kann Ferrari laut Todt nicht gegen den Alternativ-Motor anwenden. "Das Veto greift nur, wenn die Interessen von Ferrari direkt betroffen sind." Außerdem müsse Ferrari vorsichtig mit dem Sonderrecht umgehen: "Ein Veto ist wie eine Pistole, die man in der Tasche hat. Man kann sich nicht andauernd ziehen."

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