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GP Belgien 2012 (Rennanalyse)

Mit Knalleffekt in die zweite Halbzeit

Crash Start GP Belgien 2012 Hamilton Grosjean Alonso Foto: dpa 66 Bilder

Der Grand Prix von Belgien sorgte für einige Überraschungen. Warum waren Button und Vettel so schnell? Wie gefährlich war der Strart-Crash? Und warum fuhr Maldonado zu früh los? In der Rennanalyse beantworten wir die letzten offenen Fragen zum Krimi in den Ardennen.

02.09.2012 Tobias Grüner

Wie kamen Button und Vettel mit einem Stopp über die Runden?

Vor dem Rennen waren die Fragezeichen bei allen Teams groß. Nach dem verregneten Freitag hatte keiner eine Idee, wie hoch der Reifenverschleiß am Sonntag werden würde. Analysen der Gummis vom dritten Training ließen nichts Gutes vermuten. Bei Red Bull rechnete man mit zwei bis drei Stopps im Laufe der 44 Rennrunden. Ein Einstopper schien außer Reichweite.

Doch dann kamen Sebastian Vettel und Jenson Button doch nur einmal an den Boxen vorbei. Die Strategie war so nie geplant. Vettel spielte den Auslöser, Button reagierte nur auf die Taktik des Weltmeisters, den er schnell als einzigen Gegner an diesem Tag ausmachte.

Nach Platz elf im Qualifying durfte Vettel mit einem nagelneuen Satz weicher Reifen starten. Die hielten bis zur 21. Runde. Eigentlich wollte der Heppenheimer schon früh in die Box, um dem drohenden Verkehr aus dem Weg zu gehen. Doch dann überholte er der Reihe nach Felipe Massa, Mark Webber und Bruno Senna und setzte konstant schnelle Runden. Sein Kommandostand wies ihn an, in der 19. Runde neue Gummis abzuholen. Aber als Schumacher direkt vor ihm in die Boxengasse abbog, entschied sich Vettel kurzfristig noch ein paar Runden dranzuhängen. Da wurde dann fast automatisch ein Eisnstopper draus.

Wie schaffte Red Bull die Wende nach dem Qualifying?

Nach dem Rennen konnte auch Teamchef Christian Horner keine Erklärung liefern, warum die Reifen so lange hielten und warum die Rundenzeiten bei Vettel so gut waren. "Wir haben es schon oft in diesem Jahr gesehen, dass die Reifen sehr sensibel sind und auf kleinste äußere Veränderungen reagieren. Oft gibt es sogar gravierende Unterschiede zwischen den Teamkollegen."

Zwei Faktoren hatten sich von Freitag auf Samstag geändert. Die Asphalttemperatur stieg im Rennen auf bis zu 36°C. Am Samstag waren es nur 25°C. Die Luft war immerhin drei Grad wärmer. Außerdem kam nach dem Regen am Freitag endlich etwas mehr Gummi auf die Bahn, was einige Teams offenbar besser nutzen konnten als andere.

Wie gefährlich war der Startcrash?

Die Kollision auf dem Weg in die erste Kurve zeigte wieder einmal, dass es im Motorsport keine 100-prozentige Sicherheit gibt. In Belgien wurde erneut die Schwachstelle von Formel 1-Autos deutlich. Der Helm des Fahrers liegt trotz erhöhten und verstärkten Seitenwänden relativ ungeschützt in exponierter Position und ist bei Kollisionen das sensibelste Angriffsziel.

Zum Glück hatte Fernando Alonso seinen Schutzengel an Bord, als der Lotus von Romain Grosjean mit einem Startgewicht von knapp 800 Kilogramm angesegelt kam. Der Helm des Spaniers wurde vom Hinterreifen um einen Meter verfehlt. Auch die Hand, die beim Einlenken in die Kurve aus dem Cockpit ragte, war in direkter Reichweite. "Wenn er ihn am Kopf getroffen hätte, wäre das wohl ein Genickbruch gewesen", analysierte Niki Lauda in gewohnter Deutlichkeit

Ist die Strafe gegen Grosjean angemessen?

Im Fahrerlager hatte man sich schnell festgelegt: Romain Grosjean war der Schuldige der Massenkollision. Auch die Rennleitung schloss sich diesem Urteil an und verdonnerte den Franzosen zu einem Rennen Pause. Sperren werden in der Formel 1 nur in Ausnahmefällen ausgesprochen. 1994 waren zuletzt zwei Fahrer komplett gesperrt worden: Michael Schumacher für zwei Rennen wegen Missachtung der schwarzen Flagge in Silverstone. Mika Häkkinen musste nach einem Crash in Hockenheim ein Rennen zuschauen.

"Ich habe mich etwas verschätzt. Das war ein kleiner Fehler mit großen Auswirkungen", erklärte Grosjean anschließend. Er akzeptierte die Strafe. Einigen ging das Urteil aber nicht weit genug. Der Lotus-Pilot ist bekannt als aggressiver Starter, der kompromisslos die Lücken sucht, wenn das Feld noch dicht beisammen ist. In den ersten zwölf Rennen dieser Saison hatte der Franzose schon sieben Mal Feindkontakt. Der Wiederholungstäter kann sich also nicht beschweren.

Wie konnte Maldonado der Fehlstart unterlaufen?

Pastor Maldonado konnte das Ende der Sommerpause kaum erwarten. Als die Lichter der Startampel erlöschten, war der Venezolaner schon auf dem Weg in die erste Kurve. Auch mit dem bloßen Auge war der Fehlstart zu erkennen. Rennleiter Charlie Whiting schüttelte im Starterhäuschen ungläubig den Kopf, als der Williams an ihm vorbeischoss.

"Mir ist am Start einfach die Hand vom Kupplungshebel gerutscht", verteidigte sich der Pilot. Der Startprozess ist dann in einem modernen Formel 1-Auto nicht mehr aufzuhalten. Als Stammgast bei den Kommissaren kannte der Venezolaner den Weg zu den FIA-Stewards bereits. Die verknackten ihn nicht nur für den Fehlstart zu fünf Plätzen in Monza, sondern legten noch einmal fünf Ränge für die Kollision mit Timo Glock drauf.

Die Bilder des Rennens haben wir noch einmal für Sie in unserer Fotogalerie.

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