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Gerhard Berger wird 50

Ein Lausbub feiert 50. Geburtstag

Gerhard Berger Foto: Daniel Reinhard 45 Bilder

Am Donnerstag, den 27. August, wird Gerhard Berger 50 Jahre alt. Der Tiroler blickt auf eine bewegte Karriere im Motorsport zurück. Im Cockpit und außerhalb. Und so ganz weg ist er immer noch nicht. Bei Berger muss man immer mit Überraschungen rechnen.

26.08.2009 Michael Schmidt

Man kann es sich nur schwer vorstellen, dass Gerhard Berger 50 wird. Der ewige Lausbub zählt zu denen, die immer jünger wirken als sie sind. Gerhard Berger war nie Weltmeister, und doch genießt er in der Szene einen exzellenten Ruf. Als Rennfahrer, als Manager und als Kritiker mit scharfer Zunge.

Der Spediteurssohn aus Wörgl kam schon früh mit Fahrzeugen aller Art in Berührung. Motorsport lag da auf der Hand. 1984 tauchte er zum ersten Mal in der Formel 1 auf. Bei ATS als Teamkollege von Manfred Winkelhock. Während der erfahrene Deutsche laufend ausfiel, kam Berger meistens ins Ziel. Beim Debüt in Zeltweg hätte die Karriere ein schnelles Ende nehmen können. Berger stellte sich im Startgetümmel mitten im Feld auf einer Bodenwelle quer. Irgendwie bekam er seinen ATS wieder zurück in die Spur. "Ich weiß bis heute nicht wie", lacht er jetzt noch darüber.

Monza, seinen zweiten Grand Prix, beendete er sogar als Sechster. Berger bekam aber den WM-Punkt nicht, der ihm zustand. Es gab damals die absurde Regel, dass ein Team nur für so viele Fahrer Punkte sammeln konnte, wie es vor der Saison Autos eingeschrieben hatte. ATS hatte 1984 nur ein Auto genannt. Das zweite fuhr praktisch außer Konkurrenz mit. Mit dem schwierigen ATS-Chef Günter Schmid kam Berger als einer der wenigen blendend zurecht. "Der Schmidi, der ist schon in Ordnung", verteidigte der Österreicher seinen Boss.

Halswirbelbruch glücklich überlebt

Im Winter stand erneut die Karriere auf dem Spiel. BMW hatte seinen Schützling bei Arrows empfohlen. Berger brach sich bei einem unverschuldeten Autounfall einen Halswirbel, hatte dabei das unverschämte Glück, dass einer der Zeugen des Unfalls ein Arzt war, der wusste, was zu tun war. Arrows-Teamchef Jackie Oliver wurde eine leichte Verletzung vorgegaukelt, um zu verhindern, dass der einen Ersatz für Berger suchte. Oliver wurde zwar misstrauisch, hielt Berger aber die Treue. Der Österreicher bedankte sich mit drei WM-Punkten dafür.

1986 begann Bergers Stern erstmals zu strahlen. Der Benetton-BMW war genau das richtige Sprungbrett für ein Talent wie ihn. Er stand zwei Mal in der ersten Startreihe, führte Rennen an und gewann schließlich in Mexiko seinen ersten Grand Prix. Damit klopfte er am Tor des Clubs der glorreichen vier Prost-Senna-Piquet-Mansell an, die sich damals mit allen Mitteln bekriegten.

Wechsel zu Ferrari

Enzo Ferrari hatte gut aufgepasst. Er holte Berger für 1987 an Bord. Geschichte wiederholte sich. Auch Niki Lauda war auf diesem Weg in Maranello gelandet. Er hatte den alten Herren mit einer Galavorstellung in Monte Carlo auf dem mittelmäßigen B.R.M. beeindruckt.

Die Saison 1987 hätte besser laufen können, hätte Ferrari sein Auto und seinen Motor früher auf das Niveau der Williams-Honda und McLaren-Porsche gebracht. In den letzten beiden Saisonrennen in Suzuka und Adelaide war Berger eine Klasse für sich. Er gewann das Finale in überlegener Manier und ging als WM-Favorit in die folgende Saison. Es sollte die letzte der Turbo-Ära sein. Ferrari ruhte sich auf seinen Lorbeeren aus, adaptierte den vorhandenen V6-Turbo auf die neue Verbrauchsformel, die nur noch 150 statt 195 Liter für eine Renndistanz erlaubte. Honda baute einen komplett neuen Motor. Und fuhr mit dem neuen Partner McLaren der Konkurrenz auf und davon.

Bergers drittes Jahr bei Ferrari war überschattet von vielen Defekten und einem schweren Unfall. Nach einem Frontflügelbruch crashte Berger in der Tamburello-Kurve von Imola. Es war das letzte Drama, in dem auch Feuer im Spiel war. Berger kam mit ein paar Brandwunden glimpflich davon und saß schon im übernächsten Rennen wieder im Auto. Der Ferrari 640 war ein hervorragendes Rennauto, aber leider zu zerbrechlich. In Estoril belohnte sich Berger für viele Ausfälle mit einem Sieg.

Herausforderung Ayrton Senna bei McLaren

Weil er endlich einmal in einem Auto sitzen wollte, das regelmäßig ins Ziel kommt und weil er mit dem damals führenden Motorhersteller Honda zusammenarbeiten wollte, wechselte er 1990 für drei Jahre zu McLaren. Und nahm die Herausforderung an, mit Ayrton Senna in einem Team zu fahren. Senna zog dem lebenslustigen Tiroler den Zahn. "Er zeigte mir, was man braucht, um Weltmeister zu werden. Ich hatte leider nie Ayrtons Ernsthaftigkeit und seinen Egoismus." Berger intensivierte zwar sein Fitnesstraining, und er brachte nun auch Stunden mit den Ingenieuren zu, doch er kam immer einen Schritt zu spät. Zwischen 1990 und 1992 gewann Berger drei Rennen für McLaren-Honda. Senna siegte im gleichen Zeitraum 16 Mal und wurde zwei Mal Weltmeister. "Ayrton hat mir meine Grenzen aufgezeigt. Ich hatte das nötige Talent, aber mir fehlte die Perfektion", sagt Berger ohne Neid.

Der Gaudibursch lebte in der falschen Zeit. Eine Generation davor hätte es auch für Berger noch zum WM-Titel gereicht. Der letzte Playboy, der noch Weltmeister wurde, war sein Kumpel Nelson Piquet. Wie der Brasilianer hatte auch Berger immer den Kopf voll mit derben Späßen. Viele sind zur Legende geworden. Wie er einmal in Monza Sennas Karbon-Aktenkoffer aus dem Hubschrauber warf, nur um dessen Stoßfestigkeit zu testen. Wie er Alesi einmal um drei Uhr morgens in der Nacht vor dem Grand Prix im Hotelzimmer anrief, um ihm zu sagen, er solle seine Uhr auf Winterzeit umstellen. Und wie er dem armen Jean Alesi das Passbild im Reisepass schwärzte, obwohl er wusste, dass der Franzose am nächsten Tag einen Flug nach Tokio gebucht hatte. Oder wie er Sennas Hotelzimmer bei einem Urlaub im australischen Port Douglas mit zehn Riesenkröten präparieren ließ, was dem Brasilianer einer unruhige Nacht verschaffte. Oder wie er Keke Rosbergs Auto einmal von hinten in eine belebte Kreuzung schob, worauf der Finne ausstieg und auf die Motorhaube von Bergers BMW sprang.

Rückkehr nach Maranello

Die Rückkehr zu Ferrari wurde zum Alptraum. Ferrari kam mit der aktiven Aufhängung nicht klar. Defekte über Defekte, nur ein dritter Platz in einer Pleitesaison von A bis Z. Dass Berger das Jahr überlebte, war sein größter Erfolg. Der lange Österreicher hatte eine unvergleichliche Unfallserie. Er war der Dummy für Computerblackouts, streikende Fahrwerksaktuatoren oder Lecks in der Hydraulik. Der abenteuerlichste Unfall passierte ihm beim GP Portugal 1993. In der Boxenausfahrt setzte sein Ferrari auf einer Bodenwelle auf, weil die Bodenfreiheit falsch programmiert worden war. Berger bog rechtwinkelig nach links in den laufenden Verkehr ab und pfeilte sich zielsicher zwischen den mit 300 km/h heranbrausenden Sauber von JJ Lehto und dem Arrows von Derek Warwick hindurch. Hätte man die Nummer geplant, sie wäre fürchterlich schief gegangen.

1994 ging es mit Ferrari langsam bergauf. Das System Jean Todt zeigte Wirkung. Berger erlöste die Scuderia in Hockenheim mit einem Sieg von einer fast vier Jahre dauernden sieglosen Zeit. Er wurde wie 1988 WM-Dritter. Im Jahr darauf startete Ferrari gut in die Saison, doch irgendwie war es für Gerhard eine Saison aus Pleiten, Pech und Pannen. In Monza verlor er einen möglichen Sieg nach einem kuriosen Zwischenfall. Der vor ihm fahrende Ferrari-Teamkollege Jean Alesi verlor seine TV-Kamera. Das drei Kilogramm schwere Teil traf Bergers Ferrari bei 330 km/h an der linken Vorderradaufhängung. Die Querlenker wurde durchschlagen wie mit einem Beil. Berger kam wie immer ungeschoren davon.

Platztausch mit Michael Schumacher

Als Michael Schumacher zu Ferrari gelotst wurde, nahm Berger den Platz des Deutschen bei Benetton ein. Sein Lieblings-Teamkollege Jean Alesi zog gleich mit um. Beide wunderten sich, "wie man mit so einem Auto Weltmeister werden konnte". Der Benetton passte weder zu Bergers noch zu Alesis Fahrstil, und die waren schon grundverschieden. Bis sich Auto und Fahrer angefreundet hatten, war die halbe Saison vorbei. In Hockenheim raubte ihm ein Motorschaden den sicher geglaubten Sieg.

1997 wollte es der damals dienstälteste Pilot noch einmal wissen. Nach einem starken Saisonbeginn mit Platz zwei in Brasilien bekam Berger Probleme mit der Gesundheit. Eine lästige Kieferhöhlenentzündung zwang ihn zu drei Rennen Pause. In der Zeit starb auch sein Vater. Er war mit seiner Privatmaschine im Nebel gegen einen Berg geprallt. Viele hatten Berger bereits abgeschrieben, auch Teamchef Flavio Briatore, da feierte der Totgesagte in Hockenheim ein unglaubliches Comeback. Pole Position, schnellste Rennrunde, Sieg.

In der letzten Phase der Saison 1997 kamen dem Lebemann aus der Alpenrepublik immer mehr Zweifel. Er hatte in all den Jahren immer gut verdient, besser als viele Weltmeister. Er war immer wieder mit einem blauen Auge davon gekommen. Er wurde nicht jünger. Die Angst vor einem Unfall mit ernsthaften Folgen fuhr mit. "Ich will mir nicht vorwerfen müssen, im Rollstuhl zu landen, nur weil ich den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst habe", sagt er einmal kurz vor seiner Rücktrittserklärung. In Jerez, jedem denkwürdigen Finale mit der Kollision zwischen Schumacher und Villeneuve, fuhr Gerhard Berger sein letztes Rennen. Er beendete es auf Platz vier, nur 1,919 Sekunden hinter dem Sieger. Als er eine Stunde nach dem Fallen des Vorhangs mit einem Bier im Benetton-Motorhome stand, merkte man ihm die Erleichterung an. Alles in ihm sagte: Ich habe überlebt.

Berger erkennt Vettels Talent

Zwei Jahre nach seiner aktiven Karriere meldete sich Berger zurück. Als Rennleiter von BMW. Er fädelte den Deal mit Williams ein, er manövrierte die in der Formel 1 unbedarften Bayern durch den Piranhateich Formel 1. Und er schlug dem Vorstand in München vor, Sauber zu kaufen, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Der Vorstand lehnte ab, Berger ging. Zwei Jahre später griffen die Münchener dann doch die alte Idee ihres Ex-Rennleiters auf.

Da war Berger schon fast wieder bei seiner nächsten Station. Er kaufte sich mit 50 Prozent bei Toro Rosso ein und baute zusammen mit Teamchef Franz Tost das B-Team von Red Bull zu einer ernst zu nehmenden Größe im GP-Sport auf. 2008 war Toro Rosso besser als der große Bruder. Den ersten Sieg für das Energydrink-Imperium lieferten Berger und Tost bei Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz ab. Sebastian Vettel gewann in Monza. Auch Vettels Transfer von BMW zu Toro Rosso mitten in der Saison 2007 war auf dem Mist von Berger und Tost gewachsen. Berger hatte schnell das Potenzial des jungen Deutschen erkannt.

Ende 2008 trennten sich die Wege. Mission erfüllt. Berger hätte in Zukunft eigenes Geld in die Partie mit einbringen müssen. "Das hatte ich nicht in der Größenordnung. Ich bin Privatmann, habe nicht wie Didi eine Firma im Hintergrund." Zur Zeit ist Berger Privatmann, tut das, was ihm Spaß macht, kümmert sich um die Familie mit Frau Ana und den Kindern Sarah und Heidi. Rückkehr in dem GP-Zirkus nicht ausgeschlossen. "Wenn die richtige Aufgabe kommt, bin ich wieder dabei." Experten glauben: Das wird schon bald der Fall sein.

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