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GP Australien 2014 (Rennanalyse)

Nasen-Piercing und Mauer-Knutscher

Felipe Massa - GP Australien 2014 Foto: xpb 43 Bilder

In unserer Rennanalyse klären wir die offenen Fragen zum Rennen in Melbourne. Wieso fehlte Jenson Button die Nase? Was hätte Williams geschafft? Wieso mussten Lewis Hamilton und Sebastian Vettel stoppen? Und wie war das genau mit der Disqualifikation von Daniel Ricciardo?

16.03.2014 Bianca Leppert

War die Disqualifikation von Ricciardo gerechtfertigt?

Der Jubel auf dem Podium über den ersten F1-Pokal für Daniel Ricciardo war groß. Doch als die Zuschauer schon längst zuhause waren, kam die Hiobsbotschaft von den FIA-Kommissaren: Der Lokalmatador wurde aus der Wertung genommen, weil sein Red Bull regelmäßig im Rennen die Benzinfluss-Begrenzung (100 kg/h) überschritten hatte. Die Fans mögen dieses Urteil beim ersten Rennen als hart empfinden, doch die Regelhüter hatten keine andere Wahl.

Der Benzindurchfluss ist der limitierende Faktor bei den neuen Turbomotoren. Je mehr Sprit desto mehr Leistung. Schon im Freien Training am Samstag wurden bei Red Bull Überschreitungen festgestellt. Die FIA warnte die Renault-Ingenieure und bat um Änderungen. Die Live-Telemetrie zeigte im Rennen aber erneut zu hohe Werte an. Noch einmal gab es eine Warnung von der Rennleitung. Doch beim Weltmeister-Team sah man keinen Grund zu handeln.

Offenbar war man bei Red Bull davon überzeugt, dass die FIA-Sensoren falsche Werte anzeigten. Eigenmächtig entschied man sich dafür, nur auf die eigenen Messungen zu vertrauen. Dieses Vorgehen ist allerdings nur im Ausnahmefall nach Absprache mit den Regelhütern erlaubt. Die Kommissare ließen das nicht einfach durchgehen. Red Bull-Teamchef Christian Horner hat allerdings angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Renault will den Einspruch unterstützen. Hier alle Details zum Fall Ricciardo in unserer >> Story.

Wieso fuhr Lewis Hamilton nicht gleich an die Box?

Lewis Hamiltons Rennen begann nicht nach Plan. Mit der Pole Position hatte er sich die beste Ausgangslage gesichert, aber schon in der Einführungsrunde sahen die Ingenieure am Kommandostand, dass sich Ärger anbahnen könnte. Ein Zylinder machte Probleme. "Ich hatte keinen großartigen Start und viel weniger Leistung als üblich - somit war mir sofort klar, dass etwas nicht stimmte", sagte Hamilton. Es dauerte nur zwei Runden, bis er den W05 in der Box parken musste.

Dabei kam es etwas zu Verwirrung. Über Funk wurde Hamilton gesagt: "Wir müssen aufgeben, um den Motor zu schonen." Wenige Sekunden später kam die Meldung: "Bleib draußen." Und wieder einige Sekunden später fuhr er in die Box. "Am Anfang schien die Situation klar, dann waren wir uns aber nicht sicher, ob der Zylinder ausgefallen war oder ob es Fehlzündungen gab. Schließlich haben wir uns entschieden, Lewis reinzuholen, um auf Nummer sicher zu gehen", erklärte Mercedes-Sportchef Toto Wolff die kleine Konfusion.

Hamilton war nicht der einzige mit Motorenproblemen. Sebastian Vettel tat es ihm eine Runde später gleich und rollte mit dem RB10 an die Box. Vettel merkte ebenfalls schon in der Einführungsrunde, dass ihm Leistung fehlte. Bei Red Bull geht man davon aus, dass zwei Zylinder ihren Dienst verweigerten. Bei Lotus kam gar kein Auto ins Ziel. Maldonado und Grosjean schieden aus, weil die MGU-K-Einheit (KERS) versagte.

Wie knapp wurde der Sprit?

Seit dieser Saison dürfen die Formel-1-Autos nicht mehr als 100 kg Sprit pro Stunde und nicht mehr als 100 kg für die Renndistanz verbrauchen. Das bereitete vor dem Rennen einigen Kopfzerbrechen. Würde man möglicherweise in der Schlussphase Autos ohne Sprit ausrollen sehen? Oder nur noch im Schneckentempo auf der Strecke herumeiern?

Diese Szenarien bestätigten sich nicht. Dass der Spritverbrauch nicht zum Problem werden würde, war aber bereits früh klar. Nachdem der Start zum ersten Mal nach dem Stehenbleiben von Max Chilton abgebrochen wurde, drehte das Feld eine weitere Einführungsrunde im Bummeltempo. Die zählte zu den Rennrunden dazu. Die Safety Car Phase nahm zusätzlich Druck heraus. So konnte man sich das Rennen besser einteilen. Auf Nachfrage meinten die meisten Piloten, dass das Spritmanagement dieses Mal kaum eine Rolle spielte.

Was passierte mit der Nase an Jenson Buttons Auto?

Als Jenson Button zum zweiten Mal die Box ansteuerte, bekamen die Zuschauer eine Slapstick-Einlage zu sehen. Der McLaren-Pilot fuhr beim Einparken in die Boxenstopp-Fläche zu weit nach vorne. Beim Herunterlassen des Autos mit dem Wagenheber, brach die Nasenspitze des MP4-29 ab. Vorne klaffte ein großes Loch.

Diese Bilder kamen einigen bekannt vor. Denn das Missgeschick passierte schon einmal beim Test in Bahrain. "Das wurde etwas kalt im Cockpit", scherzte Button nach dem Rennen. "Auch ein paar andere Teile haben gefehlt. Das Auto sah nicht mehr so schön aus." Eine große aerodynamische Beeinträchtigung habe sich durch das Nasen-Loch aber laut Teamchef Eric Boullier nicht ergeben.

Was wäre für Williams ohne Probleme möglich gewesen?

Sie wurden als Geheimfavoriten gehandelt. Nach dem GP Australien fiel die Bilanz für Williams nicht sensationell, aber hoffnungsvoll aus. Felipe Massa wurde von Kamui Kobayashi bereits am Start abgeräumt und  hatte damit nicht einmal die Chance zu zeigen, was im FW36 steckt. Valtteri Bottas deutete das Potenzial mit seinen schnellen Rundenzeiten an.

Der Finne ließ sich mit 1.32,568 Minuten die zweitschnellste Rennrunde hinter Nico Rosberg notieren. Wohlgemerkt, mit nur 0,090 Sekunden Rückstand. Rosberg fuhr seine Zeit in Runde 19, Bottas in Runde 56. Natürlich mit weniger Sprit im Tank, aber man hörte, dass er für das Rennende noch relativ viel Sprit an Bord hatte. In der Top-Speed-Tabelle nimmt er mit 312,5 km/h Platz zwei hinter Kevin Magnussen ein.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff traute seinem Kundenteam unter normalen Bedingungen ein Platz auf dem Treppchen zu. Bottas machte die Hoffnungen auf das Podium allerdings selbst zunichte, indem er nach einem packenden Kampf mit Kimi Räikkönen etwas übermotiviert die Mauer touchierte. "Ich bin etwas enttäuscht von mir selbst", sagte Bottas. "Ich habe zu hart gepusht und die Mauer berührt, was einen Plattfuß zur Folge hatte und mich weit zurückgeworfen hat. Den Rest des Rennens habe ich versucht, diesen Fehler auszubügeln und einige Leute überholt."

In unserer Fotogalerie haben wir noch einmal die Bilder des Rennens.

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