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Vorschau GP Aserbaidschan 2016

Der schnellste Stadtkurs aller Zeiten

GP Aserbaidschan - Baku - Formel 1 - 2016 Foto: sutton-images.com 23 Bilder

Mit dem GP Aserbaidschan betritt die Formel 1 Neuland. Der erste Grand Prix am kaspischen Meer stellt Fahrer und Ingenieure vor einige Herausforderungen. In unserer Vorschau sagen wir, wer die besten Karten für die Baku-Premiere hat.

15.06.2016 Tobias Grüner 1 Kommentar

Die Formel 1-Osterweiterung geht weiter. Nach Russland kommt nun auch Aserbaidschan auf die F1-Landkarte. Dass der Veranstalter offiziell vom GP Europa spricht, wollen wir hier zwar kurz erwähnen, aber nicht weiter beachten. Der 9,5 Millionen Einwohner Staat, der vor allem durch Öl und Gas zu Reichtum kam, ist geografisch eindeutig in Vorderasien zu verorten.

Normalerweise stellt es für Ingenieure keine große Aufgabe dar, wenn eine neue Rennstrecke auf dem Plan steht. Dank moderner Simulationstechnik sind die Autos virtuell schon unzählige Runden gefahren, bevor die erste Transportkiste vor Ort ausgepackt ist. Doch Baku lässt sich nicht so einfach mit dem Computer berechnen. Das ungewöhnliche Layout dürfte einige Überraschungen parat halten.

Baku City Circuit - Aserbaidschan - GP3 - Onboard - Screenshot
Die erste Onboard-Runde in Baku 3:38 Min.

Eine Frage lautet zum Beispiel, wie viel Grip der frisch verlegte Asphalt bietet. Auch die langen Geraden machen den Motorenspezialisten Sorgen – mehr noch als in Monza oder Spa. Wir erwarten deshalb viel Betrieb im Freien Training. Nicht nur weil die Fahrer die Strecke lernen müssen, sondern weil die Ingenieure Daten sammeln wollen.

Auch das Wetter dürfte eine wichtige Rolle spielen. Nach letzten Prognosen soll das Thermometer am Rennsonntag bis auf 33°C klettern. Solch heiße Bedingungen hatten wir in diesem Jahr noch gar nicht. Die Frage lautet, wer seine Reifen in der Hitze am besten in Schuss hält und wer die Karosserie zur Kühlung am wenigsten öffnen muss.

Die Strecke: Baku City Circuit

Der Baku City Circuit ist mit einer Länge von 6,003 Kilometern die zweitlängste Strecke im Kalender. Nur Spa-Francorchamps hat noch einen Kilometer mehr zu bieten. Vom Layout her könnte Aserbaidschan abwechslungsreicher nicht sein. Die Gerade vor Kurve 1 ist mit 1.975 Metern die längste des Jahres. Dazu gibt es einen winkligen Abschnitt durch die Altstadt von Baku. Hier ist das Asphaltband zum Teil nur 7,5 Meter breit. Auch das ist ein Rekord.

Der Stadtkurs in der 2-Millionen-Metropole Baku liegt 28 Meter unter dem Meeresspiegel – so tief war die Formel 1 in den 942 Grands Prix zuvor noch nie unterwegs. Wer nun denkt, dass es an der Küste des kaspischen Meeres nur flach daher geht, der irrt. Die größte Steigung beträgt 12 Prozent. Runter geht es mit bis zu 9 Prozent.

Die 20 Kurven werden gegen den Uhrzeigersinn durchfahren. Wie bei Stadtkursen üblich sind Auslaufzonen Mangelware. Mauern und Fangzäune stehen stets nahe der Ideallinie. Bei errechneten Top-Speeds von über 350 km/h keine ungefährliche Angelegenheit. Baku ist der schnellste Stadtkurs aller Zeiten. Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer sollte den Motor schon mal warmlaufen lassen.

GP Aserbaidschan - Baku - Formel 1 - 2016Foto: sutton-images.com

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 6,003 km
  • Runden: 51
  • Länge Boxengasse: 295 Meter
  • Zeitverlust: ca. 22 Sekunden
  • Längste Gerade: 1.975 Meter (T16 – T1)
  • Top-Speed: ca. 350 km/h
  • DRS-Zonen: 2 (vor T1 und T3)
  • Distanz von Pole Position bis T1: 202 Meter
  • Spritverbrauch: hoch
  • Bremsenverschleiß: mittel
  • Reifen: Medium / Soft / Supersoft

Setup:

Beim Setup stochern alle Teams ein wenig im Dunkeln. Wegen der langen Geraden planen einige Ingenieure den Einsatz von Monza-ähnlichen Heckflügeln. Offenbar gewinnt man mit wenig Luftwiderstand auf den Geraden mehr, als man im kurvigen Abschnitt durch den zu geringen Abtrieb wieder verliert. Vorne dürfen die Flügel aber nicht zu flach gestellt werden. Bei den eckigen Kurven droht Untersteuern, wenn der Grip beim Einlenken nicht vorhanden ist.

Generell müssen sich die Piloten auf eine geringe Haftung einstellen. Der Asphalt wurde erst wenige Wochen vor dem Grand Prix neu verlegt. In den Zwischenräumen hängt überall noch Staub und Dreck von den Bauarbeiten. Wie bei neuen Strecken üblich könnte der Untergrund auch noch Öle ausschwitzen. Das haben wir zuletzt beim Comeback der Formel 1 in Mexiko gesehen.

Eine gute Traktion aus den engen Kurven auf die langen Geraden ist ein wichtiger Faktor. Das Fahrwerk auf der Hinterachse darf also nicht zu hart eingestellt werden. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Reifenverschleiß. Der Mangel an schnellen Kurven und der frische Asphalt lässt auf eine geringe Belastung der Gummis schließen. Einige Ingenieure befürchten, dass es zu einem langweiligen Einstopp-Rennen kommen könnte.

Upgrades:

Nur eine Woche nach Kanada sollten die Technik-Fans nicht mit zu vielen neuen Teilen rechnen. Nur in Sachen Heckflügel haben wir Hoffnung auf Upgrades. Mercedes hat seinen Bananenflügel für Baku bereits in Montreal getestet. Monkey-Seats dürften reihenweise abgebaut werden. Wir sind gespannt, ob es auch in Sachen Kühlung zu Umbauten kommt. Die große Motorenbelastung verträgt sich nicht gut mit den hohen Außentemperaturen.

Favoriten:

Eine Power-Strecke mit winkligen Kurven und heißen Temperaturen – da wird die Favoritenliste plötzlich ziemlich klein. Nur wenn Mercedes massiv mit dem Setup verwachst, könnte Ferrari eine Chance bekommen. Im Gegensatz zu Montreal kann das Vettel-Team aber nicht noch einmal darauf hoffen, dass es bei den Silberpfeilen Probleme mit dem Aufheizen der Reifen gibt.

Wie schon in Kanada bleibt Red Bull nur die Rolle der dritten Kraft. Trotz Renault-Upgrade wiegt der Leistungsnachteil auf Power-Strecken immer noch schwer. Ricciardo und Verstappen müssen sogar aufpassen, dass Williams nicht noch vorbeizieht. Der Martini-Renner kann seinen Vorteil des geringen Luftwiderstands in Baku voll ausspielen. Bottas und Massa hoffen sicher insgeheim auf das nächste Podium.

Dank Mercedes-Power ist auch Force India wieder ein sicherer Punktekandidat. Wegen der heißen Temperaturen rechnen sich die HaasF1-Piloten ebenfalls gute Chancen aus. McLaren und Toro Rosso dürften sich im engen Mittelfeld dagegen schwer tun. Aber bei Rennen auf Stadtkursen sind Überraschungen nie ausgeschlossen. Am Ende des Feldes sollte Sauber wieder etwas besser gegen Renault und Manor aussehen.

In unserer Galerie zeigen wir Bilder vom ersten Testlauf in Baku mit einem GP3-Renner.

SitzungStart (MEZ)
Freies Training 11. Training – Fr. 17. Juni – 11.00 Uhr
Freies Training 22. Training – Fr. 17. Juni – 15.00 Uhr
Freies Training 33. Training – Sa. 18. Juni – 12.00 Uhr
QualifyingQualifying – Sa. 18. Juni – 15.00 Uhr
RennenRennen – So. 19. Juni – 15.00 Uhr
Neuester Kommentar

Das wird sicher sehr interessant werden. Mercedes dürfte in der Tat schwer zu schlagen sein. Oder Rosberg und Hamilton crashen auf dem engen Stadtkurs ein weiteres Mal in dieser Saison, nachdem sich Hamilton in Kanada gegenüber Rosberg ein weiteres Mal, vorsichtig formuliert, recht eigensinnig präsentiert hat. Die langen Geraden könnten allerdings für zahlreiche Überholmanöver sorgen. Außerdem ist der Kurs durch die nicht vorhandenen Auslaufzonen nicht gerade fehlerverzeihend. Daher glaube ich, dass der Grand Prix auf keinen Fall langweilig wird. Selbst wenn es nur ein 1 Stopp-Rennen wird. Williams wird mit Sicherheit ein schwer zu überholender Brocken werden.

PeterSchlosser 15. Juni 2016, 12:35 Uhr
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