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Quali-Krimi: Rush Hour in der Boxengasse

Formel 1 GP China Qualifying Boxengasse Foto: dpa 41 Bilder

Die Uhr zeigte 2.02 Minuten, als der Rennleiter das Training abbrach. Vitaly Petrov parkte seinen Renault mitten auf der Strecke vor dem Bremspunkt von Kurve 6. Der Motor hatte plötzlich Leistung verloren, und weil damit auch der Hydraulikdruck sinkt, fand sich der Russe plötzlich immobil auf der Straße wieder. Das Getriebe steckte in einem Gang und gab ihn nicht mehr frei.

16.04.2011 Michael Schmidt

Die Rennleitung stellte später fest, dass Petrov die Situation sehr wohl hätte retten können, hätte er schneller reagiert. "Er hat ewig nicht den Leerlaufknopf gedrückt", sagt einer aus den Reihen der FIA. Petrov kam ohne Strafe davon. Ihm half, dass er mit seiner Aktion Teamkollege Nick Heidfeld ein Bein gestellt hatte.

Elf Fahrer versuchten ihr Glück

2.02 Minuten blieben noch bis zur Zielflagge von Q2. 122 Sekunden, um beim Start aus der Boxengasse noch einmal vor der schwarzweiß karierten Flagge über den Zielstrich zu kommen. Bei Rundenzeiten von 1.35 Minuten kein Kinderspiel, denn einerseits muss man die Anwärmrunde in dem Zeitfenster abwickeln, andererseits darf die Vorbereitung nicht zu aggressiv ausfallen, weil sonst die Reifen überhitzen. Und dann kommt noch das Problem Verkehr hinzu. Elf Autos reihten sich am Ende der Boxengasse auf.

Einmal alle, die bis dahin noch keine Runde weiter waren. Sergio Perez, Nico Rosberg, Rubens Barrichello, Michael Schumacher, Kamui Kobayashi, Pastor Maldonado und Nick Heidfeld standen zu dem Zeitpunkt auf den Abstiegsplätzen. Felipe Massa, Paul di Resta und Adrian Sutil lagen gerade noch so in den Top Ten und mussten Angst haben, in letzter Minute aus dem exklusiven Club geschossen zu werden. Dazu gesellte sich noch der Fünftplatzierte Fernando Alonso, den Ferrari als Störenfried ins Rennen um die Top Ten-Ränge schickte.

Der Platz an der Sonne war der ganz vorne an der Boxenausfahrt. Doch das ist einfacher gesagt als getan. "Auf Verdacht kannst du nicht deine Garage verlassen und dich an die Boxenausfahrt stellen. Keiner will, dass der Motor länger als zwei Minuten im Stand läuft", erklärt Mercedes-Rennleiter Norbert Haug. "Außerdem kühlen vom langen Rumstehen die Reifen zu stark aus", ergänzt Michael Schumacher.

Boxengassen-Platz als Vorteil

Also warten auf das Kommando der Rennleitung für den Re-Start. Die kündigte zwei Minute vor der Freigabe an, wann die Boxengasse für die letzten 2.02 Minuten öffnen würde. Sauber reagierte am schnellsten. "Unser Vorteil war, dass wir in der Boxengasse weit vorne stehen", wehrte Teammanager Beat Zehnder Gratulanten ab. Ganz vorne parkte Sergio Perez. Gefolgt von Felipe Massa, Kamui Kobayashi, Fernando Alonso und den beiden Mercedes. Am Ende der Schlange standen zwei Force India und zwei Williams. Da musste man schon fürchten, dass die Restzeit nicht mehr reichen würde, vor Beginn der fliegenden Runde die Ziellinie zu kreuzen.

Es ist nicht so, dass die Fahrer in der Mitte oder am Ende des Konvois geschlafen hätten. Die Technik bestimmt, wann der Fahrer ab dem Signal "Go" die Garage verlassen darf. "Bei uns dauert es zehn bis 15 Sekunden, bis wir losfahren können. Vorher müssen bestimmte Prozeduren erledigt und Daten geprüft werden", verrät Ross Brawn. Formel 1-Autos sind komplizierte Gebilde. "Wir stehen sechs Sekunden länger als alle anderen", bedauerte Williams-Teammanager Dickie Stanford. "Das geht dafür drauf, die Kupplung zu kalibrieren. Vorher können wir nicht anfahren."

Dramatik auf der Strecke

Als es endlich losging, spielten sich elf Dramen ab. Am Ende konnten sich nur zwei Fahrer verbessern. Nico Rosberg sprang von Platz 12 auf 9, Kamui Kobayashi von Rang 15 auf 13. Der Rest schaute durch die Röhre. Paul di Resta hatte einfach nur Glück. Er blieb in den Top Ten hängen, obwohl er sich nicht verbesserte. Rosberg wusste nicht recht, was er tun sollte: "Vor mir lag Perez. Ich wollte Platz schaffen, dachte es wäre genug, aber als wir in die Zielgerade einbogen, erschien mir der Abstand dann doch zu knapp. Ich habe die ganzen Turbulenzen von dem Sauber abbekommen. Deshalb war ich schon überrascht, dass es noch geklappt hat."

Massa überholte Perez

Michael Schumacher machte mitten im Pulk alles richtig. Er ließ genügend Abstand zu Alonsos Ferrari, lag gut auf Kurs, als am Ende der langen Geraden der Heckflügel wieder mal nicht funktionierte. Felipe Massa ließ sich erst gar nicht auf irgendein Risiko ein: "Ich habe in der Aufwärmrunde Perez überholt. So konnte ich an der Spitze des Feldes mein eigenes Tempo fahren." Perez ließ den Ferrari passieren. "Felipe war ziemlich aggressiv."

Die Sauber-Piloten kämpften aber mit einem ganz anderen Problem. "Wir hatten nur noch angefahrene Reifensätze übrig", so Zehnder. "Wir mussten die Reifen nehmen, auf denen wir die Runde abgebrochen hatten, als Petrov stehenblieb."

Rubens Barrichello wollte besonders schlau sein und bremste sich selbst aus. In der Zielkurve ging der Brasilianer vom Gas, um nicht in den Luftschleppen des vor ihm liegenden Autos fahren zu müssen. Adrian Sutil passte auf und überholte Barrichello auf der Zielgeraden. "Da war das Training für mich gelaufen. Ich hätte es sonst in die Top Ten schaffen können", bedauerte Rubens.

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