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Gerhard Berger

"Werke werden verschwinden"

Gerhard Berger Foto: Red Bull 32 Bilder

Gerhard Berger begrüßt die Budgetobergrenze in der Formel 1. Der zehnfache GP-Sieger glaubt, dass die Werke über kurz oder lang verschwinden und der Sport wieder auf das Maß der 80er Jahre zurückgeschraubt wird.

06.05.2009 Michael Schmidt

Gerhard Berger hat seit seinem Rücktritt bei Toro Rosso viel Zeit, die Formel 1-Szene mit Abstand zu betrachten. Der 49-jährige Österreicher hatte seinen Anteil beim B-Team von Red Bull auch deshalb zurückgegeben, weil er die Formel 1 vor einem Umsturz sieht. Das von der FIA vergangene Woche abgesegnete Budgetlimit hält er für den richtigen Weg, "auch wenn ich als Besitzer eines Privatteams immer noch Angst hätte, diese 45 Millionen Euro zu finanzieren."

Scheuklappen im Fahrerlager

Berger sagt der Königsklasse des Motorsports einen radikalen Absturz voraus. "Die Budgetgrenze ist der einzige Weg, sie zu retten. Wenn wir einfach so weitermachen wie bisher, gibt es die Formel 1 bald nicht mehr." Nach Einschätzung des zehnfachen GP-Siegers laufen viele im Formel 1-Fahrerlager mit Scheuklappen durch die Welt. "Die haben immer noch nicht gemerkt, wie sich die Außenwirkung der Formel 1 im letzten Jahr geändert hat. Draußen auf der Straße protestieren die Leute gegen die Geldvernichtung der großen Firmen, und in der Formel 1 wird weiter für Hightech- und Hochpreisprodukte geworben."
 
Berger kann die Automobilhersteller, die sich gegen das Budgetlimit sträuben, nicht verstehen. "Wenn sie es nicht wollen, dann sollen sie Motoren und Getriebe gratis an Privatteams abgeben. Nur so können die Kleinen überleben." So weit wird es aber laut Berger nicht kommen. Die wirtschaftlichen Probleme, mit denen die Automobilhersteller zu kämpfen haben, sind erst der Anfang. Auch eine Firma wie Ferrari wird die Krise bald zu spüren bekommen.

Es gibt bereits erste Anzeichen einer Absatzflaute. "Wartet ab, bis die großen Sponsorverträge auslaufen. Wenn man danach noch für zehn Prozent der Summe einen Sponsordeal bekommt, kann man froh sein", prophezeit Berger. "In einem nächsten Schritt brechen die Einnahmen von Bernie Ecclestone ein. Bernie kann unmöglich die Preise halten, die er heute von Veranstaltern und TV-Anstalten verlangt. Dann werden die Teams nicht mehr 30, sondern nur noch zehn Millionen Dollar aus seiner Kasse bekommen."

Formel 1 mittelfristig ohne Hersteller-Teams?

Die Zweiklassengesellschaft, die der Formel 1 2010 droht, ist zwar kein Idealzustand, sie wird sich nach Meinung Bergers aber nicht lange halten, sollte es überhaupt so weit kommen. "Wenn einer, der nur 45 Millionen im Jahr ausgibt, gleich gut oder besser ist als ein Werksteam mit 300 Millionen, dann wird der Vorstand bald einmal fragen: Warum machen wir es nicht auch mit 45 Millionen."

Der frühere BMW-Sportchef glaubt, dass mittelfristig alle Hersteller verschwinden. "Es wird dann wieder eine Formel 1 wie in den 80er und 90er Jahren. Dann fahren Williams, McLaren und Jordan für 45 Millionen pro Jahr wieder gegeneinander. Die Fans werden wieder über den Sport selbst diskutieren, über tolle Überholmanöver, über die Fahrer, und nicht mehr über Karbonbremsen oder anderen technischen Kram."

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