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Gerüchte um Alonso-Wechsel

McLaren, Red Bull, Mercedes oder Lotus?

Alonso - Collage - 2014 Foto: ams 94 Bilder

Fernando Alonso steht im Mittelpunkt von Spekulationen. Die einen schreiben ihn im Austausch mit Sebastian Vettel zu Red Bull, die anderen als Nachfolger von Lewis Hamilton zu Mercedes. Auch McLaren-Honda und Lotus-Mercedes sind im Angebot. Doch keine ist eine echte Alternative zu Ferrari.

09/24/2014 Michael Schmidt

Es ist Saure-Gurken-Zeit auf dem Transfermarkt. Die großen Fahrerwechsel sind bis jetzt ausgeblieben. Was nicht heißen muss, dass nichts passiert. Seit dem GP Singapur geht es rund. Ein altes Thema kocht wieder hoch. Heißer denn je. Im Mittelpunkt der Gerüchte steht Fernando Alonso. Bleibt er bei Ferrari, oder geht er? Und wenn ja, wohin?

Die Gazzetta dello Sport gießt mit einer Meldung Öl ins Feuer. Alonso habe Ferrari bereits mitgeteilt, dass er das Team verlassen möchte. In Maranello heißt es dazu nur: Alonso ist ein Ferrari-Fahrer. Und er hat einen Vertrag bis 2016. Man geht davon aus, dass der Spanier diesen erfüllt. Ausstiegsklauseln gebe es nicht.

Trotzdem muss man Nachrichten der Gazzetta dello Sport ernst nehmen. Das Mailänder Blatt ist bei Ferrari gut vernetzt. Alonso ist sichtbar frustriert. Er fährt seine fünfte Saison bei Ferrari, und er fährt dem WM-Titel immer noch hinterher. Er hat mit Rennleiter Stefano Domenicali und Präsident Luca di Montezemolo zwei seiner treuesten Verbündeten verloren.

Offenbar haben ihm die neuen Chefs Sergio Marchionne und Marco Mattiacci den Langzeitplan über die nächsten fünf Jahre präsentiert. Daraus liest Alonso, dass er vielleicht auch noch 2015 warten muss, bis alle Maßnahmen greifen. Doch dem Weltmeister von 2005 und 2006 läuft die Zeit davon. Viele gute Jahre bleiben ihm nicht mehr. Da wäre eine Torschlusspanik durchaus verständlich.

Vier Länder, vier Destinationen

Doch wo soll Alonso hin? Darüber machen sich die Gelehrten der Formel 1 seit einer Woche Gedanken. Alle Spekulationen haben eines gemeinsam: Alonso fährt 2015 in einem anderen Team. Je nach Land ist die Destination eine andere.

Italienische Medien glauben, dass Fernando Alonso und Sebastian Vettel die Plätze tauschen. Also Red Bull. Spanien sieht Alonso als Nachfolger von Lewis Hamilton bei Mercedes. In England heißt das Ziel McLaren-Honda. Und Deutschland steuert die vierte Variante bei. Eine Flucht zusammen mit Flavio Briatore zu Lotus. Wegen der Mercedes-Motoren.

Was steckt hinter Alonsos Reiseplänen? Ist da nur Rauch oder auch Feuer? Wir haben die Möglichkeiten abgecheckt:

Der Fall Red Bull: Alonso erwiderte in Singapur matt auf die Berichte: "Diese Gerüchte helfen Ferrari nicht. Komisch, dass sie immer aus Italien kommen." Vettel erteilte der Geschichte ebenfalls sofort eine Absage: "Ich habe einen Vertrag bei Red Bull. Und ein spezielles Verhältnis zu dieser Firma. Sie unterstützen mich, seitdem ich 12 bin."

Auch 2016 führt kein Weg nach Milton Keynes. Vettels Vertrag läuft zwar aus, doch wenn sich der vierfache Weltmeister in eine andere Richtung orientiert, dann wird Red Bull einen seiner Junioren Daniil Kvyat oder Max Verstappen befördern. Das Beispiel Daniel Ricciardo macht Mut. Warum sich für viel Geld einen Alonso kaufen, der dann die Ruhe im Team stört?

Der Fall Mercedes: Hier ist der Stand wie bei Red Bull. Man respektiert Alonso als Fahrer, hat aber Angst vor seinen Launen. Da ist Lewis Hamilton das geringere Übel. Mercedes versucht gerade den Engländer für zwei weitere Jahre nach 2015 an sich zu ketten. Die Option kann Alonso abschreiben.

Der Fall McLaren-Honda: Eine Konstellation mit vielen Unbekannten. Für McLaren spricht der gute Ruf von Honda als Motorenbauer. Die Erfahrung des Teams. Und die Rückkehr von Chefaerodynamiker Peter Prodromou. Dagegen spricht die eine Saison Motor-Rückstand, die Honda erst einmal aufholen muss.

Weitere Gegenargumente: Die letzten beiden Jahre, in denen es McLaren nicht gelungen ist, ein konkurrenzfähiges Auto zu bauen. Das belastete Verhältnis zwischen Alonso und McLaren-Chef Ron Dennis. Und die Turbulenzen um die Anteile des Teams.

Ron Dennis hatte sich im Januar mit einem Coup an die Spitze zurückgeputscht. Er kaufte die Anteile von Mansour Ojjeh und der Bahrain Mumtalakat Holding, die zusammen 60 Prozent gehalten haben. Dennis muss die Anteile aber erst bezahlen, bis sie endgültig ihm gehören. Dazu hat er angeblich nur noch bis Ende Oktober Zeit.

Im Augenblick ist kein Investor in Sicht. Auch kein Hauptsponsor. Die zwei Kandidaten dafür, Sony Playstation und Johnnie Walker, sind vorläufig abgesprungen. Wird das Zahlungsziel verfehlt, könnte Dennis wieder aus dem Rennen sein. Und wer kommt dann? Angeblich favorisiert Ojjeh den alten Teamchef Martin Whitmarsh. Die Bahrainis wollen einen neuen Mann. Also viele Unbekannte für Alonso.

Der Fall Lotus: Flavio Briatore wollte den kanadischen Milliardär Lawrence Stroll als Investor und seinen alten Kumpel Alonso als Fahrer zu seinem alten Team lotsen und im Idealfall gleich noch den Teamchef spielen. Am besten mit Santander-Geld. Teamchef Gerard Lopez und Alonso verstehen sich gut. Lotus wird 2015 mit Mercedes-Motoren fahren. Macht alles Sinn, hat nur für 2015 und vielleicht auch das Jahr danach einige Haken.

Stroll wollte ein Team am Stück kaufen, und nicht in Stücken. Lopez würde sich aber nur von einem Teil trennen. Und schon gar nicht Briatore als Teamchef einstellen. Der Luxemburger Geschäftsmann hält ganz gerne die Fäden selbst in der Hand. Sein offizieller Kommentar zu Alonso: "Ich habe davon gestern zum ersten Mal im Internet gelesen."

Lotus hat mit Romain Grosjean und Pastor Maldonado zwei Fahrer, die über ihre Sponsoren Total und PDVSA in Summe rund 70 Millionen Euro einspielen. Alonso würde Geld kosten. Wenn Santander mit ihm käme, bliebe für das Team nicht mehr viel übrig. Nach dem Tod von Santander-Chef Emilio Botin ist noch gar nicht sicher, ob Alonso die Bank-Millionen einfach so von einem anderen Team mitnehmen kann.

Lotus bekommt 2015 Mercedes-Motoren, doch das Konstruktionsbüro hat viele gute Leute verloren. Das weiß keiner besser als Alonso. Ferrari hat sich mit James Allison und Dirk de Beer die Stars aus dem Konstruktionsbüro in Enstone abgegriffen. Andere sind zu Mercedes, Red Bull und McLaren gegangen.

Der Lotus E22 ist kein Siegerauto, auch wenn er darunter leidet, dass sich alle Renault-Probleme auf dieses Auto konzentrieren. Ein Zuschlag für Lotus wäre für Alonso mit großen Risiken verbunden. Zumindest für 2015. Da muss die Truppe in Enstone beweisen, dass das schlechte Abschneiden in dieser Saison wirklich nur am Renault-Motor lag.

Alle Wege verbaut für Alonso

Alonso steckt in der Zwickmühle. Red Bull und Mercedes kommen unter normalen Umständen nicht in Frage. McLaren und Lotus bergen große Fragezeichen. Wenn er dorthin geht, muss er sich auf mindestens zwei Jahre festlegen. Ein Zurück gibt es dann nicht mehr.

Wartet er ein Jahr ab, ist das Potenzial der Optionen besser abzuschätzen. Dann weiß man auch, wohin die Wege von Vettel und Hamilton führen und ob bei deren Teams nicht doch ein Platz frei werden könnte.

Ferrari wird im nächsten Jahr zeigen müssen, wohin die Renovierung führt. Alonso sieht dann am besten, ob sich Warten bis zum Vertragsende lohnt. Würde er jetzt davonlaufen und sich dem nächstbesten Team an den Hals werfen, wäre das nicht gut für sein Image. Andere Teams würden sich die Frage stellen, ob es ihnen vielleicht genauso geht, wenn es nicht läuft. Deshalb macht eine Fortsetzung von Alonsos Karriere bei Ferrari am meisten Sinn.

Was meinen Sie? Wo soll Alonso im nächsten Jahr fahren: Bei Ferrari, Red Bull, Mercedes, McLaren oder Lotus? Schreiben Sie uns!

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