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GP England 2011: Die Vorschau

Letzte Chance für Red Bull-Gegner

Red Bull GP Europa Valencia 2011 Foto: Red Bull 29 Bilder

Spannung vor dem GP England. Erstmals sind die Zwischengas-Einstellungen verboten. Die Konkurrenz hofft auf den entscheidenden Schlag gegen Red Bull. In unserer Vorschau sagen wir Ihnen, wie schlimm es um Sebastian Vettel in Silverstone wirklich steht.

06.07.2011 Tobias Grüner

Vor dem England-GP wurde viel geredet. Red Bull-Berater Helmut Marko schoss wegen des plötzlichen Zwischengas-Verbots ein paar Giftpfeile in Richtung FIA. Technikchef Adrian Newey befürchtet dramatische Auswirkungen auf die sensible Aerodynamik seines Wunderautos. Die Konkurrenz glaubt indes nicht an die Katastrophenwarnungen aus dem Weltmeisterteam. Man hofft aber, den überlegenen Bullen wenigstens einen Tick näher zu kommen.

"Wir werden nicht sehen, dass der Drittplatzierte nun ganz vorne steht. Und andersrum auch nicht", prognostiziert Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Ganz verboten wurde das Anblasen des Auspuffs nicht. Nur wenn der Fahrer vom Gas geht, darf der Motor nicht mehr künstlich heiße Luft produzieren, die am Diffusor für zusätzlichen Anpressdruck sorgt. Wie sich das aus Sicht der Fahrer auswirken wird, ist ebenfalls unklar. Zu erwarten ist ein etwas unruhigeres Heck in den Bremszonen.

Besonders belohnt wird nun, wer schnelle Kurven mit Vollgas nehmen kann. Wer lupfen muss, verliert durch den Wegfall der Auspuffgase doppelt Zeit. Spannend wird auch zu sehen sein, wie sich die neuen Regeln auf das KERS auswirken. Wenn an der Hinterachse viel Energie für den Hybrid-Boost abgezweigt wird, verschiebt sich die Bremsbalance. Die ist allerdings schon durch das Zwischengasverbot gestört, weil der Motor nun plötzlich wieder mehr eigenes Bremsmoment entwickelt.

Besonders in den Trainings dürfen die Fans einige Dreher erwarten, bis sich die Piloten an das neue Fahrverhalten gewöhnt haben. Erschwerend hinzu kommt noch die durchwachsene Wettervorhersage. Am Freitag soll es auf jeden Fall feucht werden. Am Rest des Wochenendes wird eine weitgehend trockene Strecke erwartet. Schauer sind aber jederzeit möglich. Die englischen Fans scheint das nicht abzuschrecken. Der Veranstalter meldete schon vier Tage vor dem Rennen ein ausverkauftes Haus beim Rennen.

Die Strecke: Silverstone Circuit

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Mittelengland wurde 1950 der allererste Grand Prix überhaupt ausgetragen. Erst vor Kurzem wurde die Formel 1-Strecke noch einmal einer Generalüberholung unterzogen. Vor dem Rennen 2010 kam der so genannte "Arena"-Abschnitt dazu, der die Strecke um 750 Meter verlängerte und eine zusätzliche Überholmöglichkeit schaffte.

In dieser Saison ging die Renovierung weiter. Die Teams sind nun in einer komplett neuen Boxenanlage untergebracht. Auch die Zielgerade wurde verlegt. Wer aber gehofft hatte, dass nun eine etwas engere Kurve nach dem Start für mehr Action sorgt, der wurde enttäuscht. "Abbey" ist nun Kurve 1 und nicht mehr Kurve 11. Im Rennen wird der schnelle Rechtsknick mit Vollgas mit rund 290 km/h genommen. Die Piloten haben also Zeit, sich vor dem ersten härteren Bremspunkt zu sortieren.

Das Silverstone-Setup:

Obwohl Silverstone mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 235 km/h zu den Highspeed-Strecken gehört, wird von den Autos ein hoher Abtriebslevel verlangt. Vor allem in der Passage von Copse, Maggotts, Chapel bis Stow brauchen die Autos so viel Grip wie möglich auf dem eher rutschigen Asphalt. In der berühmten Kurvenkombination sind die Piloten mit mehr als 280 km/h unterwegs und werden mit Kräften von bis zu 4,8 g von links nach rechts geschleudert. Insgesamt werden acht Kurven mit mehr als 250 km/h genommen.

Die Bremsbelastung hält sich wegen der vielen schnellen Passagen in Grenzen. Nur drei Mal müssen die Piloten auf dem 5,901 Kilometer-Kurs härter in die Eisen. Problematischer als die Bremsen dürfte das Aufladen der KERS-Batterien werden. Nur bei extremer Verzögerung kann Energie gesammelt werden. Bei der Einstellung von Bodenfreiheit müssen die Ingenieure auf die Bodenwellen - besonders vor Maggotts - achten. Auch der böige Wind muss einkalkuliert werden, wenn es an die Getriebeübersetzung geht.

Die Updates:

Wegen des Zwischengasverbots werden alle Teams mit neuen Teilen nach Silverstone reisen. Wenn der Diffusor weniger Abtrieb produziert, müssen die Ingenieure die Aero-Balance mit konventionellen Flügeln wieder herstellen. McLaren hatte sowieso geplant, einen neuen Heckflügel einzuführen. Das neue Teil soll für einen größeren Geschwindigkeitsunterschied bei der Nutzung des DRS gut sein. Hier hatten Hamilton und Button in der ganzen Saison große Nachteile gegenüber Red Bull. Sauber hat ebenfalls einen neuen Flügel geplant.

Auch bei Mercedes steht im Heckbereich ein größerer Umbau ins Haus. Die Silberpfeil-Techniker wollen erstmals einen neuen Auspuff nach Red Bull-Vorbild testen. Ob im Training nur eines oder gleich beide Autos mit dem Upgrade-Paket fahren, ist noch nicht klar. Ferrari schaut ebenfalls auf den hinteren Teil des Autos. Die Italiener planen endlich den Renneinsatz der neuen Hinterachse, um die Probleme beim Aufwärmen der härteren Reifenmischung zu lindern.

Die Favoriten für den GP England:

Selten war es so schwierig eine Prognose für Silverstone abzugeben. Wegen der wenigen harten Bremsmanöver ist es jedoch unwahrscheinlich, dass sich das Kräfteverhältnis nach dem Zwischengasverbot verschiebt. Eine wichtigere Rolle spielt in Silverstone traditionell die aerodynamische Effizienz. In diesem Punkt war Red Bull in den vergangenen Jahren immer eine Bank. Alles andere als der dritte England-Sieg in Folge für den Weltmeister-Rennstall wäre also eine Überraschung.

Für zusätzliche Spannung könnten wieder einmal die Reifen sorgen. Mit den Mischungen "soft" und "hard" hat Pirelli sehr unterschiedliche Gummis im Gepäck. Als diese Kombination zuletzt in Barcelona im Einsatz war, konnte man während des Rennens große Verschiebungen beobachten. Vor allem Ferrari kam mit der härteren Mischung überhaupt nicht zurecht. Wenn die Strategie eine größere Rolle spielt, sind die Reifenflüsterer von Sauber bekanntlich immer für eine Überraschung gut.

Expertenmeinung: James Key (Technikchef Sauber):

"Im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass die neue Streckenführung das Überholen erleichtert. Mit dem DRS dürfte das jetzt noch interessanter werden. Die Reifen werden erneut eine Schlüsselrolle spielen. Wir haben die weiche und die harte Reifenmischung zur Verfügung. Mit den harten Reifen müssen wir aufpassen, weil sie intensives Aufwärmen erfordern. Aufgrund der Streckencharakteristik sollte das in Silverstone besser funktionieren, allerdings spielen auch die Außentemperaturen eine Rolle. Mit der weichen Mischung sind wir zufrieden, sie dürfte die richtige Wahl sein für diese Strecke."

So lief das Rennen im Vorjahr: GP England 2010

Mark Webber stand 2010 ganz oben auf dem Podest von Silverstone. Der Australier schob sich direkt am Start an seinem Teamkollegen Sebastian Vettel vorbei und fuhr danach einen ungefährdeten Erfolg nach Hause. Vettel selbst wurde in der ersten Kurve von Lewis Hamilton berührt und musste mit einem Reifenschaden an die Box. Vom letzten Platz fuhr der spätere Weltmeister noch auf Rang sieben nach vorne. Hinter Hamilton feierte Nico Rosberg den dritten Podiumsplatz der Saison für Mercedes. Insgesamt kamen fünf deutsche Piloten in die Punkte.

In unserer Fotoshow zeigen wir noch einmal die Höhepunkte aus dem vergangenen Jahr.

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