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GP Australien 2011: Die Vorschau

Die Jagd auf Vettel beginnt in Melbourne

Sebastian Vettel 2011 Foto: Red Bull 49 Bilder

Mit dem GP Australien beginnt die Formel 1 wieder bei null. Die Chance ist groß, dass die neue Saison so spektakulär beginnt, wie die alte aufgehört hat.

23.03.2011 Tobias Grüner

Aus deutscher Sicht haben wir nun sogar noch einige heiße Eisen mehr im WM-Feuer.

Dem GP Australien ist unverhofft die Ehre des Auftaktrennens der Formel 1-Saison 2011 zuteil geworden, nachdem Bahrain wegen politischer Unruhen absagen musste. Für die Teams bedeutete das zwei zusätzliche Wochen Zeit zur Vorbereitung. Die Fahrer warten bereits ungeduldig wie heißblütige Rennpferde in der Startbox.

Die Fans können sich jetzt schon auf heiße Action im Frühstücksprogramm freuen. Das Rennen in Melbourne war schon in den letzten Jahren immer ein Garant für spektakulären Motorsport. In diesem Jahr stehen die Vorzeichen gut, dass sogar noch einmal eins draufgesetzt wird. Mit den neuen Regeln sind jederzeit unvorhergesehene Wendungen im Rennen möglich.

Neue Reifen, KERS und Heckflügel

Zum ersten Mal müssen sich die neuen Formel 1-Reifen von Pirelli im Renneinsatz profilieren. Die Eindrücke der Testfahrten lassen auf ein Boxenstopp-Festival schliessen. Wegen der geringen Haltbarkeit der italienischen Gummis, muss wohl jeder Pilot mindestens drei Mal zum Reifenwechsel abbiegen.

Die Hoffnung der Pirelli-Verantwortlichen auf längere Haltbarkeit durch richtig heiße Temperaturen scheint sich nicht zu erfüllen. An den drei Renntagen soll das Thermometer nicht über die 20 Grad-Marke klettern. Immerhin scheint es im Gegensatz zum Vorjahr am ganzen Wochenende trocken zu bleiben.

Mehr Überhol-Action in Melbourne?

Neben den neuen Reifen feiert auch der bewegliche Heckflügel beim GP Australien seine Rennpremiere. Noch kann niemand genau sagen, ob das Überholen nun deutlich leichter oder gar zu leicht wird. Im Freien Training soll das System noch einmal getestet werden. Die Eckdaten stehen allerdings schon fest.

Schon am Ausgang der Zielkurve darf der Knopf zum Flachstellen des Flügels gedrückt werden. Die Wegstrecke bis zum Bremspunkt beträgt etwas mehr als die ursprünglich geplanten 600 Meter. Der Abstand, der zum Drücken des Heckflügel-Knopfes berechtigt, wird vor der drittletzten Kurve gemessen. Wenn dort der Rückstand auf den Vordermann weniger als eine Sekunde beträgt, dann geht beim Hintermann auf der Zielgeraden die Post ab.

Die Rückkehr des Hybrid-Systems ist die dritte große Neuerung in diesem Jahr. Wie schon bei seinem ersten Einsatz in der Saison 2009 dürfen die Piloten den elektrischen Zusatzschub von 82 PS für 6,6 Sekunden pro Runde nutzen. Bei den Testfahrten sorgten die KERS-Bausteine aber immer wieder für technische Defekte. Es ist unwahrscheinlich, dass alle Kinderkrankheiten vor dem ersten Rennen aussortiert wurden.

Die Strecke: Albert Park Circuit
Die malerisch gelegene Strecke im Albert Park zu Melbourne ist keine permanente Rennpiste. Einige Teile des 5,303-Kilometer langen Asphaltbands sind normalerweise für den öffentlichen Straßenverkehr freigegeben. Der raue Untergrund bietet vor allem zu Beginn eines Rennwochenendes nur wenig Grip. Ob sich das bis zum Rennen bessert, ist fraglich. Bei den Tests brachten die neuen Pirellis nur wenig Gummi auf die Strecke. Stattdessen lösten sich die Slicks in groben Schnipseln auf, die neben der Ideallinie liegen blieben.

Bei zehn Rechts- und sechs Linkskurven wird der rechte Vorderreifen auf dem Albert Park Circuit besonders gefordert. Aber auch die Gummis auf der Hinterachse leiden wegen der vielen Beschleunigungsphasen aus niedrigen Geschwindikeiten überdurchschnittlich. Zur Sicherheit bringt Pirelli die härtere Kombination mit den Mischungen "hard" und "medium". In Melbourne wird den Fans traditionell immer viel geboten. In den vergangenen fünf Jahren musste das Safety-Car insgesamt acht mal auf die Strecke. Action scheint also garantiert.

Das Setup fuer Melbourne:
Der Albert Park Circuit ist wegen seiner langen Geraden kein typischer Straßenkurs. Es wird zwar immer noch überdurchschnittlich viel Abtrieb verlangt, die Flügel stehen aber deutlich flacher als zum Beispiel in Monaco. Von seiner Charakteristik ist Melbourne ein "Stop and Go"-Kurs. Enge Kurven wechseln sich mit längeren Vollgas-Passagen ab. Um hier schnell zu sein, braucht es vor allem eine gute Bremsbalance und eine gute Traktion.

Die Ingenieure müssen zudem auf die zahlreichen Bodenwellen im Asphalt reagieren. Die etwas weicher abgestimmten Dämpfer verbessern zwar die Traktion, bringen aber Nachteile bei der Aerodynamik mit sich. Hier muss ein guter Kompromiss gefunden werden. Für die Fahrer gilt es, so schnell wie möglich in einen guten Rhythmus zu kommen. Der eckige Kurs ist Gift für Piloten mit einem runden Fahrstil.

Die Favoriten:
Selten war der Blick in die Glaskugel so schwierig wie vor dem Saisonstart 2011. Nach den Testeindrücken erwarten wir einen Dreikampf um die Podestplätze. Red Bull schien zuletzt die meisten Reserven zu besitzen. Sebastian Vettel für die meisten Experten der erste Sieganwärter. Vor allem im Qualifying scheint das Weltmeisterauto wieder extrem stark zu sein. Ferraris Stärken liegen eher im Rennen. Wegen der verbesserten Überholmöglichkeiten und dem unvorhersehbaren Reifenpoker sind Prognosen über den Zieleinlauf schwierig.

Beim letzten Test in Barcelona ist auch Mercedes in den Kreis der Favoriten aufgestiegen. Wir erwarten Michael Schumacher und Nico Rosberg nicht weit hinter Ferrari und Red Bull. Auch aus dem breiten Mittelfeld können einige Teams für Überraschungen sorgen. Sauber, Williams, Renault und Toro Rosso sind deutlich näher an die Spitze herangerückt. Sollte einer davon Setup und Strategie perfekt treffen, ist eine Sensation nicht ausgeschlossen.

Technik-Updates für den GP Australien:
Die meisten Teams haben ihre großen Technik-Pakete schon beim Test in Barcelona präsentiert. Während sich die Autos auf die Reise nach Australien gemacht haben, ging die Entwicklung aber weiter. Nach Auswertung der Testdaten haben viele Teams noch kleinere Änderungen vorgenommen. Große Updates sind allerdings die Ausnahme.

Williams und Red Bull haben neue Teile angekündigt. Die größten Umbauten stehen aber wohl bei McLaren an. Allerdings handelt es sich dabei eher um einen Rückschritt als um einen Fortschritt. Da die radikalen Auspufflösungen zuletzt alle floppten, wird das chromfarbene Auto in Melbourne mit einer einfacheren Variante antreten. Teamchef Martin Whitmarsh erwartet dadurch einen großen Schritt nach vorne. Sollte der nicht kommen, wird es für Hamilton und Button schwer überhaupt zu punkten.

Expertenanalyse von James Key (Technikchef Sauber F1):
"Der Albert Park ist eine gute Strecke für das erste Rennen. Es wird interessant zu sehen, wie sich die Dinge bei höheren Asphalttemperaturen entwickeln. Bisher hatten wir keine Gelegenheit, unter solchen Bedingungen zu testen, ebenso wenig wie die anderen Teams. Entsprechend gibt es da ein paar Fragezeichen. Der Ablauf des Rennwochenendes wird etwas anders sein als bisher, weil die Reifen weniger konstant sind als früher. Da müssen wir versuchen, das Optimum herauszuholen."

"Der Albert Park ist eine Stop-and-Go-Strecke mit Schikanen am Anfang und dann einigen mittelschnellen und schnellen Kurven gegen Ende der Runde. Melbourne ist eine Strecke, die vor allem die Hinterreifen stark beansprucht. Die Kurse, auf denen wir im Winter getestet haben, sind eher anspruchsvoll für die Vorderreifen. Das könnte die Balance des Autos beeinflussen. Falls die Streckentemperaturen höher sind, müssen wir den Hinterreifen mehr Beachtung schenken als beim Testen. Aber das ist Teil des Abstimmungsprozesses."

GP Australien 2010 - so lief das Rennen im Vorjahr:
Das Wetter spielte 2010 in Melbourne den Zeremonienmeister. Kurz vor Rennbeginn kam ein Schauer über dem Albert Park herunter und zwang das gesamte Feld auf Intermediates zu starten. Wegen der hohen Asphalttemperaturen trocknete die Piste schnell ab. Jenson Button pokerte am höchsten und gewann. Der Engländer wechselte zwei Runden vor der Konkurrenz auf Slicks, setzte sich an die Spitze und hielt die Reifen bis ins Ziel am Leben. Da Button schon 2009 in Melbourne triumphierte könnte er 2011 seinen Albert Park-Hattrick perfekt machen.

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