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GP Europa 2012 (Analyse)

Fernando Alonso als großer Stratege

Fernando Alonso GP Europa 2012 Foto: xpb 47 Bilder

Wieso war Sebastian Vettel so überlegen? Wie kam Alonso von Platz elf an die Spitze? Waren die Strafen gerecht? Hat McLaren bei Jenson Button geschlafen? Die Antworten finden Sie in der Rennanalyse.

24.06.2012 Michael Schmidt

Wieso war Vettel so überlegen?

Sebastian Vettel fuhr einen Grand Prix der Güteklasse 2011. Nach zehn Runden zehn Sekunden Vorsprung, nach 15 waren es 15 Sekunden. Als das Safety Car auf die Strecke ging, hatte er 19 Sekunden Luft auf Romain Grosjean. "Oder einen extra Boxenstopp", wie Teamberater Helmut Marko süffisant anmerkte. Vettel hatte auch vor der zweiten Hälfte des Rennens keine Angst: "Es gibt keinen Grund, warum wir nicht auch auf den Medium-Reifen vorneweg gefahren wären."

Der kleine Einbruch kurz vor der Safety Car-Phase hat eine Erklärung: "Da war Kovalainen im Weg." Der Schaden mit der Lichtmaschine kündigte sich an. Vettel sah am Display, dass etwas nicht stimmte. Doch wie konnte er der Konkurrenz eine Sekunde pro Runde wegfahren? Hat das neue Technikpaket den Red Bull RB8 wieder zum Siegerauto gemacht? "Es hat geholfen, aber wir wären auch so stark gewesen", gab Vettel an.
 
Die Streckencharakteristik und die Hitze ließen ahnen, dass Red Bull und Lotus stark sein würden. Viel Stop and Go, gemixt mit ein paar schnellen Kurven. Ein ebener Belag. Kaum Bodenwellen. Der Asphalt jenseits von 40 Grad. Bedingungen wie in Bahrain, wo Vettel und Räikkönen das Tempo bestimmten. "Hier in Valencia musst du mehr über die Randsteine", differenzierte Vettel. Was der neue Unterboden mit der Luftdurchleitung wirklich wert ist, wird erst Silverstone zeigen. Das war wegen der vielen schnellen Kurven bis vor kurzem noch die Angststrecke von Red Bull.

Wie kam Alonso von Platz elf an die Spitze?

Fernando Alonsos Superrennen hatte viele Schlüsselmomente. Ein sensationeller Start, der ihm drei Plätze brachte. "Wenn ich wie Button vier Plätze verliere, läuft alles anders", gab Alonso zu. Der Spanier zeigte auch auf der Strecke eine ungewohnte Aggressivität. In Runde 12 an Nico Hülkenberg vorbei, in Runde 14 an Pastor Maldonado vorbei. Schlaues Timing beim ersten Boxenstopp bringt Alonso zwei weitere Positionen.
 
Plötzlich liegen Kamui Kobayashi und Räikkönen hinter ihm. In Runde 21 muss Einstopper Paul di Resta dran glauben. Beim großen Andrang in der Box während der Safety Car-Phase zaubern die Ferrari-Mechaniker. Alonso geht als Dritter wieder auf die Strecke. Und fightet beim Re-Start Romain Grosjean mit einem sensationellen Manöver nieder.
 
"Ich habe ihn berührt und war mir sicher das Auto habe etwas abgekriegt. Zwei Kurven lang bildete ich mir das auch ein. Aber die Rundenzeit stimmte." Der Ausfall von Vettel war Glück. Der von Grosjean auch, denn damit fiel der Franzose als möglicher Gegner für das Finale aus.
 
Im letzten Renndrittel zeigte Alonso einmal mehr, welch großer Stratege er im Cockpit ist. Er ahnte, dass die Reifen wieder nachlassen würde und hielt sich so gut es ging zurück. Der Ferrari-Pilot fror den Vorsprung auf Hamilton auf 3,5 bis 4,5 Sekunden ein. Acht Runden vor Schluss funkte Alonso seine Box an, dass die Reifen wie in Montreal einbrechen. "Die gaben mir zur Antwort: Halte durch. Wir schauen, was deine Verfolger machen." Denen ging es noch schlechter. Hamilton rutschte hilflos herum, Räikkönen kam nicht vorbei, und den Rest erledigte Maldonado mit einer Wahnsinnsaktion.

Hat McLaren mit Button geschlafen?

McLaren hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Bei Lewis Hamilton klappte wieder mal ein Boxenstopp nicht. Links vorne klemmte das Rad. Jenson Button war in Runde 38 noch zwei Plätze vor Michael Schumacher und vier Ränge vor Mark Webber. Die beiden waren seine direkten Gegner. Die hätte McLaren nach dem Reifenwechsel auf dem Radar haben müssen. Statt einen dritten Stopp einzulegen, ließ man Button mit Reifen auf der Strecke, die schon seit der 26. Runde am Auto waren. Unmöglich, damit gegen Fahrer zu überleben, die mit frischen Sohlen durch das Feld pflügten.
 
"Ich war machtlos", gab Button zu. "Die holen drei Sekunden pro Runde auf. Die letzten fünf Runden fuhr ich wie auf Eis." Dann versuchte er sein Team in Schutz zu nehmen: "Es ist wirklich schwierig, diese Reifen abzuschätzen. Keiner kann vorhersagen wie lange sie halten. Auch meine Erfahrungswerte und Antennen haben da versagt. Und wenn der Perez mit alten Reifen so schnell unterwegs ist, hat das nur mit seinem Sauber und nichts mit seinem Fahrstil zu tun. Der ist völlig bescheuert gefahren. Voll auf Attacke. Ich habe ihn zweitweise aus den Augen verloren, weil ich die Reifen schonen wollte. In den letzten Runden kam er mir von vorne entgegen."

Waren die Strafen gerecht?

Die Sportkommissare hatten viel zu tun. Es gab viele Strafen. Ein paar kamen mit einem blauen Auge davon. Waren sie auch alle gerecht? Kamui Kobayashi kassiert eine Strafversetzung um fünf Plätze in Silverstone. Geht klar. Der Japaner zerstörte Felipe Massas Rennen. Jean-Eric Vergne muss in Silverstone zehn Plätze zurück und zusätzlich 25 000 Euro Strafe zahlen. Das ist zu milde. Die Kollision mit Heikki Kovalainen war entweder Absicht oder ein Einschüchterungsversuch.
 
Pastor Maldonado ging wieder einmal der Gaul durch. Warum kracht er in Hamiltons McLaren, wenn er Sekunden vorher voll neben der Strecke war? Hamilton fuhr so langsam, da war das Überholen eine Frage der Zeit. Maldonado bekam 20 Strafsekunden aufgebrummt. Eine Strafe für Dummheit. Akzeptabel.
 
Hamilton hatte Glück. Er stand im Verdacht bei der gelben Flagge nach Vettels Ausfall zu schnell gefahren zu sein. Die Sektor-Analyse zeigte: Hamilton war um 0,05 Sekunden schneller als zuvor. Alonso aber um 0,23 Sekunden langsamer. Grosjean verlor eine Sekunde. Da drückten die Sportkommissare bei Hamilton zwei Augen zu.
 
Eigentlich hätte er eine Strafe verdient, denn am fraglichen Ort schoben drei Streckenposten Vettels Auto weg. Und dort geht es mit 240 km/h zur Sache. Bei Michael Schumacher urteilten die Schiedsrichter korrekt. DRS war zwar zwischen der ersten gelben Flagge und der gelben Ampel offen, aber Schumacher war im ganzen Bereich langsamer als in der Runde zuvor. "Und nur darum geht es", erklärte FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Über die genauen Hintergründe lesen sie in den nächsten Tagen mehr.

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