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GP Europa, Rennanalyse

Schützenhilfe für Schumi

Foto: dpa 37 Bilder

Ein Doppelsieg für die Scuderia Ferrari und ein Doppelausfall für McLaren-Mercedes. Doch ohne die Silberpfeile wäre der Sieg für Michael Schumacher nicht so einfach gewesen.

31.05.2004

In gedämpfter Stimmung nahm Michael Schumacher die Glückwünsche für seinen sechsten Saisonsieg entgegen. Das Ferrari-Team trug Trauerflor. Bereits am Freitagmorgen verstarb überraschend Fiat-Patriarch Umberto Agnelli. "Wir möchten ihm diesen Sieg widmen. Agnelli war ein großer Förderer der Scuderia Ferrari.“

Das Duell Jaguar - Ferrari

Schumachers nahezu einziges Problem im Rennen war eine unerwartete Zusammenkunft mit Mark Webber. Der Jaguar-Pilot hatte gerade seinen zweiten Boxenstopp absolviert, als er nach der Boxenausfahrt in der ersten Kurve beinahe mit Schumacher kollidierte. "Ich sehe nicht ein, wieso ich mit neuen Reifen hinter Michael hinterher fahren sollte. Ich muss mich auf mein eigenes Rennen konzentrieren", sagte der Australier. "Mein Job war es, so viel Zeit wie möglich auf Fisichella gutzumachen."

Schumacher sah den Zwischenfall in der 38. Runde natürlich anders. "Ich weiß auch nicht, was da los war, aber das war ein besonders unangenehmer Moment.
Ich bin an ihm vorbeigegangen, er muss gesehen haben, welches Auto vor ihm lag. Gerade als ich einlenkte sah ich plötzlich, wie er in mich reinschlidderte.
Zum Glück konnte ich die Lenkung wieder aufmachen, aber ich war geschockt. Nur dieser eine kurze Moment, wenn ich ihn nicht hätte sehen können, und wir wären kollidiert. Keine Ahnung, was Mark sich dabei gedacht hat." Das Gerangel entbehrte nicht  einer gewissen Pikanterie: Webber und Schumacher zählen zum Führungszirkel der Grand Prix Driver’s Association und gelten als sich gut verstehende Konkurrenten.

Erster Boxenstopp: Der Schlüssel zum Sieg

Bereits nach sieben Runden führte Schumacher mit 17 Sekunden Vorsprung - selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich viel. Schumacher spielte den Vorsprung herunter: "Es sah leichter aus als es war. Aber das lag auch zum großen Teil daran, dass sich Räikkönen auf dem zweiten Platz etablieren und von keinem dahinter überholt werden konnte. Das hat mir den Vorsprung gesichert, den ich nur noch bis ins Ziel retten musste. Schon als ich nach meinem ersten Stopp wieder rauskam und direkt hinter der Führungsgruppe, von denen noch keiner gestoppt hatte war mir klar, dass wir das Rennen schon zu 90 Prozent in der Tasche hatten."

Das Duell: Sato - Barrichello

Teamkollege Barrichello sicherte sich mit einem Zweistopp-Rennen den zweiten Rang und komplettierte den vierten Ferrari-Doppelsieg des Jahres. "Das heißt
aber noch lange nicht, dass ich jetzt immer eine andere Stategie anwende." Barrichello musste kurzfristig um seinen zweiten Rang bangen, als Takuma Sato in
der 46. Runde versuchte, ihn in der ersten Kurve auszubremsen. Die Aktion war spektaklär, vernichtete der Japaner mit seinem Bremsmanöver doch rund 50 Meter Rückstand. "Sorry, aber ganz schön amateurhaft diese Aktion von Takuma, denn ich glaube nicht, dass er in einer Position war, um es so zu versuchen. Er war vielleicht schneller, aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt." Der Ferrari war durch die Kollission nur leicht beschädigt, "aber nicht mehr so gut wie zuvor."

Zum fünften Mal stand Jenson Button in dieser Saison auf dem Podium. "Aber diesmal war es eher glücklich. Nach jedem meiner Stopps musste ich Autos überholen, die in der gleichen Runde wie ich waren. Eine harte Sache. Hat mich viel Zeit gekostet." In der 19. Runde gelang Button ein sehenswertes Überholmanöver außen herum  an David Coulthard vorbei auf den vierten Platz. "David unterlief zuvor in der letzten Kurve ein kleiner Fehler. Da braucht man Mut, außen herum in die erste Kurve einen zu überholen. Aber ich musste es wagen. David war fast zwei Sekunden langsamer als ich."

McLaren-Mercedes: Schlechte Lieferung Kolben

Bei Sauber war man über den sechsten Platz von Giancarlo Fisichella besonders begeistern. der Italiener musste vom 19. Platz ins Rennen gehen. Keiner blieb mit der ersten Tankfüllung so lange draußen wie "Fisico": Erst in der 24. Runde steuerte der Sauber-Pilot seine Box zum Nachtanken an. "Ob Zweistopp- oder
Dreistopp-Strategie diktiert in erster Linie der Startplatz", ließ Teamchef Peter Sauber durchblicken. "Bei uns ist ein guter Startplatz so gut wie unmöglich, weil wir im Qualifying gehandicapt sind durch die schlechten Eigenschaften unseres Reifens in der ersten Runde." Am meisten erfreut war der Schweizer über den sich reduzierenden Rückstands im Rennen auf die Renault: "Im Ziel nur zwölf Sekunden hinter Alonso, das ist mit am wichtigsten." In der Konstrukteurswertung hat Sauber auf Rang fünf mit zehn Zählern nun doppelt so viele Punkte wie McLaren-Mercedes. "Aber das", meinte sauber, wollen wir gar  nicht so sehr betonen."

Nach seinem ersten Boxenstopp kam Fisichella nur eine Sekunde hinter David Coulthard auf die Strecke zurück. Der Schotte hatte einen grandiosen Start, der ihn in der ersten Runde vom letzten Platz elf Ränge gutmachen ließ. Aber nach seinem Stopp in Runde 20 blieben Coulthard nur noch sechs weitere Umläufe, bevor auch sein Mercedes-Motor explodierte. Gleiches war zuvor in der zehnten Runde schon Räikkönen wiederfahren. Die Motoren wurden umgehend ins britische Brixworth in die Ilmor-Motorenschmiede zur Untersuchung gebracht. "Vermutlich im unteren Bereich des Motors", diagnostizierte Motorenbauer Mario Illien den Ort des Defektes. Wahrscheinlich deutet alles auf eine schlechte Lieferung von Kolben hin.

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